IL BUONO, IL BRUTTO, IL CATTIVO (THE GOOD, THE BAD AND THE UGLY)

Veröffentlicht: 24. April 2010 in flashback reviews
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Der Schrei der Hyäne ertönt gleich zu Beginn und während des ganzen Films, verewigt in einer der wohl berühmtesten Filmmusiken. Ennio Morricone, berühmt geworden durch seine Zusammenarbeit mit Sergio Leone für A FISTFUL OF DOLLARS, treibt das Thema, welches sich in jenem Film und im Nachfolger FOR A FEW DOLLARS MORE mehr und mehr aufbaut und steigert, im letzten Teil der Dollar-Trilogie, THE GOOD, THE BAD AND THE UGLY, auf die fulminante Spitze, und steht dabei Regisseur Leone in nichts nach. Der grandiose Abschluss über den „Mann ohne Namen“ (der diesmal wirklich keinen Namen hat, und von den anderen nur „Blondie“ genannt wird) spielt zeitlich vor den ersten beiden Teilen, mitten in den Wirren des amerikanischen Bürgerkriegs. In jenem monumentalen Chaos ist die Geschichte dreier Hauptcharaktere verwoben, welche auf der Jagd nach einem Schatz sind: 200.000 Dollar einer Kriegsdivision – vergraben auf einem bestimmten Friedhof, in einem bestimmten Grab.

The Good (Clint Eastwood)

Doch kennen nicht alle drei die vollständigen Informationen. Tuco, the Ugly (Eli Wallach), ist ein geldgieriger notorischer Gesetzesbrecher, auf dessen Kopf zu Beginn der Geschichte bereits die stolze Summe von 2000 Dollar ausgesetzt sind. Blondie, the Good (Clint Eastwood), macht sich das zunutze. Er liefert Tuco dem örtlichen Sheriff aus, kassiert die Belohnung, befreit Tuco dann aber in letzter Sekunde, indem er ihn vom Galgen schießt, um sich die Belohnung mit ihm zu teilen – und das gleiche Spiel bei einem anderen Sheriff von vorne zu beginnen. Eine riskante und wenig vertrauenswürdige Masche, die bald ein Ende findet, und Tuco und Blondie verbindet fortan eine Hassliebe, die in einem ständigen Katz und Maus Spiel ausartet. Tuco erfährt durch einen Zufall von dem Schatz, jedoch nur den Namen des Friedhofs. Blondie hingegen erfährt den Namen des Grabes. Beide sind voneinander abhängig, denn alleine kann keiner von ihnen den Schatz bergen.

The Bad (Lee van Cleef)

Sentenza, oder auch Angel Eyes, the Bad (Lee van Cleef, der Col. Mortimer in FOR A FEW DOLLARS MORE gespielt hatte), weiß auch von dem Schatz, und er heftet sich an die anderen beiden, um die 200.000 Dollar an sich zu reißen.
Keine Frage, dass es zu einem finalen Shootout kommen muss…

Mit dem dritten Teil krönt Leone nicht nur seine Trilogie, er schafft gleichzeitig auch ein vollendetes Meisterwerk und die Genre-Referenz, an der sich alle anderen messen müssen, und die wahrscheinlich nur durch ihn selbst mit ONCE UPON A TIME IN THE WEST erreicht werden kann. THE GOOD, THE BAD AND THE UGLY ist als gesamtes Werk gelungen, stilistisch beeindruckend, unterhaltsam und spannend bis zum finalen Showdown. Leone lässt sich Zeit, die drei Charaktere einzuführen und vorzustellen, die Freeze Frames mit den eingeblendeten Namen in Schreibschrift sind Kult. Die drei sind wie losgelöst von dem Wahnsinn des Bürgerkriegs, welcher in aufwändiger Ausstattung nachgestellt wurde. Sie durchlaufen die Forts und Schützengräben wie Geister aus einer anderen Zeit, die nur vereinzelt Kontakt aufnehmen mit der großen Geschichte. In erster Linie interessiert sie ihr eigenes Wohlergehen, nämlich der Schatz. Ein bezeichnender Dialog zwischen Tuco und Blondie zeigt schön, was sie vom Krieg halten, als sie darüber nachdenken, wie sie an dem Lager der Konföderierten vorbeikommen sollen:

Blondie: „What would happen if someone blew up that bridge?“
Tuco: „Yeah, than these idiots would go somewhere else to fight!“

The Ugly (Eli Wallach)

Die drei Hauptdarsteller passen perfekt in ihre Rollen. Eli Wallach ist aufgedreht, extrovertiert, komisch, ohne zur reinen Karikatur zu werden. Dass er eine wahre Figur mit Hintergrund ist zeigt nicht nur seine Szene im Kloster. Lee van Cleef war schon in FOR A FEW DOLLARS MORE grandios, und diesmal verkörpert er den Bösewicht so überzeugend, dass man seine andere Rolle völlig vergisst. Seine Blicke im letzten Duell sprechen Bände. Clint Eastwood spielt erneut den Unbekannten, in gewohnter Coolness mit zussammengekniffenen Augen und Zigrarre zwischen den Zähnen, und er stellt sich im Laufe des Films das Outfit zusammen, welches er in den anderen beiden Filmen dann von Beginn an tragen wird.

Der finale Showdown auf dem Friedhof zwischen den drei Protagonisten ist der womöglich berühmteste der Filmgeschichte, und eine genialere Inszenierung kann man sich nicht vorstellen. Die Meisterleistung dieser Szene ist die Tatsache, dass Leone mit Musik und Schnitt es schafft, drei Männer minutenlang einfach nur rumstehen zu lassen und damit eine hochspannende Szene zu füllen – der Zuschauer wünscht sich einerseits sehnsüchtig die Auflösung, doch andererseits ahnt er, dass mit dem letzten Schuss eine Ära zu Ende gehen könnte – wie kann das noch getoppt werden? Das tote Genre des Westerns hat mehrere interessante Wiederbelebungsversuche erfahren, einige davon können als grandiose Filme betrachtet werden. Doch Sergio Leone hat fast alles erzählt, was zu erzählen war, versinnbildlicht in diesem letzten Triell, welches auch für eine Überraschung sorgt, wie schon die Vorgänger.

Showdown auf dem Friedhof

Fazit

THE GOOD, THE BAD AND THE UGLY ist ein Meilenstein der Filmgeschichte, nicht nur des (Italo-)Westerns. Diesen Film muss man gesehen haben! Und wer unter anderem wissen möchte, von wem Quentin Tarantino gelernt hat, und warum Filme wie KILL BILL oder INGLOURIOUS BASTERDS so gut sind, dem sei THE GOOD, THE BAD AND THE UGLY auch empfohlen.

IL BUONO, IL BRUTTO, IL CATTIVO (THE GOOD, THE BAD AND THE UGLY)
ITA, ESP, D 1966
Regie: Sergio Leone
Drehbuch: Agenori Incrocci, Furio Scarpelli, Luciano Vicenzoni, Sergio Leone
Kamera: Tonini Delli Colli
Schnitt: Eugenio Alabasio, Nino Baragli
161 min.

10/10

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Kommentare
  1. christiansfoyer sagt:

    Absolut überragender Film und (leider!) bislang der einzige der Dollar-Trilogie, den ich gesehen habe. Da besteht dringender Nachholbedarf. „Il buono, il brutto, il cattivo“ ist einer der ganz wenigen Filme, die wirklich das Jammern rechtfertigen, das sowas heute nicht mehr gemacht wird😉

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