Kit ist 25, er arbeitet bei der Müllabfuhr, sieht aus wie James Dean. Holly ist 15, mit ihrem Vater aus Texas hierher nach South Dakota übergesiedelt. Beide lernen sich kennen. Sie ist fasziniert von ihm, weil er wie der Filmstar aussieht und sich für sie interessiert. Er fühlt sich zu ihr hingezogen, weil sie redet wie eine Erwachsene und nicht kichert wie die anderen Teenager. Eine unschuldige Beziehung entsteht, die vom Vater (Warren Oates aus THE WILD BUNCH) nicht geduldet wird. Aus Strafe erschießt er ihren Hund und verdammt sie zu Musikunterricht, um sie von der Straße und Kit fernzuhalten.
Doch für Kit ist die Lösung aus dem Dilemma naheliegend: er erschießt den Vater vor den Augen Hollys, und beide ergreifen die lange Flucht, auf derer weitere Menschen ihr Leben lassen müssen…

Die Geschichte von BADLANDS basiert auf den Ereignissen um den Serienmörder Charles Starkweather, welcher im Jahre 1959 die Familie seiner Freundin Caril Ann Fugate tötete sowie weitere Menschen auf der gemeinsamen Flucht.

Auf der Flucht: Kit (Martin Sheen) und Holly (Sissy Spacek)

Terrence Malick ist eine der mysteriösesten Personen des amerikanischen Kinos. BADLANDS war 1973 seine erste Regiearbeit, fünf Jahre später folgte DAYS OF HEAVEN, und erst nach zwanzig (!) weiteren Jahren kam der großartige Kriegsfilm THE THIN RED LINE in die Kinos, welcher zu meinen absoluten Filmfavoriten gehört. 2005 schließlich drehte Malick THE NEW WORLD, und auf seine alten Tage hin wird er richtig produktiv und hat sogar zwei kommende Filme in der Mache, auf die wir uns alle freuen können.

Es ist faszinierend zu sehen, wie sehr bereits BADLANDS von der erzählerischen und geradezu meditativen Kraft des Regisseurs strotzt. Der Film kann getrost als ein Urvater von NATURAL BORN KILLERS (1994, Oliver Stone) und TRUE ROMANCE (1993, Tony Scott) angesehen werden. Im Gegensatz zu den bekannten und kontroversen Filmen der Neunziger geht BADLANDS in eine ganz andere Richtung. Die Morde Kits werden nicht als Akte persönlicher Befriedigung oder Bösartigkeit inszeniert. Kit mordet, weil er dies als einzige Lösung betrachtet, er empfindet dabei keine Genugtuung und erst recht keinen Spaß – es ist eine lästige Notwendigkeit für die erfolgreiche Flucht. Seine subjektive Rationalität ist dabei so klar wie sie nur sein kann. Kopfgeldjäger erschießt er ohne mit der Wimper zu zucken, denn die seien ja nur auf die Belohnung aus. Polizisten hingegen machen nur ihren Job, für den sie bezahlt werden, und verdienen daher eine Chance. Diese Logik und sämtliche Aktionen des in einer anderen Welt lebenden Kit werden von der frappierend neutralen Erzählerstimme Hollys beschrieben, als würde sie von den Erlebnissen in einem Ferienlager berichten.

Naive Mitläuferin? (Sissy Spacek)

Dem Zuschauer wird schnell klar, dass er hier keine zwei Monster, die auf Adrenalinschub aus sind, beobachtet, sondern lediglich zwei sehr einfach gestrickte Personen, die in ihrem Leben keine Richtung oder Orientierung gefunden haben. Holly, gespielt von Sissy Spacek (CARRIE) ist erst 15 Jahre alt, in der Pubertät, und menschlich noch keine entwickelte Person. Sie springt auf den Zug auf, gebannt durch die Ausstrahlung des Träumers Kit. Martin Sheen (APOCALYPSE NOW) wiederum portraitiert einen jungen Mann, der seinem ganz eigenen, für den Zuschauer schwer nachvollziehbaren Kodex, folgt, welcher ihn in entscheidenden Situationen zu fatalen Entscheidungen kommen lässt.
Beide werden zu Celebrities, und der Staat fandet in großem Stil nach ihnen. Sie lesen über sich in der Zeitung auf ihrer Flucht in den „fernen Norden“.

Folgt seinem eigenen Kodex: Kit (Martin Sheen)

BADLANDS nimmt sich die Zeit, urteilt nicht über die Protagonisten und unterstreicht ihre Isolation von der Gesellschaft durch die ewig weiten, wunderbar fotografierten Landschaftsbilder.
BADLANDS ist Roadmovie und Kunstkino in einem. Terrence Malick ist ein Meister des Kinos, und man ist betrübt, dass er nicht mehrere Filme herausgebracht hat in den 20 Jahren.
In der ersten Einstellung mit Sissy Spacek war ich noch skeptisch, ihr die 15-jährige Holly abzukaufen (Spacek war 24 Jahre alt zu dem Zeitpunkt), doch diese Befürchtung verflüchtigt sich, sobald Holly und Kit ins Gespräch kommen. Der naive Teenager, der seinen Platz in der Welt erst noch suchen muss, wird von Sissy Spacek absolut überzeugend dargestellt. Martin Sheen ist ebenso großartig – er spielt den rastlosen, einfachen und von James Dean besessenen Mörder mit einer beeindruckenden Natürlichkeit. Seine weit geöffneten freundlichen Augen stehen in krassem Gegensatz zu seinen Aktionen, seine einfache Sprache und die Art, wie er mit Menschen kommuniziert, wirken sehr authentisch.

Isoliert von der Gesellschaft, symbolisiert durch die Szenerie

Fazit

BADLANDS ist eine Topempfehlung für alle Filmfans. Ein poetischer, ruhiger Film des Meisters Terrence Malick, mit zwei beeindruckenden jungen Hauptdarstellern. Wer Malick bisher noch nicht kannte, dem lege ich seine Filme ans Herz, allen voran THE THIN RED LINE (dt.: „Der Schmale Grat“).

BADLANDS
USA 1973
Regie: Terrence Malick
Drehbuch: Terrence Malick
Kamera: Tak Fujimoto, Stevan Larner, Brian Probyn
Schnitt: Robert Estrin
94 min.

8/10

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Kommentare
  1. Dr. Borstel sagt:

    Mallicks Filme wurden mir schon zu anderen Gelegenheiten ans Herz gelegt. Zumindest „Badlands“ klingt tatsächlich, als würde er mich interessieren. Dafür sorgt schon dein Querverweis zu „Natural Born Killers“/“True Romance“, an die ich bei der Inhaltszusammenfassung auch sofort denken musste. Wird vorgemerkt.

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