Daniel Ocean (George Clooney) ist ein Dieb mit Klasse und Geschmack. Als er aus dem Gefängnis herauskommt, plant er schon wieder einen Coup. Gleich drei Casinos in Las Vegas möchte er um ihr Geld erleichtern – doch dazu braucht er ein Team und die nötige Finanzierung. Kein Problem für Ocean, und schon beginnt die Vorbereitung auf das Meisterstück. Dabei ist jederzeit Platz für Coolness und entspannte Dialoge mit Witz.

Steven Soderbergh drehte OCEAN‘S ELEVEN mit einem Staraufgebot und einer scheinbar unnachahmlichen Leichtigkeit. George Clooney, Brad Pitt, Julia Roberts, Andy Garcia, Don Cheadle, Casey Affleck und zahlreiche weitere bekannte Darsteller schmücken diese Parade von kriminellen Gentlemen, schnieken Anzügen und Cocktails. Dabei fliegt der Film so dahin, nimmt sich niemals wirklich ernst, sondern wirkt wie ein großer Spaß aller Beteiligten.
Und das ist auch die große Stärke des Remakes von 1960, welches damals mit einem ähnlichen Staraufgebot, nämlich dem original „Rat Pack“ (Sinatra, Martin, Davis Jr., Bishop, Lawford), auftrumpfte.
Kleine Schwächen im Plot sind absolut zu verschmerzen, und man muss es schon sehr erzwingen, um OCEAN‘S ELEVEN aufgrund der ein oder anderen Ungereimtheit schlecht zu machen.

George Clooney

OCEAN‘S ELEVEN ist ein Kinospaß. Der Zuschauer genießt die gut aussehenden Darsteller, ihre gut geschriebenen augenzwinkernden Dialoge, den raffinierten Plot in traditioneller Heistmovie-Manier, und schließlich die gesamte Optik des Films. Steven Soderbergh, einer der talentiertesten Regisseure Amerikas, schüttelte die OCEAN‘S Trilogie mal eben so aus dem Ärmel, zwischen zahlreichen künstlerisch und inhaltlich wesentlich ambitionierteren und inhaltlich auch wertvolleren Projekten. Und genau hier zeigt sich das Genie Soderberghs: OCEAN‘S ELEVEN soll harmloser Spaß sein, den Zuschauer auf gehobenem Niveau unterhalten, zum Lachen bringen, ein wenig Rätseln und schwärmen lassen. In jeder Minute des Films offenbart sich diese erwünschte Leichtigkeit in der Inszenierung. Der Zuschauer weiss von Anfang an, dass den Figuren nicht ernsthaftes passieren wird, sondern interessiert sich nur dafür, wie der Plan in die Tat umgesetzt wird, und was am Ende dabei rauskommt.
Die Zutaten des Heistmovies: ein Spezialistenteam, Planung des Coups, Organisation, Durchführung, aufkommende Probleme und deren Lösung sowie die Auflösung am Ende. Autoverfolgungsjagden ausgenommen (die hier nicht reingepasst hätten und nur im Ansatz vorkommen) bietet OCEAN‘S ELEVEN alles – stets serviert mit einem Cocktail und flottem Spruch.
Dass Brad Pitt in nahezu jeder Szene etwas isst, ist nur ein herrliches Element aus zahlreichen, die OCEAN‘S ELEVEN so liebenswert machen.

Brad Pitt

Das Grading, also die Farbkorrektur, die Soderbergh für OCEAN‘S ELEVEN gewählt hat, unterstreicht den hochwertigen Look durch einen interessanten Farbcode und wechselnde, oft satte Farbfilter – wie man es von ihm auch aus anderen Filmen (TRAFFIC, OUT OF SIGHT) schon kennt. Dass der Film von ihm ursprünglich als Schwarzweissfilm konzipiert war, kann man sich kaum noch vorstellen.

Die Darsteller überzeugen allesamt, manche durch teils überzeichnete, karikierte Darstellungen wie die Mormonenbrüder (Affleck und Caan). Clooney ist cool wie immer, und auch alle anderen reflektieren die gute Laune, die scheinbar bei dem Projekt an der Tagesordnung gewesen ist.

Soderbergh, der in seinen Filmen unter dem Pseudonym Peter Andrews auch stets die Kamera führt, liefert mit OCEAN‘S ELEVEN einen für seine Zwecke nahezu perfekten Film ab. Auch nach mehrmaligem Sehen ist der Film noch immer ein Erlebnis, für Lacher gut und perfekt für einen gemeinsamen Filmabend. Trotz der „seichten“ Unterhaltung ist OCEAN‘S ELEVEN auch stilistisch ein wichtiger Teil der Filmographie Soderberghs und auch künstlerisch und visuell ein überaus ansprechender Film.

OCEAN‘S ELEVEN
USA 2001
Regie: Steven Soderbergh
Drehbuch: Ted Griffin
Kamera: Steven Soderbergh
Schnitt: Stephen Mirrione
145 min.

10/10

 

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Kommentare
  1. christiansfoyer sagt:

    Da kein sein was will, der Film versetzt mich jedes Mal wieder in absolute Hochstimmung (und löst bei mir irgendwie den Drang zum Anzugtragen und Kleingaunereien aus). Die Stars, der Soundtrack, der Witz, das Ambiente – alles ein absoluter Hochgenuss. Mehr Mainstream geht zwar fast gar nicht, aber besser und gewitzter inszeniert halt auch kaum

  2. Dr. Borstel sagt:

    Nun ja, eine Höchstwertung wäre bei mir dafür nicht ansatzweise drin, aber „Ocean’s Eleven“ ist auf jeden Fall ein sehr spaßiger Film; allein die Szene, in der der Schlangenmensch im Tresorraum herum turnt, finde ich wirklich großartig.

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