HIGH PLAINS DRIFTER

Veröffentlicht: 26. April 2010 in flashback reviews
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Dass Clint Eastwood ein sehr guter Regisseur ist, ist mittlerweile allgemein bekannt. Dass er aber schon seit 1971 Regie führt, und bereits damals richtig gut war, wissen schon weniger. HIGH PLAINS DRIFTER (deutsch: „Ein Fremder ohne Namen“) ist Eastwoods zweite Regiearbeit und sein erster Western, und er beeindruckt mit einem Film, der sich vom herkömmlichen Western absetzt und teilweise anderen Genres zugeordnet werden kann.

Ein Fremder taucht aus der flimmernden Unschärfe der Wüste auf, wie aus dem Nichts, und betritt die winzige Stadt Lago, wo ihm gleich drei Outlaws Ärger machen wollen – großer Fehler.

Die erste Einstellung: der Fremde erscheint aus dem Nichts

Blitzschnell befördert er die drei ins Jenseits und wird daraufhin von den Stadtbewohnern bedrängt und angefleht, ihnen bei ihrem Problem zu helfen: drei Verbrecher sollen in Kürze aus dem Gefängnis kommen und haben mit Lago noch ein Hühnchen zu rupfen. Keiner in der Stadt ist bereit oder in der Lage, das Problem selbst zu lösen, aber sie bieten dem Fremden an, ihm jeden Wunsch zu erfüllen, um ihnen zu helfen – und der bedient sich großzügig bei allem.
Schließlich sind sich die Bewohner nicht mehr sicher, ob sie sich mit dem Fremden und dem gemeinsamen Deal wirklich Hilfe oder eher ein weiteres Problem beschafft haben.

Segen oder Fluch für die Stadt Lago?

Doch wieso haben die drei Verbrecher überhaupt ein Problem mit der Stadt? Nach einem Rückblick ahnen wir, dass die Einwohner Lagos ein dunkles Geheimnis haben, und die Frage kommt auf, was der Fremde aus dem Nichts, der sich zunehmend wie ein Racheengel verhält, mit der ganzen Sache zu tun haben könnte.

HIGH PLAINS DRIFTER ist eine interessante Mischung eines Westerns mit Elementen des Thrillers und Suspense. Visuell orientiert sich Eastwood bei seinem Mentor Sergio Leone, mit welchem er die Dollar-Trilogie gedreht hatte. So erinnern viele Einstellungen an Italowestern des Meisters. Auch das Motiv des Fremden ohne bekannte Vorgeschichte gleicht dem italienischen Vorbild. Der Protagonist ist kein strahlender Held. Seine Handlungen sind unvorhersehbar und moralisch fragwürdig. Gleichzeitig baut Eastwood mit der mysteriösen Geschichte, dem spannungsgeladenen Aufbau und der sich nur vorsichtig auflösenden Handlung eine dichte und geladene Atmosphäre auf, die in einer Hölle auf Erden für die Stadt Lago endet und am Ende für den Zuschauer Raum für Interpretationen lässt.

Aus der Stadt Lago wird die Hölle auf Erden

Wer war der Fremde, der genauso verschwindet, wie er aufgetaucht war (sogar die Einstellung ist fast identisch)? Gehörte er zu Lagos Vergangenheit? War er vielleicht sogar ein Geist? Eastwood gibt dem Zuschauer Hinweise, die in mehrerer Hinsicht zu verstehen sind, und auch das macht seinen Film stark. Die Darsteller liefern allesamt glaubwürdige und gute Leistungen ab und zeugen schon von früher guter Schauspielführung.

Clint Eastwood

Fazit

HIGH PLAINS DRIFTER ist ein sehr guter Film, der empfehlenswert ist auch für Leute, die mit Western eher wenig anfangen können. Er ist in erster Linie als spannender Film gut, der genauso in einem ganz anderen Setting hätte spielen können. Ein überzeugender Film der Legende Eastwood, welcher noch eine lange Liste an herausragenden Filmen produzieren sollte.

HIGH PLAINS DRIFTER (1973, Clint Eastwood), 105 min.

8/10


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