THE UNTOUCHABLES

Veröffentlicht: 1. Februar 2010 in reviews
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THE UNTOUCHABLES, die Unbestechlichen, so hießen die Leute um Prohibitionsagent Eliot Ness, die sich zur Aufgabe gemacht hatten, Al Capone hinter Gitter zu bringen. Amerika in den 30ern: die Prohibition, das umstrittene Alkoholverbot, welches angedacht war für eine Reduzierung der Kriminalität, führt zu einem Erstarken der organisierten Kriminalität, welche Alkohol in das Land schmuggelt und für erhöhte Preise verkauft. Kopf der Verbrecherszene in Chicago ist Al Capone, welcher aufgrund seines Auftretens und Umgangs mit der Presse Kultstatus erreicht – wohingegen die Unbestechlichen wegen des unbeliebten Gesetzes nicht die Bevölkerung hinter sich haben.

Al Capone wurde schließlich wegen Steuerhinterziehung verurteilt, denn die von ihm begangenen Morde und andere Verbrechen konnten ihm nicht nachgewiesen werden.

You can get further with a kind word and a gun than you can with just a kind word.

Brian De Palma drehte 1987 diesen Gangsterfilm nach einem Drehbuch von David Mamet, welcher die tatsächlichen Ereignisse ein wenig abfälschte. Nur fünf Jahre zuvor hatte De Palma SCARFACE in die Kinos gebracht, auch eine Anspielung auf Capone und den Originalfilm von 1932. Scarface war der Spitzname Capones. THE UNTOUCHABLES ist einerseits Starkino: Kevin Costner war zu diesem Zeitpunkt dabei, das Publikum im Sturm zu erobern, kurz darauf sollte er mit DANCES WITH WOLVES, ROBIN HOOD – PRINCE OF THIEVES und natürlich THE BODYGUARD zum absoluten Megastar der frühen Neunziger werden. Andy Garcias Stern ging auch so langsam auf, und mit Sean Connery sowie Robert De Niro als Al Capone waren noch zwei Titanen an Bord.

Gleichzeitig ist THE UNTOUCHABLES aber auch ein unnachahmlicher De Palma Film. Wenn ich Brian De Palma höre, dann denke ich sofort an Kamerafahrten, an lange Einstellungen, und an interessantes Spiel mit Licht und Schatten. Auch dies bietet THE UNTOUCHABLES.

Was mir an THE UNTOUCHABLES gefällt

Durch die hochkarätige Besetzung gewinnt der Film natürlich Sympathiepunkte, jedoch zu Recht. Es war lange her, dass ich einen Kevin Costner Film gesehen habe, und doch habe ich mich sofort erinnert, wie er damals die Zuschauer und damit auch mich für sich gewonnen hat. Kevin Costner war mein allererster persönlicher Leinwandheld, er war der erste Star, dessen Filme ich bereits im Kino zum Releasetermin gesehen habe – mitten in den Teenie-Jahren. Das war ein Held, zu dem ich aufgeschaut habe. ROBIN HOOD – PRINCE OF THIEVES und THE BODYGUARD habe ich damals geliebt (ROBIN HOOD liebe ich immer noch), JFK und DANCES WITH WOLVES haben mich schwer beeindruckt. Und selbst Clint Eastwoods von so vielen verrissenes A PERFECT WORLD war für mich ein Highlight in meiner Bewunderung für Kevin Costner. Ich könnte jetzt ewig weiter schreiben über die Filme von und mit Costner, aber belasse es lieber bei dem bisher Gesagten.

Sämtliche Schauspieler machen in THE UNTOUCHABLES einen guten Job, letztlich möchte ich Robert De Niro erwähnen, der ja zu meinen Lieblingsschauspielern gehört: Capone sehe ich nicht als seine beste Rolle – er hat zweifelsohne schon wesentlich bessere Rollen gespielt. Aber De Niro kann nie schlecht sein. Seinen Job macht er gewohnt überzeugend und souverän. Da er in einer anderen Liga spielt, ist eine Kritik an seiner Leistung nicht vergleichbar mit den meisten anderen Schauspielern. Viele seiner Manierismen sind in seiner Verkörperung von Capone zu sehen: Wiederholung von Worten und Gesten, die dadurch ein anderes Gewicht bekommen; sein diabolisches Grinsen, an welchem nichts Lustiges ist; der ausgestreckte warnende Zeigefinger, wenn er allen anderen erklärt, wo es langgeht. De Niro meistert wie gewohnt die kleinsten Details, und am besten ist er wie immer in den minimalen Veränderungen. Als Paradebeispiel möchte ich die berühmte Baseballszene beim Gangstertreffen anbringen. Mir läuft jedes Mal ein Schauer über den Rücken während des kurzen Bruchteils der Sekunde, bevor aus dem Anekdoten schwingenden Gastgeber der Killer wird. Man sieht in diesem kurzen Bruchteil einen Gesichtsausdruck, der alles sagt – ähnlich wie in der berühmten Kamerafahrt in GOODFELLAS.

Genug von den Darstellern. Regisseur De Palma drückt auch THE UNTOUCHABLES seinen signifikanten Stempel auf. Auch hier gibt es wieder die charakteristischen gut choreographierten langen Einstellungen – die Bahnhofsszene auf der Treppe ist weltberühmt geworden – aber auch der Einbruch in Jim Malones (Sean Connery) Wohnung ist, was das angeht, anregendes Filmemachen. Außerdem gefällt mir die Wahl der Objektive, besonders die Split-Focus Szene in der Kirche  hat es mir angetan. Costner und Connery sitzen vorne auf der Bank, und das Close-Up auf beide Gesichter zeigt einen gestochen scharfen Costner ganz rechts im Bild fast im Profil, während sich Connery ebenfalls im eigenen Schärfenbereich befindet. Solche Einstellungen lassen sich auch in De Palmas DRESSED TO KILL und BLOW OUT (Travolta in der Krankenhaus-Szene) finden.

Durch die Art der Montage, durch sein Setting in den 30ern, wirkt THE UNTOUCHABLES wie ein Klassiker – und ist sicherlich auch ein moderner Klassiker geworden.

Was mir an THE UNTOUCHABLES nicht gefällt

Es gibt eine Szene, die mich nervt, und das ist die Schießerei an der Brücke zwischen der kanadischen und amerikanischen Grenze. Diese Schießerei erinnert mich an einen Indiana Jones Film. Sie ist mit Humor gespickt, coolen Einzeilern der Charaktere, und schlichtweg unrealistisch. Der kleine Oscar Wallace (Charles Martin Smith) hat genau wie sein Gegenüber keine Munition mehr (nachdem der Buchhalter zielsicher mehrere Gangster über den Haufen geschossen hat), und schlägt seinen Gegner mit der Waffe nieder, der keine Anstalten macht sich zu wehren, sondern stur weiterversucht, seine Waffe nachzuladen – nur ein Beispiel dieser peinlichen Szene. Dadurch sticht sie für mich aus dem Gesamtfilm krass heraus, da die anderen Gewaltszenen durchaus ernst und real anmutend gedreht sind. Die Brückenszene ist für mich Abenteuerkino, wohingegen der eigentliche Film ein Crimethriller ist. Zum Glück bleibt es bei dieser einen Szene, die mir negativ aufgefallen ist.

Fazit

THE UNTOUCHABLES ist ein moderner Klassiker voller überzeugender Stars. Er erzählt eine etwas abgewandelte Geschichte über die realen Geschehnisse, die zur Verhaftung von Al Capone führten. Brian De Palmas visuelle Handschrift sowie eine ganze Reihe von teilweise hoch spannenden und meisterlich inszenierten Szenen, machen diesen Film auch mehr als 20 Jahre nach seinem Release noch immer zum gelungenen Filmabend.

THE UNTOUCHABLES
USA 1987
Regie: Brian De Palma
Drehbuch: David Mamet
Kamera: Stephen H. Burum
Schnitt: Gerald B. Greenberg, Bill Pankow
119 min.

9/10


Kommentare
  1. Chris Kurz sagt:

    sehr guter artikel zu einem herausragenden film! schön, dass du auch vermehrt ältere titel vorstellst und viele gute filme in erinnerung rufst, bzw. bei einen großteil der leserschaft überhaupt auf die existenz dieser filme aufmerksam machst [z.b. beim sehr löblichen hinweis auf das projekt „new york stories“]
    weiter so!

  2. indy sagt:

    vielen dank für deinen kommentar! es freut mich, dass ich auch mit den älteren filmreviews eine zielgruppe ansprechen kann – und es macht spaß, alte filme neu zu entdecken!

  3. Tikvah sagt:

    Ich finde für einen Film, der angesiedelt in den 30er Jahren ist, sollte er auch Musik wählen die in die Zeit passt.

    Der größte Kritikpunkt für mich ist die zweifelhafte Bestrafung der Polizisten, die dem Alkohol nicht widerstehen können. Die werden alle das Filmende nicht überleben.

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