TERMINATOR SALVATION

Veröffentlicht: 5. Januar 2010 in reviews
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theatrical release poster

In meinen Augen ist TERMINATOR SALVATION kein guter Film. Er ist eine Enttäuschung. Das liegt nicht an schlechten Effekten – die sind gut; auch nicht an schlechten Schauspielern – die sind solide. Es liegt einerseits an einem schlechten Drehbuch, aber am stärksten wirkt sich der Faktor aus, dass der Film sein Potential völlig verspielt und die Erwartungen nicht einmal auf einem Grundniveau erfüllt.

Das Terminator-Universum von James Cameron ist eine für das Kino geniale Welt. Die ersten beiden Teile, vom Meister selbst gemacht, sind moderne Klassiker geworden, haben Filmgeschichte geschrieben und jeweils die Messlatte für SFX und VFX nach oben versetzt. Düsteres Szenario, Zeitreise-Chaos, übermächtige Maschinen, der Kampf gegen eine vermeintlich vorgeschriebene Zukunft, gepaart mit unzähligen kreativen Ideen und Kleinigkeiten, die zu den Erkennungsmerkmalen von T1 und T2 wurden – als Beispiel seien genannt prägnante Einzeiler wie „Come with me if you wanna live.“, das allseits bekannte „I’ll be back.“, das ikonografische Zerstampfen eines Totenschädels durch einen Terminator-Fuß, das einhändige Nachladen der Shotgun usw. usw.

James Cameron hat es verstanden, seine originelle Geschichte auf neue, noch nicht dagewesene Weise zu erzählen.

John Connor (Christian Bale), Marcus Wright (Sam Worthington)

Salvation

Jetzt wurde der vierte Teil gemacht (den dritten Teil ignoriere ich – da er nicht ganz so schlecht wie der vierte ist, aber auch hinter den Erwartungen zurückblieb), mit einem Regisseur, der einen Namen wie ein Rapper hat und bisher CHARLIE’S ANGELS vorzuweisen hat. Nun könnte man sagen: es ist ja nicht jeder ein James Cameron, man kann nicht mit seiner Qualität rechnen. Richtig. Aber ist es denn zu viel verlangt, zumindest in der ersten Stufe der ganzen Vorbereitung, beim Fertigstellen des Drehbuchs, dafür zu sorgen, dass am Ende ein gutes dabei rauskommt? Haben die Verantwortlichen, die am Ende ja grünes Licht geben müssen, damit viel Geld für das Projekt fließen kann, ernsthaft dieses Drehbuch für das Beste aller zum damaligen Zeitpunkt möglichen gehalten?

Dass McG daraus keinen guten Film mehr machen konnte, war bereits determiniert, ehe er loslegen konnte.

Wenn es sich nun um einen ganz normalen Actionfilm in einem Sci-Fi Setting gehandelt hätte, dann hätte ich gesagt: sei’s drum! Wenn sie die Millionen dafür ausgeben wollen, dann gibt’s eben einen weiteren 08/15 Film in Hollywoodland. Aber die Herrschaften wollten einen Terminator Film machen! Da gibt es eine Messlatte, da gibt es zwei Filme, die genial waren. Da gibt es Fans, Erwartungen, Verantwortung.

Man hätte auch das Modell Christopher Nolan wählen können: ignoriert die Vorgänger. Startet etwas ganz neues, eigenes, mit einer eindeutigen Signatur, die sich abgrenzt. Mit Batman hat es funktioniert. Dies hätte ich akzeptiert und sicherlich ein Großteil der Terminator-Gemeinde auch.

Doch die Macher haben sich für die einfachste Variante entschieden: wir haben ein simples Drehbuch, indem eigentlich rein gar nichts passiert, zumindest nichts, was den weiteren Handlungsverlauf in epischem Maße verändert. Wir haben einen Hochkaräter namens Christian Bale, der uns den John Connor, Führer der menschlichen Resistance gegen die Maschinen im Jahre 2018, macht, sowie einen vielversprechenden Sam Worthington als neues „Feature“ im Terminator Universum. Was machen wir nun, damit es auch gut wird? Ganz einfach: wir schauen uns die beiden ersten Teile ganz oft an, und alle coolen Elemente schreiben wir uns raus, um sie in unseren Film einzubauen! Auf diese Weise können wir bewährte Dinge perfekt recyceln, und wenn wir Glück haben, merkt es keiner und der Film spielt viel Geld ein.

Genau das haben sie gemacht: markante Einzeiler? Hey, die kommen in Actionfilmen immer gut, aber hier hat man sie gleich 1:1 übernommen um die Verbindung zu zeigen, die der Zuschauer sonst ganz bestimmt nicht gemacht hätte. „Come with me if you wanna live.“, „I’ll be back.“ Einhändiges Shotgun-Nachladen – wozu zweihändig? Sarah Connor hat es doch so cool vorgemacht. Plattgetretene Schädel – ja, dieses Bild hat es den Machern richtig angetan, und es ist so richtig Terminator-mäßig, dass es unbedingt mehrmals rein musste! Und da wir in T2 schon mal ne geile Methode gesehen haben, wie man Terminatoren in Kombination schmilzt und schockgefriert, bekommen wir das gleich ein weiteres Mal aufgetischt, natürlich wieder in einer Fabrik. Böse Terminatoren, die nach erstem kassierten Schlag ins Gesicht ihren metallischen Kopf ganz langsam (im Close-up) zurückwenden? Bewährt – rein damit!

Und so läuft es durchweg durch den ganzen Film. TERMINATOR SALVATION ist ein Paradebeispiel an Unkreativität und schlechter Kopie. Man hat sich hier voll als Trittbrettfahrer an die ersten zwei Teile geklammert in der Hoffnung oder Überzeugung, dies würde für einen guten Film ausreichen. Tut es aber nicht. Dieses Recycling geht noch weiter, bis hin zu haarsträubenden Elementen, selbst Arnie-Wiederaufbereitung.

What just happened?

Die Haupthandlung des Films ist zunächst gesplittet auf zwei Handlungsstränge. John Connor (Bale) ist auf der Suche nach Kyle Reese – der Mann, den er irgendwann in die Vergangenheit schicken wird, um Connors Mutter zu beschützen, die von dem T-800 terminiert werden soll. Kyle Reese wird dann mit Sarah Connor ein Kind zeugen und sterben. Dieses Kind ist John Connor. John weiss also, wenn er Kyle Reese nicht findet, kann er ihn nicht zurückschicken, und er dadurch nie gezeugt werden. So weit alles klar? Gleichzeitig haben die Menschen eine Möglichkeit entdeckt, mit der sie die Maschinen lahmlegen können – der Krieg könnte beendet werden!

Weiterhin lernen wir Marcus Wright (Sam Worthington) kennen. Dieser wird in unserer Gegenwart zu Tode verurteilt, vermacht seinen Körper jedoch der Wissenschaft. Da er in der Zukunft existiert, bzw. erwacht (und im Prinzip die Perspektive des unwissenden Zuschauers darstellt), folgern wir, dass mit ihm etwas gemacht worden ist – und wir erahnen auch was. Bizarr. Marcus versucht sich zu orientieren, und trifft im zerstörten L. A. auf Kyle Reese (Anton Yelchin), der zusammen mit einem stummen Mädchen ums Überleben kämpft.

Nach einem Zwischenfall gelangen Kyle und das Mädchen in Gefangenschaft der Maschinen und werden in das Hauptquartier von Skynet verschleppt, denn die Maschinen sammeln Menschen scheinbar. Marcus entschließt sich, die beiden zu befreien – in Kooperation mit Connor, denn…

…die Handlungsstränge überschneiden sich irgendwann und laufen dann auf das große (?) Finale aus, welches zum Ende führt, das eigentlich keines ist, sondern den Weg bereitet für T5, welcher auch von McG gemacht werden soll.

Was bleibt?

Als Terminator Fan muss ich klar sagen, dass ich enttäuscht und auch erbost bin. Mit Christian Bale in der Hauptrolle und einem so tollen Hintergrund hätte ein richtig guter Sci-Fi Film daraus werden können. T2 hat einen Meilenstein gesetzt und eine Generation geprägt. Ich war glaube ich 13, als ich ihn das erste Mal gesehen habe, und den Eindruck, den der Film auf mich gemacht hat sowie sein Einfluss sind gar nicht hoch genug einzuschätzen.

Anstatt die Alternative zu wählen, das Universum neu zu erfinden und ihm eine eigene Handschrift zu geben (siehe Nolans Batman), hat man nur schlecht kopiert und zitiert.

So macht der Film wahrscheinlich nur Leuten Spaß, die das Terminator Universum nie kennen gelernt haben und einfach nur auf simple Action stehen.

Die visuellen Effekte sind gut und überzeugend. Sam Worthington ist die beste Figur (im Sinne der schauspielerischen Darstellung), ironischerweise aber auch die deplazierteste (vielleicht nach Michael Ironsides Charakter mitsamt restlicher U-Boot Besatzung und dicht gefolgt vom stummen Mädchen). Der Sinn seiner Figur im Kontext der Geschichte erschließt sich mir bis jetzt nicht. Christian Bale ist nur solide, wird aber auch kein bisschen gefordert. Die übrigen Charaktere sind kaum der Rede wert, denn sie haben Null Funktion. Skynet, die A.I., welche den Krieg gegen die Menschheit als Superintelligenz führt, erweist sich als erstaunlich dumm und irrational, aber wenn man oben genannte Punkte bereits moniert hat, sollte man sich damit gar nicht mehr aufhalten.

Fazit:

Enttäuschung für Fans und Anspruch. Spielt nicht in der Liga der ersten zwei Teile – ist nicht Mal der gleiche Sport. Für Nichteingeweihte: Mäßiger Actionfilm mit Handlungslöchern und guten Effekten, die teilweise ein wenig an TRANSFORMERS erinnern.

TERMINATOR SALVATION
USA 2009
Regie: McG
Drehbuch: John D. Brancato, Michael Ferris
Kamera: Shane Hurlbut
Schnitt: Conrad Buff
115 min.

5/10


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