THE LOVELY BONES

Veröffentlicht: 22. Februar 2010 in reviews
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THE LOVELY BONES ist die Romanverfilmung des gleichnamigen Buches von Alice Sebold. Darin geht es um ein 14-jähriges Mädchen namens Susie Salmon, welches von ihrem Nachbarn im Jahre 1973 vergewaltigt und ermordet wird. Ihre Seele betritt nach dem Mord das Jenseits – ihren eigenen Himmel – und Susie kann von dort die weiteren Geschehnisse auf der Erde beobachten und zusehen, wie ihre Familie mit dem Verlust der Tochter weiterleben muss. Und wie ihr Mörder weiterhin ungeschoren davonkommt.

Peter Jackson hatte sich nach der Lektüre des Buches die Rechte an der Verfilmung gesichert und brachte THE LOVELY BONES Ende letzten Jahres in die Kinos. Seine Filmumsetzung hält sich in weiten Teilen an die Originalvorlage, allerdings gibt es einige größere Abweichungen im genauen Ablauf der Geschehnisse. Außerdem wurden Elemente, wie beispielsweise eine Affäre der Mutter mit dem ermittelnden Polizisten, im Film ausgelassen.

THE LOVELY BONES ist ein sehr ambitionierter Film, und das ist auch sein größtes Problem. Man spürt förmlich in jeder Minute den Drang des Filmemachers, ein Kunstwerk zu schaffen und sich selbst zu übertreffen. Dadurch zerläuft das Gesamtwerk für meinen Geschmack zu sehr und weiß nie so ganz recht, in welche Richtung es gehen soll.

Was mir an THE LOVELY BONES gefällt

Technisch ist Peter Jacksons zehnter Spielfilm einwandfrei, und die visuellen Effekte von Weta sind natürlich auf höchstem Niveau. Die Hauptdarstellerin Saoirse Ronan (CITY OF EMBER) hat eine zauberhafte Leinwandpräsenz mit unglaublichen Augen. Sie schafft es trotz ihres noch jungen Alters, diesen Film überzeugend zu tragen, und selbst in der vielleicht schwierigsten Szene eine beeindruckende Leistung abzuliefern. Damit komme ich auch zu Stanley Tucci. Seine Darstellung des Kindsmörders ist phänomenal; die besagte Szene, in welcher er Susie in ihr Verderben lockt, ist die beste des ganzen Films. Tucci ist für seine Rolle für den Oscar nominiert worden – allemal verdient.

Stanley Tucci

Was mir an THE LOVELY BONES nicht gefällt

Die visuellen Effekte sind wie bereits erwähnt allererste Sahne, allerdings zu viel. Oft wird die Grenze zur Effektorgie überschritten, und manchmal werden Erinnerungen an THE CELL wach. Sicherlich sollte versucht werden, ein völlig fremdartiges Fantasiereich darzustellen – aber in meinen Augen wurde zu dick aufgetragen. Die Musik (Brian Eno) ist an vielen Stellen interessant und atmosphärisch schön – aber oft merkwürdig und anstregend. Wie der ganze Film mutet die Musik oft Kopflosigkeit an.

Ich bin leider enttäuscht von THE LOVELY BONES. Er scheitert an seinen überstrapazierten Ansprüchen und hat keine klare Linie. Was will der Film vermitteln? Dass Kindsmord eine schreckliche Sache ist? Dass Susie etwas Schlimmes widerfahren ist? Dass sie etwas Schönes und Gutes erlebt in ihrem Himmel? Will der Film uns ein gutes Gefühl hinterlassen, weil es am Ende in den Himmel geht und alles gut ist? Oder will er uns traurig und bedrückt nach Hause schicken, weil wir den Verlust der Tochter zusammen mit der Familie empfinden? Ich finde, THE LOVELY BONES gibt hierzu keine guten Antworten und bleibt zu diffus. Gleichzeitig ist er nicht ambivalent genug, sondern strebt mehr oder weniger determiniert auf den Himmel und Happy End (?) zu.

Fazit

Insgesamt funktioniert THE LOVELY BONES einfach nicht so, wie er sollte. Ohne das Buch gelesen zu haben, werde ich mit dem Film nicht warm. Er hat ungemein gute und auch ein paar extrem spannende Szenen, die meisterlich inszeniert sind, aber auf der Metaebene berührt mich THE LOVELY BONES nicht und nimmt mich leider nicht wirklich mit auf Susies Reise.

THE LOVELY BONES (2009, Peter Jackson), 135 min.

6/10


Kommentare
  1. franziska-t sagt:

    Eins vorweg, ich habe nur den Film gesehen und vergleiche deshalb nicht mit dem Buch. Das Wandeln zwischen den Welten und ein unglaublich böser Stanley Tucci gehören für mich zu den Highlights. Mir hat der Film besser gefallen (5 von 6), weil ich die Geschichte unglaublich lebensbejahend finde. Du hast ja gefragt, was die Botschaft des Films ist. Für mich ist das zentrale Thema das Loslassen. Loslassen von der irdischen Welt, Loslassen von der geliebten Tochter, Loslassen von Verhaltensmustern oder „alten Zöpfen“… Der Film zeigt, dass Loslassen nicht immer etwas Schlechtes bedeuten muss (das denkt man nämlich gemeinhin BEVOR man loslässt).

    • indy sagt:

      Danke für deinen Kommentar! Es ist schon eine Weile her, dass ich den Film gesehen habe, und jetzt ohne meine Review erneut durchzulesen, ist mir im Kopf geblieben, dass mir der Film zu überproduziert und ambitioniert erschien. Es wäre vielleicht interessant, das Buch zu lesen, da mir nicht bewusst ist, ob dieser große Rahmen auch dort schon vorliegt. Ich stimme dir natürlich was das Thema des Loslassens angeht zu, doch die filmischen Probleme, die ich damals hatte, sind bei mir eher hängen geblieben. Vielleicht war PJ einfach nicht der Richtige für diesen Film, zumindest für meinen Geschmack …

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