Im Jahre 1954 muss U.S. Marshall Teddy Daniels (Leonardo DiCaprio) auf der abgelegenen Insel „Shutter Island“ das Verschwinden einer Patientin des dort ansässigen Gefängnisses für schwer gestörte Gewaltverbrecher aufklären. Ohne Spuren zu hinterlassen, scheint sie sich in Luft aufgelöst zu haben. Teddy sowie sein Partner Chuck Aule (Mark Ruffalo) machen sich auf die Suche und beginnen ihre Ermittlungen. Dabei hat Teddy, Kriegsveteran, noch ganz eigene Motive, warum er den Fall auf Shutter Island angenommen hat. Er vermutet den Mörder seiner Frau unter den Patienten der Anstalt. Die beiden Marshalls haben den Eindruck, dass die Gefängnisleitung in Person von Dr. Cawley (Ben Kingsley) etwas verbirgt und sich unkooperativ zeigt.

SHUTTER ISLAND ist die Verfilmung des gleichnamigen Romans von Dennis Lehane aus dem Jahre 2003. Mit Martin Scorsese widmet sich der Meister höchstpersönlich dem Stoff, und Erinnerungen an CAPE FEAR werden wach.
Robert Richardson (INGLOURIOUS BASTERDS, CASINO) führt die Kamera und schafft bedrückende entsättigte Bilder, die beim Zuschauer, gepaart mit der sehr penetranten Musik, ein Unwohlsein hervorrufen, welches den mentalen Zustand der Insassen sowie des zunehmend verwirrten Teddy nachfühlen lässt. Das macht SHUTTER ISLAND zu einem anstrengenden Film, doch alles im Dienste der Geschichte.

Was mir an SHUTTER ISLAND gefällt

Die Atmosphäre. Der eben beschriebene Zustand, in dem sich der Zuschauer zusammen mit den Protagonisten befindet, verlangt zwar einiges ab, ist jedoch genau das richtige für diesen Psychothriller. Leonardo DiCaprio sieht buchstäblich zum Kotzen aus, und verkörpert die zunehmend den Verstand verlierende Figur gewohnt stark und souverän – mal wieder beweist er, einer der besten seiner Generation zu sein.

Der Schnitt wirkt ab und zu befremdlich, da er nicht den Sehgewohnheiten aus 99% der Kinofilme entspricht, sondern viel mit Jumpcuts und demzufolge springenden Anschlüssen arbeitet. Dass Scorsese hier nicht „schlampig“ gearbeitet hat, sondern eher die Montage selbst zum Gesamtkonzept mitwirken hat lassen, sollte selbstverständlich sein.

SHUTTER ISLAND funktioniert auf mehreren Ebenen vorbildlich. Dies ist kein simpler Psychokrimi wie man oberflächlich betrachtet vermuten könnte. Ohne den Plotverlauf und die Auflösung verraten zu wollen, kann gesagt werden, dass verschiedene historische und existenzielle moralphilosophische Themen angesprochen werden. Der in den 50ern beginnende Streit zwischen dem teilweise radikalen Lager der Lobotomie-Verfechter und dem medikamentösen Therapieansatz spielt ebenso eine wichtige Rolle wie die grundlegende Frage nach der bösartigen Natur des Menschen. Die Rückblicke Teddys auf die Befreiung des Lagers in Dachhau sind intensive und eindringliche Bilder, und man bekommt zunehmend das Gefühl, dass es eigentlich um etwas ganz anderes geht in SHUTTER ISLAND.

Was mir an SHUTTER ISLAND nicht gefällt

Die bereits angesprochene Musik ist passend für die Stimmung des Films, aber wirklich anstrengend für den Zuhörer. Ab und zu wird das Horror-Element ein wenig strapaziert. Dies trifft auch auf den dramaturgisch visuellen Aspekt des Films zu. Vereinzelt werden kleine Schocker eingebaut, um die Ängste des Zuschauers noch weiter zu schüren. Dies wirkt ab und zu optional.

Fazit

Scorsese zeigt wieder ein Mal, was er kann. SHUTTER ISLAND ist großes Kino. Ein intensiver Film, der auf mehreren Ebenen agiert und den Zuschauer mitnimmt. Er spricht zahlreiche Themen an und lässt den Zuschauer nach dem Finale weiter grübeln und interpretieren. Die Darsteller zeigen allesamt sehr gute Leistungen, allen voran Leonardo DiCaprio. SHUTTER ISLAND ist kein Film für den fröhlichen Kinoabend, aber ein Film, den jeder Cineast gesehen haben sollte.

SHUTTER ISLAND
USA 2010
Regie: Martin Scorsese
Drehbuch: Laeta Kalogridis
Kamera: Robert Richardson
Schnitt: Thelma Schoonmaker
138 min.

9/10

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Kommentare
  1. christiansfoyer sagt:

    Schlamperei wurde Scorsese hier ja vielfach vorgeworfen, im Zusammenhang mit dem Schnitt auch was Anschlussfehler angeht. Ich sehe das aber auch eher im Gesamtkonzept begründet und denke mal, dass ein Meister wie der gute Marty schon ziemlich genau weiß, was er wie zu machen hat und warum er es eben so und nicht anders macht. Aber mit seiner sehr eigenen Stimmung ist „Shutter Island“ ganz sicher kein Film für jeden und will das zum Glück auch gar nicht sein

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