Angespornt durch die Ehrung Scorseses bei den Golden Globes mit dem Cecil B. DeMille Award, habe ich mir gestern endlich NEW YORK STORIES von 1989 angesehen. Dabei handelt es sich um einen Dreierpack von Kurzfilmen mit dem Thema New York. Der erste Film von Scorsese heißt LIFE LESSONS, der zweite von Francis Ford Coppola LIFE WITHOUT ZOE und schließlich folgt OEDIPUS WRECKS von Woody Allen. Aus welchen Gründen auch immer kam ich bisher nie dazu, diese Filme zu sehen, aber ich bin froh, dies nachgeholt zu haben!

LIFE LESSONS

Scorseses Film ist der längste und in vielen Punkten beeindruckendste Film. LIFE LESSONS handelt von einem Maler (Nick Nolte) und seiner Beziehung zu seiner jungen Assistentin/Geliebten/Muse (Rosanna Arquette). Sie hat die Nase von ihm voll und möchte die Beziehung zumindest auf sexueller Basis beenden, hat auch bereits Kontakt zu einem anderen Mann geknüpft. Er geht auf den Deal ein, weil er sie unbedingt bei sich behalten will, nachdem sie erst angedroht hatte, New York zu verlassen und zu ihren Eltern zu ziehen. Die Geschichte spielt in den letzten drei Wochen vor Eröffnung seiner neuesten Ausstellung, so dass er mit seinen Gemälden unbedingt fertig werden muss. Die Eifersucht und das Verlangen nach ihr machen ihn zwar immer verrückter und für sie anstrengender, gleichzeitig treiben sie ihn in seinem künstlerischen Schaffen voran. Ich kann mich spontan an keinen Film erinnern, in dem das Künstlerleben und das Erschaffen von Kunst so authentisch visualisiert worden ist. Nick Nolte liefert eine geniale Leistung ab, und auch Rosanna Arquette ist gut. Steve Buscemi hat eine kleine Nebenrolle als Performance Künstler und eine richtig gute Szene im Film.

Bekannt für seine gute Musikauswahl, spielt Scorsese auch in LIFE LESSONS nicht nur mit Kamerafahrten und ungewöhnlichen Einstellungen, sondern kombiniert dazu Musik von den Stones, Dylan, Cream und das hypnotische „A Wither Shade of Pale“ von Procul Harum, welches auch als Hauptthema dient. Der ganze Film ist eine herrliche Montage. Scorsese wie er leibt und lebt! Dramaturgisch schließt sich am Ende der Geschichte der Kreis und die LIFE LESSONS beginnen wieder von vorne…

9/10


LIFE WITHOUT ZOE

Über diesen Film möchte ich nicht viele Worte verlieren, denn er enttäuscht und ist in den meisten Bereichen einfach schlecht. Dadurch, dass er von zwei sehr guten Filmen gerahmt wird, fällt er verstärkt negativ auf, und Coppola kann hier nicht mal ansatzweise mit Scorsese und Allen mithalten. Die Geschichte ist mehr oder weniger ein Märchen und hat viele Fantasie-Elemente. Die Hauptfigur ist Zoe, Tochter aus reichem Hause, der es an nichts mangelt außer elterlicher Fürsorge. Die Eltern sind getrennt und ständig unterwegs. Zoe versucht, ihre Eltern zusammen zu bringen und gleichzeitig einer orientalischen Prinzessin ihren Ohrring wiederzugeben…

Das Drehbuch hat Coppola mit der damals 17-jährigen Tochter Sofia geschrieben – was man auch merkt. Das Schauspiel ist schlecht und künstlich, auch das Verhalten Zoes und der anderen Kinder ist nicht wirklich realistisch – was aber sicherlich auch nicht gedacht war. Der ganze Film wirkt wie ein kleiner Familienspaß im Hause Coppola, ein Filmexperiment. Im NEW YORK STORIES Kontext aber ist er meiner Ansicht nach völlig fehl am Platze.

4/10

OEDIPUS WRECKS

Der Abschluss dieser Anthologie wiederum ist ein Highlight. Ich liebe Woody Allen, denn er schreibt die wahrscheinlich besten Dialoge überhaupt, und sein Sinn für Humor ist absolut auf meiner Wellenlänge.

OEDIPUS WRECKS ist typische Woody Allen Komödie: ein Anwalt (Allen) leidet unter seiner anstrengenden, kritisierenden und besser wissenden Mutter. Er kann es ihr nie recht machen, er hält es nicht aus mit ihr – dem Psychoanalytiker gesteht er sogar, dass er sich manchmal wünscht, sie würde einfach verschwinden. Nachdem er eine Frau kennen gelernt hat (Mia Farrow) und diese gezwungenermaßen der Mutter vorstellen muss, meckert jene wie erwartet auch über die neue Freundin. Doch dann passiert etwas, womit unser Anwalt nicht gerechnet hat: seine Mutter verschwindet. Keine Spur von ihr – vorerst. Auf welche kuriose Art die Mutter verschwindet, und was danach passiert im Leben des Anwalts, soll an dieser Stelle nicht verraten werden – nur so viel sei gesagt: wer Woody Allen mag, der wird auch OEDIPUS WRECKS lieben!

9/10


Fazit

NEW YORK STORIES ist sehenswert, allein wegen Scorseses und Allens Beiträgen. Francis Ford Coppola hingegen hat daneben gegriffen und lag weit unter dem, was man von ihm erwarten sollte.

NEW YORK STORIES (1989, Martin Scorsese, Francis Ford Coppola, Woody Allen), 124 min.

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