A SERIOUS MAN

Veröffentlicht: 8. Februar 2010 in reviews
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Nachdem ich A SERIOUS MAN gesehen habe, beschleicht mich das Gefühl, dass ich aufgrund meines Unwissens in vielen Bereichen der Religion nur einen halben Film gesehen habe, und daher nur an der Oberfläche kratze. Doch alleine schon diese Oberfläche hat mich fasziniert und unterhalten.

A SERIOUS MAN ist der neueste Film der Coen Brüder, welche nach ihrem großartigen NO COUNTRY FOR OLD MEN sowie nach dem für Coen-Verhältnisse eher schwachen BURN AFTER READING wieder eine weitere Kuriosität in ihr Universum gesetzt haben. Die Handlung ist eine Anspielung auf die Geschichte von Ijob (Hiob), nach welchem auch die bekannte Hiobsbotschaft benannt wurde. Ijob wird von Satan ins Unglück gebracht, weil jener mit Gott gewettet hat, dass Ijob nur gut und fromm sei, solange es ihm gut gehe. Also lässt Gott zu, dass Satan wütet und Ijob die Kinder und sein Hab und Gut nimmt und ihn sogar erkranken lässt. Doch Ijob hält Gott die Treue und wird von diesem belohnt.

Ich gebe zu, dass ich die Geschichte Hiobs nachschlagen musste, da der Religionsunterricht doch eine Weile her ist – aber selbst ohne die Kenntnis dieser Erzählung ist die Handlung des Films einleuchtend:

Larry Gopnik (Michael Stuhlbarg)

Larry Gopnik (Michael Stuhlbarg) ist ein Mathematik/Physik-Professor an der Universität. Das macht ihn gewissermaßen zu einem weltfremden Kauz, und dennoch versucht er, ein aufrichtiger Jude zu sein und sein Leben anständig zu führen. Doch scheinbar spielt ihm eine höhere Macht einen Streich, denn Larry widerfahren eine Katastrophe nach der anderen: seine Frau will ihn verlassen und einen Freund der Familie heiraten, er ist fast pleite, an der Universität wird er erpresst, seine Kinder haben ihr eigenes Leben – der Sohn kifft und muss sich auf seine Bar Mitzwa vorbereiten; die Tochter bestiehlt ihn und möchte ihre Nase operieren lassen. Larry hat einen fast autistischen Bruder, der ständig in Schwierigkeiten steckt und auch welche macht. Schließlich ist der Punkt erreicht, an dem Larry nicht mehr weiter weiß, und er nimmt den Ratschlag an, zum Rabbi zu gehen – es sollen schließlich drei Rabbis werden. Die Rabbi-Besuche sind Highlights des Films.

A SERIOUS MAN ist eine skurrile Komödie, mit einem Protagonisten, den man nur bemitleiden kann. Es steckt unglaublich viel Witz in diesem Film, Anspielungen auf religiösen Glauben, Sinnfragen – überhaupt die Frage nach Antworten. Ist es nicht herrlich, wenn Larry an der Universität in nicht endenden Formeln den Studenten völlig sicher und fachmännisch erklärt, ob Schrödingers Katze tot ist oder nicht, während um ihn herum gleichzeitig die Welt zusammenbricht, und ihm keiner eine Antwort auf die Frage nach dem Warum geben kann?

So läuft A SERIOUS MAN schließlich auf das Finale heraus, welches mit einem Paukenschlag endet und wie ich mir vorstellen kann einen Teil des Publikums verstört oder unzufrieden zurücklassen wird. Ich habe diesen Film trotz der Wissenslücken, die verhindert haben, in die unterschwellige Substanz der Geschichte einzudringen, genießen können.

Meine absolute Killereinstellung ist übrigens bei der Bar Mitzwa: der Gegenschuss auf Dannys völlig zugedröhntem Schulfreund ist ein Bild für die Götter und zeigt einmal mehr die grandiose Stärke der Coens: sie können eine Szene alleine durch die Wahl der Kadrierung witzig machen. Sie sind mitunter Götter des Framings.

Fazit

Durch die Anspielung auf Hiob kann man Parallelen ziehen zu O BROTHER, WHERE ART THOU?, in welchem Homers Odysee neu erzählt wurde. A SERIOUS MAN kommt nicht ganz an den Hit aus dem Jahre 2000 heran, aber es ist wieder ein echter Coen-Film: skurrile Charaktere, abstruse Handlungsabläufe, Humor auf einem ganz anderen Niveau, und Verblüffung des Zuschauers.

Die Tatsache, dass keine großen Stars, sondern größtenteils unbekannte oder wenig bekannte Gesichter mitwirken, macht einen zusätzlichen Reiz aus. Absolute Empfehlung, man sollte aber nicht erwarten, eine vollständige Erklärung des Films serviert zu bekommen, sondern Raum für Interpretation. Eines scheint jedoch klar zu sein: den Sinn des Lebens findet man nur in den Lyrics aus Rock Songs – aber wer wusste das nicht schon längst?

A SERIOUS MAN
USA 2009
Regie: Ethan Coen, Joel Coen
Drehbuch: Joel Coen, Ethan Coen
Kamera: Roger Deakins
Schnitt: Ethan Coen, Joel Coen
106 min.

8/10

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Kommentare
  1. christiansfoyer sagt:

    Ich bin wirklich ein Fan der Coens und hab mich auch mit Genuss durch ihre eher seichten Werke wie „Intolerable Cruelty“ oder „The Ladykillers“ gehangelt („Burn After Reading“ war mir dann aber auch eine Nummer ZU seicht), aber aus irgendeinem Grund reizt mich an „A Serious Man“ so gar nix. Obwohl ich da nach den vielen guten Kritiken tatsächlich etwas zu verpassen scheine?!

    • indy sagt:

      Naja, in meinen Augen gibt es definitiv bessere Coen Filme – dennoch hatte ich wie geschrieben meinen Spaß. Von daher, als Coen Fan würde ich Dir dann doch raten, den Film irgendwann zu schauen – wenn du schon sagst, dass Du Dir auch die seichteren Titel angesehen hast. Im schlimmsten Fall landet A SERIOUS MAN dann für Dich auch in jener Kategorie!😉

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