Ein namenloser Fremder betritt die kleine mexikanische Stadt San Miguel. Er erfährt von der Fehde zweier Banden, der Rojos und der Baxters, und entschließt sich, aus ihr Profit zu ziehen, indem er für beide arbeitet und sie gegeneinander aufhetzt. Als meisterhafter Schütze ist es kein Problem für ihn, Aufsehen zu erregen und für seine Dienste bezahlt zu werden. Zu seinen Revolverkünsten kommt noch sein scharfer Verstand hinzu, der ihm dazu verhilft, sich fast immer aus allzu gefährlichen Situationen herauszuhalten.

A FISTFUL OF DOLLARS ist der Auftakt einer Trilogie, die Filmgeschichte geschrieben hat und das Genre des Spaghettiwesterns zum ersten Mal einem breiten Publikum bekannt machte. Altmeister Sergio Leone drehte den Film 1964 mit einem noch unbekannten Clint Eastwood als Hauptdarsteller, für den eine Starkarriere bevorstand, und der neben John Wayne als die Westernikone schlechthin gelten würde.
Die einprägsame Musik stammt von Ennio Morricone, der fortan gemeinsam mit Leone das Genre prägen und weltberühmte Themen komponieren sollte.
A FISTFUL OF DOLLARS ist ein Remake des japanischen Klassikers von Akira Kurosawa YOJIMBO. Es ist interessant, wie sehr Kurosawa den Western beeinflusst hat (auch THE MAGNIFICENT SEVEN ist ein Remake seines Films THE SEVEN SAMURAI).

Joe (Clint Eastwood)

Aus mehreren Gründen ist A FISTFUL OF DOLLARS ein sehenswerter und guter Film. Zunächst ist Leones Stil eindrucksvoll und trennt seinen Spaghettiwestern klar von herkömmlichen Western ab. Er benutzt sein Markenzeichen, die Close Ups, und zeigt uns dreckige, blutige Männer, die nicht in einer Welt von Schwarz und Weiss, sondern in einer grau schattierten Welt leben. Dies war ein Novum, verglichen zu den glänzenden Guten und den abgrundtief bösen Gestalten der früheren Filme. Die Zurschaustellung von expliziter Gewalt, etwa in der Folterszene der Hauptfigur, ist auch bis dato unbekannt und ungewöhnlich gewesen und berührt den abgestumpften Zuschauer selbst heute noch.
Der Film ist englisch nachsynchronisiert, und nur Eastwood, der sich selbst synchronisierte, hört sich gut an – die anderen Figuren sind teilweise grottig nachgesprochen. Sieht man darüber hinweg, hat man einen guten, harten und dreckigen Western, der alle ihm folgenden Filme dieses Genres beeinflusst hat.

A FISTFUL OF DOLLARS bietet auch eine Prise Humor, die ebenso typisch für Leone Filme ist. Mein Favorit ist die Szene zu Beginn des Films, in der Eastwood die Baxter Leute auffordert, sich bei seinem Muli zu entschuldigen.
Natürlich endet der Film in einem originellen Shootout!

Ramón (Gian Maria Volonté)

Ein Kuriosum ist übrigens der sogenannte „Network Prologue“ – ein Intro, welches extra für die amrikanische TV Ausstrahlung von 1977 gedreht wurde, um die Geschichte des Mannes ohne Namen zu erklären und ihn scheinbar für das amerikanische Publikum als besseren Menschen zu machen. Unterirdisch schlecht umgesetzt, mit einem Eastwood-Double, da ohne Einverständnis von Eastwood – und erst recht nicht von Leone. Der Reiz der Figur ohne Vorgeschichte geht durch diesen Eingriff in die Integrität des Films natürlich völlig verloren.

Fazit

Für Cineasten und Fans des Genres ist der Film sowieso Pflicht. Für Leute, die einfach mal ab und zu einen Western schauen möchten oder das Genre kennenlernen möchten, gehört die Trilogie über den „Mann ohne Namen“ (der ironischerweise in diesem Film doch einen Namen hat, nämlich „Joe“) zusammen mit ONCE UPON A TIME IN THE WEST als Sergio Leone Paket ganz oben auf die Liste.

PER UN PUGNO DI DOLLARI (A FISTFUL OF DOLLARS)
ITA, ESP, D 1964
Regie: Sergio Leone
Drehbuch: Víctor Andrés Catena, Jaime Comas Gil, Sergio Leone
Kamera: Massimo Dallamano, Federico G. Larraya
Schnitt: Roberto Cinquini, Alfonso Santacana
99 min.

8/10

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Kommentare
  1. chris sagt:

    danke für diese schöne kritik, ich verspüre urplötzlich den drang, meine alten leone-lds rauszukramen und mich dem herrlichen spaghetti-western-feeling hinzugeben.
    A FISTFUL… ist für mich der ungeschliffenste und vielleich roheste leone-western, aber gerade das fehlen der perfektion, die seine späteren filme so sehr ausmachen, geben diesem werk eine ganz besondere note [vgl.bar mit corbucci’s django, in dem auch das „rohe“ sehr stark dominiert]
    freue mich auf die nächsten beiträge dieser reihe!

  2. Dr. Borstel sagt:

    Spaghetti-Woche bei Indy?😀 Hm, kann mit dem Genre leider nicht besonders viel anfangen …

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