THE HANGOVER

Veröffentlicht: 9. Januar 2010 in reviews
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Kleine Vorgeschichte:

Als ich den Trailer im Kino gesehen habe, dachte ich: „Oh nein, nicht schon wieder eine Las Vegas Klamotte!“ Deshalb stand THE HANGOVER auch nicht besonders weit oben auf meiner Liste. Der Trailer sah zwar recht lustig aus, aber ich dachte, da werden wie in den meisten Fällen die besten Szenen schon drin sein, und der Film nicht halten können was der Trailer versprochen hatte.

Als THE HANGOVER für die Golden Globes nominiert wurde in der Kategorie Bester Film Musical/Komödie, wurde ich ein wenig stutzig. Dann kamen die ersten Infos von Bekannten, die den Film toll fanden. Also fiel die Entscheidung, und gestern gabs den Hangover-Filmabend.


Viva Las Vegas!

Die Handlung ist recht simpel: Junggesellen-Abschied in Vegas, Bräutigam mit seinen drei Kumpels: der gutaussehende, aber mit seinem Leben unzufriedene Grundschullehrer, der von seiner Oberzicken-Freundin kontrollierte Zahnarzt-Spießer sowie der mental labile bärtige Nerd.

Der Film beginnt mit dem Beinahe-Ende: wir sehen, wie drei Typen in der Wüste die panische Braut anrufen, um ihr zu beichten, dass der Bräutigam verschwunden ist. Dann springen wir zurück in der Zeit und sehen, wie die Bachelors sich nach Las Vegas begeben, dort einchecken, anstoßen und sich anschicken, feiern zu gehen. Doch am nächsten morgen ist der Kater groß, keiner weiß mehr, was passiert ist, die Hotelsuite ist ein Hort der Zerstörung, ein Tiger auf dem Klo, ein Baby im Schrank, und der Bräutigam ist weg.

Also begibt man sich auf den Weg, die Geschehnisse der letzten Nacht zu rekonstruieren und den verlorenen Kumpel wieder zu finden. Dabei passieren die skurrilsten Dinge, und so langsam werden sich die drei bewusst, was sie alles angestellt haben…

Was mir an THE HANGOVER gefällt

Der Film ist wirklich lustig. Es gibt einige Szenen, Einstellungen, Ideen, wo ich laut auflachen musste. Manchmal, weil etwas einfach nur unglaublich bescheuert war, manchmal über Gesichtsausdrücke der einzelnen Charaktere. Elemente wie das Baby, der Tiger sowie Mike Tyson sind ja (leider) schon aus dem Trailer bekannt, und sorgen an verschiedenen Stellen für tolle Pointen. Die Tatsache, dass der Zuschauer zusammen mit den Charakteren nicht weiß, was passiert ist, es aber gleichzeitig mit ihnen rekonstruiert und ahnt, führt zu einem positiven Erlebnis. Man kann den Film stupide auf sich einwirken lassen – man kann aber auch versuchen, den Überblick zu bewahren, was gar nicht so einfach ist. Wie schon erwähnt, sind Kleinigkeiten die Dinge, die mir am Film am meisten Spaß gemacht haben, Anspielungen, Parodien (auf RAIN MAN, THE GODFATHER), und zum großen Teil Komik, die aus der Körpersprache resultiert. Die Darsteller sind an sich perfekte Stereotype, die wahrscheinlich den Großteil des Publikums abdecken, so dass jeder sich in irgendeiner Szene erkennen könnte. Mr. Chow ist ein Erlebnis – diesen völlig durchgeknallten Charakter kann man sich übrigens in den Blu-Ray Extras in einer ca. siebenminütigen Improvisation antun – es lohnt sich. Der Schauspieler musste danach vermutlich ins Sauerstoffzelt. Überhaupt sind die Extras recht amüsant, besonders das Digicam-Feature, welches auch am Filmende kommt und für die letzten Lacher auch während der Endcredits sorgt. Cast & Crew hatten wahrscheinlich beim Schießen der Fotos mehr Spaß als beim eigentlichen Filmdreh.

Was mir an THE HANGOVER nicht gefällt

Leider gibt es Szenen, die auf einen gewissen Humor greifen, der meiner Meinung nach unnötig ist und bloß für die Fraktion gedacht ist, die im Kino immer dann grölt, wenn etwa Scheiße durch die Luft fliegt. Ein alter nackter Mann mit deformiertem Körper bei der ärztlichen Untersuchung im Krankenhaus hat für den weiteren Handlungsverlauf überhaupt keinen Sinn, nicht einmal die Szene selbst ist logisch, da der Arzt, mit dem sich die Hauptprotagonisten in dieser Szene unterhalten, sie wohl kaum ins Behandlungszimmer rein gelassen hätte, während er sich gerade um einen Patienten kümmert. Diese Szene ist nur für die „dummen“ Lacher gedacht und eigentlich ein Armutszeugnis, denn der Film bietet mehr als genug gute Lacher mit Niveau – na ja.

Ansonsten ist noch zu meckern, dass ein paar Verläufe der Handlung doch ziemlich konstruiert sind und dadurch künstlich wirken, um am Ende zur Auflösung zu kommen, aber darüber sieht man dann doch hinweg.

Fazit:

Gute Komödie mit überzeugenden Darstellern, witzigen Einfällen und aufgrund des Plots interessanter Story, die der Zuschauer gemeinsam mit den Charakteren rekonstruiert. Erinnert ein wenig an VERY BAD THINGS, geht aber doch in eine ganz andere Richtung. Perfekt für den lustigen Filmabend in Gesellschaft, wahrscheinlich deshalb von mir auch folgende Wertung. Vielleicht hätte ich ihm einen Punkt weniger gegeben, wenn ich ihn alleine geschaut hätte…

Schwer zu sagen, wie die Chancen bei den Globes stehen. Ich halte ihn jetzt nicht für so gut, um zu gewinnen, kenne aber auch die anderen nominierten Filme noch nicht.

THE HANGOVER (2009, Todd Philips), 108 min. (unrated version)

8/10


Kommentare
  1. Dr. Borstel sagt:

    Dafür, dass der Negativ-Absatz fast so lang ist wie der Positiv-Absatz, kommt der Film ja noch ziemlich gut weg.😉 In der Gemeinschaft lässt sich der Film tatsächlich eher genießen. Hätte ich ihn allein gesehen, wäre ich wahrscheinlich auch weniger erbaut gewesen. Was die Globes angeht: Von allen großen Filmpreisen sind die ja sowieso der am Wenigsten Ernstzunehmende. Keine Sorge, ich werde mich jetzt nicht über die Nominierung von „Avatar“ aufregen, aber die Preisvergabe der Globes ist doch des Öfteren eher grenzwertig. Von daher, wer weiß schon, was da passiert …

    • indy sagt:

      Ja das stimmt schon, wahrscheinlich wären 7 Punkte realistischer gewesen, aber da es gestern einfach Spaß gemacht hat und die negativen Aspekte den Film nicht so getrübt haben, will ich mal so nicht so sein und bleibe bei den 8.😉

      Naja, das mit den Globes ist auch wieder wahr, manchmal merkwürdige Nominierungen, manchmal aber auch verdiente, die wiederum bei den Oscars vergessen werden…letztlich ist es meistens eh ne politische Sache, also was solls…

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