SIGNS

Veröffentlicht: 11. Januar 2010 in reviews
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SPOILER-WARNUNG!

Ich bin ein M. Night Shyamalan Fan. Er gehört zu einer neuen Generation (Jahrgang 1970) von Autorenregisseuren, die ich verehre – als weitere wären zu nennen Christopher Nolan, Paul Thomas Anderson, Darren Aronofsky, und im (was den Jahrgang betrifft) erweiterten Kreis auch Quentin Tarantino. Shyamalan hat wie die anderen genannten seinen ganz eigenen Stil, der sich in seinem Fall klar an Hitchcock orientiert. Seine Bilder sind ruhig und genau aufeinander abgestimmt. Er ist ein Perfektionist. Mit THE SIXTH SENSE hat er sofort einen Megahit gelandet, und darauf einige weiterer guter Filme folgen lassen. Sein dritter großer Film, SIGNS (2002), zählt zu meinen Favoriten neben UNBREAKABLE. Tatsächlich ist das sogar mein Lieblingsfilm von Shyamalan. Warum ist das so?

SIGNS ist für mich ein nahezu perfekter Film, und das hat mich damals nach dem Kinobesuch selbst überrascht, denn die Message, die offensichtlich rübergebracht werden sollte, spricht mich an sich nicht sehr an, außerdem gibt es logische Probleme, wenn man die ganze Rahmenhandlung streng betrachtet. Aber dann habe ich etwas Interessantes an SIGNS für mich entdeckt, welches ihn zu einem meiner Favoriten machte. Doch ich greife vor…

We are not alone

Die Handlung von SIGNS ist schnell erzählt. Nachdem an mehren Stellen auf der Erde Kornkreise erscheinen, unter anderem auch im Feld des ehemaligen Pfarrers Graham Hess (Mel Gibson), steht unser Planet scheinbar vor der Invasion durch eine außerirdische Macht.

Mel Gibson, Rory Culkin

Graham selbst hat vor sechs Monaten seine Frau verloren, die bei einem Autounfall getötet wurde. Er lebt mit seinen zwei Kindern (Rory Culkin und Abigail Breslin) und seinem jüngeren Bruder (Joaquin Phoenix) zusammen, und hat die Kirche nach dem Tod der Frau frustriert verlassen sowie seinen Glauben verloren.

Der Film hat somit zwei Ebenen. Die eine Ebene ist die Invasion der Aliens und wie die Menschen, in unserem Falle Grahams Familie, damit umgehen. Die zweite Ebene ist der Glaubensverlust von Graham und wie er die Welt nach dem Unfall sieht. Es gibt eine Schlüsselszene im Film, in der sich Graham mit seinem Bruder unterhält und erwähnt, dass es zwei Gruppen von Menschen gibt: Gruppe 1 glaubt an Wunder und daran, dass einzelne Vorfälle kein Zufall sind, sondern Teil eines großen Ganzen, einer Bestimmung. Gruppe 2 glaubt nicht an Wunder, sondern an Zufälle. Die Frage wird aufgeworfen, zu welcher Gruppe man sich zugehörig fühlt. Nach dem Verlust seiner Frau sieht sich Graham definitiv in Gruppe 1, wohingegen sein Bruder an Wunder glaubt, wie er anhand einer witzigen Anekdote aus seiner Jugend veranschaulicht.

Rory Culkin, Joaquin Phoenix, Abigail Breslin

Atheisten, Agnostiker oder sonstige nicht-religiöse Menschen könnten ein Problem mit dem Film haben, da er immerhin mit einem Wunder aufhört, bzw. mit einem so höchst unwahrscheinlichen Zufall, dass diese Option inakzeptabel wäre (wobei Arthur Dent aus dem Hitchhiker’s Guide uns zu dem Thema sicher was anderes sagen würde). Die Sache ist nur die, dass meiner Meinung nach Shyamalan nicht einen Film ausschließlich für Gruppe 1 gemacht hat, wie es auf dem ersten Blick erscheint. Nein, er hat beide Gruppen bedient, und zwar mit zwei möglichen Enden. Es gibt kurz vor dem großen Twist im Film im Keller eine Schwarzblende, worauf ein letzter Rückblick zum Unfall folgt und dann eben das Ende. Meine Theorie, die mir damals nach dem Kinobesuch in den Kopf schoss, ist, dass unmittelbar nach dieser Schwarzblende für Gruppe 2 der Film beendet ist! Sie sind eingesperrt im Keller, der Sohn hat kaum Überlebenschancen, und es ist nur eine Frage der Zeit, bis die Aliens eindringen. Tragisches Ende. Übrigens könnte ich schwören, dass die Pause im Kino länger war als auf der DVD – aber das ist schon fast acht Jahre her.

Your choice

Lediglich für Gruppe 1 geht es weiter, nämlich mit dem Wunder: dass am Ende alle noch so kleinen Zufälle, die schon Jahre zuvor passiert sind (seit der Geburt der Kinder), inklusive des Unfalls der Mutter, am Ende Puzzleteile sind, die dafür sorgen, dass die Familie auf wundersame Weise gerettet wird. Man muss zugeben, wenn man an Wunder, Bestimmung oder göttliche Intervention glaubt, so stimmt einen dieses Ende natürlich froh.

Das ist meiner Meinung nach der Clou an SIGNS. Wir können wählen, welches Ende für uns akzeptabel, glaubwürdig oder einfach gewünscht ist. Der rationale, im Diesseits verankerte Geist wird ebenso angesprochen wie der an das Übernatürliche, an Prädestination Glaubende.

Dies, und die Tatsache, dass Shyamalan es schafft, in einem Film die Suspense zu kombinieren mit herzergreifenden traurigen Szenen und gleichzeitig regelmäßig für Lacher sorgt ob der Dialoge zwischen dem etwas hinterwäldlerischen Bruder (Joaquin Phoenix ist herrlich in seinem Spiel eines so einfachen Menschen) mit den Kindern oder mit Graham. Dieses hin und her Springen zwischen Thriller, Drama und Komödie, gepaart mit der von Shyamalan gewohnten bis ins letzte Detail konzipierten Komposition (Kamera hat wie bei THE SIXTH SENSE Tak Fujimoto geführt) machen SIGNS für mich zu seinem besten Werk. In der Öffentlichkeit genießt er längst kein so hohes Ansehen wie seine anderen Filme, und wurde an vielen Stellen ob seiner Logikfehler verrissen. Ich bin froh, dass dieser Film entstanden ist  (auch wenn ich den krassen Determinismus des Gruppe 1-Endes kritisch hintefrage), und hoffe, dass Shyamalan wieder anschließen wird. LADY IN THE WATER war zwar ein schöner Film, aber schwach verglichen zu seinen Vorgängern, und von THE HAPPENING war ich enttäuscht, weil hier ein Hauptargument für Shyamalans Filme, die Optik, überhaupt nicht gestimmt hat. Ob er mit THE LAST AIRBENDER wieder anknüpfen kann wage ich zu bezweifeln, aber ich hoffe es.

Fazit

Ungeachtet aller Kritik, an der man sich beim persönlichen Filmglück sowieso nie orientieren sollte, mein Shyamalan-Favorit, dicht gefolgt von UNBREAKABLE.

Übrigens stammt aus SIGNS eines meiner Lieblings-Zitate: „The Nerds were right!“

SIGNS (2002, M. Night Shyamalan), 106 min.

10/10

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