ALICE IN WONDERLAND [3D]

Veröffentlicht: 18. März 2010 in reviews
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Alice (Mia Wasikowska) ist mittlerweile erwachsen geworden und soll verheiratet werden. Während der Verlobungfestlichkeiten folgt sie einem weißen Kaninchen in Anzug und fällt schließlich durch ein Loch ins Wunderland. Sie kann sich an ihren ersten Aufenthalt während ihrer Kindheit nicht mehr erinnern, nur noch in Form von Träumen, und auch die skurrilen Bewohner der Fantasiewelt sind sich nicht ganz sicher, ob sie die richtige Alice geholt haben. Nun muss Alice zusammen mit Charakteren wie dem Hutmacher (Johnny Depp), der Grinsekatze, dem Kaninchen und zahlreichen weiteren der weißen Königin (Anne Hathaway) helfen, ihren rechtmäßigen Thron wieder einzunehmen und die böse rote Königin (Helena Bonham Carter) zu vertreiben.

Tim Burton distanziert sich von den Büchern, indem er Alice ein paar Jahre älter macht und seine eigene Geschichte erzählt. Der Meister des Einfallsreichtums und der Kreativität (SWEENEY TODD, SLEEPY HOLLOW, ED WOOD, EDWARD SCISSORHANDS,…) scheint sich diesmal böse in der virtuellen Welt der Greenbox verrannt zu haben…

Was mir an ALICE IN WONDERLAND gefällt

Das Wunderland sieht wirklich schön aus, und einzelne der zum großen Teil komplett computeranimierten Figuren sind hinreißend. Die Grinsekatze (gesprochen von Stephen Fry) ist hier mein Favorit, aber auch die Froschdiener der roten Königin sowie die Hasen sind fabelhafte Figuren.
Johnny Depp ist wie immer gut – zwar nicht so herausragend wie in anderen Rollen – aber dennoch eine insgesamt positive, teilweise rührende Figur. Meine Lieblingsszene ist die verwahrloste Teegesellschaft – hier passt die Kombination aller künstlichen Elemente so schön zusammen und gleichzeitig wird auch eine kleine witzige Geschichte erzählt.
Insgesamt ist der 3D Effekt im Wunderland gut und aufregend – gerade in den actionreicheren Szenen (von denen es viele gibt), passt diese Präsentation, aber:

Was mir an ALICE IN WONDERLAND nicht gefällt

Der 3D Effekt wirkt auf mich erzwungen, und gerade die Szenen vor dem Sturz durch den Kaninchenbau sind für mich nahezu unerträglich. Der 3D Effekt wirkt hier komplett künstlich und unnötig, und erinnert mich eher an das Parallax-Scrolling von alten Amiga Jump `N Runs, als an echte räumliche Anmutung. Ich brauche nicht ausgeschnittene scharfe Personen, die wie eine Fläche vor einem geblurrten Hintergrund agieren – das ist meiner Meinung nach kein 3D Effekt. Angeblich war ALICE IN WONDERLAND von Beginn an als 3D Film konzipiert, man hatte sich nur entschieden, ihn herkömmlich zu drehen (teilweise mit hochauflösenden 4K Kameras wegen der zahlreichen CGI-Shots) und dann im Anschluss zu konvertieren. Ich wage diese Information zu bezweifeln und behaupte einfach, dass das Studio hier auf der AVATAR Welle mitreiten wollte, so wie das mittlerweile bei so vielen Filmen gemacht wird, die an sich gar nichts mit 3D zu tun haben. Ich bin kein Technikhasser, aber meiner Ansicht nach sollte ein Film nur dann in 3D ins Kino kommen, wenn er auch so konzipiert und gedreht worden ist – und nicht, um den Zuschauer zwei zusätzliche Euros für eine verkeimte Brille aus der Tasche zu ziehen…

Der ganze Film ist leider enttäuschend, seine Handlung einschläfernd. Wenn er optisch nicht immer wieder wachrütteln würde, dann hätte ich das Ende nicht mehr miterlebt. Er wirkt leider auch gehetzt, und springt von einer Actionszene zur nächsten, ohne sich wirklich Zeit für die eine oder andere Figur zu lassen.
Dadurch bleibt die Story auf der Strecke, und damit versagt der Film.

Fazit

ALICE IN WONDERLAND ist eine Effektorgie mit zugegebermaßen sehr beeindruckenden Bildern und Figuren und imponierender Leistung bzgl. der gesamten Komposition der völlig unterschiedlichen Techniken, bleibt aber dramaturgisch hohl, unspannend, vorhersagbar. Der Zuschauer wird nie wirklich involviert. Es ist mehr, als würde man sich beiläufig ein  Musik Video oder Videospiel ansehen. Der erste Film seit langem von Tim Burton, der mich richtig enttäuscht hat.

ALICE IN WONDERLAND [3D]
USA 2010
Regie: Tim Burton
Drehbuch: Linda Woolverton
Kamera: Dariusz Wolski
Schnitt: Chris Lebenzon
108 min.

5/10


Kommentare
  1. Dr. Borstel sagt:

    Zum 3D-Effekt: Er hat mich nicht gerade umgehauen, als störend empfand ich ihn allerdings auch nicht. Viel schlechter wäre ALICE mit konventioneller Technik nicht gewesen, sicher aber nicht besser. Vielleicht bin ich auch nur deshalb zumindest ein wenig beeindruckt, weil das meine 3D-Premiere war und ich AVATAR noch auf die althergebrachte Weise gesehen habe, aber Gegenstnde, die einem aus dem Bild entgegenfliegen, haben schon was für sich. Gerade wenn sie einen davor bewahren, zwischendurch mal kurz wegzunicken.

  2. ulle sagt:

    Prima Kritik, hab den Film genau so gesehen. Tim Burton ist m.E. deutlich überbewertet. Mars Attacks sowie Christmas before Nightmare bleiben für mich die einzigen wirklich herausragenden Arbeiten von ihm. Ansonsten viel Dutzendware und echte Unerträglichkeiten ( Panet der Affen, Batman)

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