THE HURT LOCKER

Veröffentlicht: 27. Februar 2010 in reviews
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Kriegsalltag im Irak. Die Spezialeinheit der amerikanischen Streitkräfte kümmert sich darum, Bomben zu suchen und zu entschärfen. Dabei begibt sie sich nicht nur in Gefahr aufgrund der Zerstörungskraft der Bomben, sondern auch, weil sie sich meist auf offenem Gelände präsentiert und mit Scharfschützen rechnen muss. Welcher der irakischen Zuschauer gehört zu den Bombenlegern, hat womöglich gar die Fernsteuerung in der Hand und kann jederzeit zünden?

THE HURT LOCKER, nominiert für neun Oscars und damit schärfster Konkurrent von AVATAR, wurde von Kathryn Bigelow (Ex-Frau von AVATAR-Macher James Cameron) in Jordanien gedreht.

Gleich zu Beginn des Films wird die Spezialeinheit in Aktion gezeigt – und diesmal geht es schief: der Bombenentschärfer wird getötet und muss für die verbleibenden 38 Tage bis zur Ablösung der Einheit ersetzt werden. Gleich im Intro wirkt sich einer der Clous von THE HURT LOCKER aus: der Zuschauer kann sich nie sicher sein, er wird gezwungen, mit der Unsicherheit der Protagonisten zu leben und sie auf deren schmalen Grat zwischen Leben und Tod begleiten. Dies wurde u. a. dadurch gelöst, dass selbst die Teilnahme großer Stars kein Zeichen für deren lange Leinwandpräsenz ist. Guy Pierce (MEMENTO) spielt den ursprünglichen Bombenspezialisten, welcher zu Beginn ums Leben kommt, und ist somit nach keinen zehn Minuten wieder raus aus der Geschichte. Diese Taktik wiederholt sich im Verlaufe des Films in anderen Varianten.

William James (Jeremy Renner)

 

William James (Jeremy Renner, 28 WEEKS LATER) ersetzt also für die restlichen 38 Tage den Verstorbenen und schockiert seine beiden Teammitglieder Sanborn (Anthony Mackie, NOTORIOUS) und Eldridge (Brian Geraghty, JARHEAD, BOBBY), indem er sich nicht an das Protokoll hält, Sicherheitsrisiken eingeht und sein Leben scheinbar ohne zu zögern aufs Spiel setzt.

Was folgt ist eine Aneinanderreihung von Szenen und Situationen, mit denen das neu zusammengesetzte Team konfrontiert wird, und die den alltäglichen Wahnsinn in einem vom Krieg gezeichneten Land schildern. Paranoia, Sprachbarrieren, Misstrauen und die hässliche Fratze des Krieges, die vor keinen noch so grausamen Methoden zurückschreckt. THE HURT LOCKER bietet einerseits hochgradig spannende Szenen, die akribisch genau recherchiert wirken. Mein Highlight ist der Scharfschützen-Schusswechsel in der Wüste, der sich ewig hinzieht und überwiegend aus Abwarten und Lauern besteht. Gleichzeitig wird die Psyche der Soldaten im Einsatzgebiet gut beleuchtet und zeigt einerseits die junge Generation von Soldaten, welche zunehmend desillusioniert und verzweifelnd ihren Dienst tut, aber auch die völlig abgestumpfte Variante des Adrenalinjunkies, der außerhalb eines Gefahrenfelds gar nicht mehr zurecht kommt und dort ständig zur Flasche greift und seinem Privatleben aus dem Wege geht.

So könnte man THE HURT LOCKER als Film der Generation Zweiter Irakkrieg sehen und in eine lange Reihe bedeutender Filme wie JARHEAD, PLATOON, THE DEER HUNTER… stellen.

Allemal verdient sind die zahlreichen Nominierungen. Kathryn Bigelow hat eine gekonnte und ausgereifte Regieleistung abgeliefert und zusammen mit ihrem Team eine dichte, spannende und in allen Bereichen gelungene Atmosphäre kreiert.

Fazit

THE HURT LOCKER ist ein absolut sehenswerter Film und Hochspannungskino. Visuell beeindruckend, gut geschnitten (ohne hektisch und unübersichtlich zu werden) und in vereinzelten Szenen fast genial, hat dieser Film seine Oscar Nominierungen mehr als verdient. Wir dürfen gespannt sein, wie das Oscar Rennen ausgehen wird. Der Film selbst ist ein Genuss und richtig gut.

THE HURT LOCKER
USA 2008
Regie: Kathryn Bigelow
Drehbuch: Mark Boal
Kamera: Barry Ackroyd
Schnitt: Chris Innis, Bob Murawski
131 min.

8/10


Kommentare
  1. christiansfoyer sagt:

    die Scharfschützen-Sequenz gehört auch zu meinen Lieblingsszenen, einerseits (im Vergleich zu anderen Filmen mit ähnlichen Szenen) total unspektakulär, darin aber dermaßen intensiv, dass man’s kaum aushält.
    Großartiger Film, dem ich ebenfalls jeden Oscar gönnen würde. Einige meinen ja, der Film sei dafür „patriotisch und amerikanisch“ genug, was ich nun für überhaupt kein Argument halte. Ich fand, dass „The Hurt Locker“ doch ziemlich politisch neutral und auf seine Charaktere, nicht auf Ideologien fokussiert bleibt

    • indy sagt:

      Ja, da stimme ich dir zu. In meinen Augen macht der Film keine allgemeine politische Aussage, sondern beschäftigt sich eher mit dem Mikrokosmos, der für alle Beteiligten vor Ort einfach Realität ist – und das macht er gut.

  2. Dr. Borstel sagt:

    Sehe ich absolut genauso. Diese erschütternde Unsicherheit, die den Krieg im Irak charakterisiert, fängt der Film auf faszinierende Art und Weise ein, was die vielen Nominierungen absolut berechtigt macht (auch wenn ich die BASTERDS nach wie vor für etwas besser halte). Die 8/10 gehen absolut in Ordnung.

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