SHERLOCK HOLMES

Veröffentlicht: 27. Juli 2010 in reviews
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Ich gebe zu, dass ich nicht eine einzige Sherlock Holmes Geschichte aus der Feder Sir Arthur Conan Doyles gelesen habe. Als Kind habe ich mich mal daran versucht, aber abgebrochen, da der Funke nicht übergesprungen war.

Von daher habe ich Guy Ritchies Interpretation der berühmten Detektivfigur völlig unvoreingenommen sehen können, ohne Erwartungen die Vorlage betreffend. Klar ist von Beginn des Films an, dass Ritchies Holmes eine Actionfigur ist. Er ist nicht nur kluger und aufmerksamer Beobachter, sondern kann auch physisch richtig austeilen. Robert Downey, Jr. (ZODIAC) spielt den Detektiven mit seinem unnachahmlichen Charme: wortgewandt, pointierte Sprache und wirre, immer wieder durchbohrende Blicke.

Seine Bewegungen sind nahezu Slapstick, und doch ist etwas an der gesamten Performance, die sie in das Gesamtwerk nahezu perfekt einbettet. Seine Figur ist herrlich verwirrt, wirkt teilweise beinahe autistisch – eine Art Mischung aus Superheld und zerstreutem Professor.


Dieser Film ist fern von jeglicher Realität und passt daher in den Guy Ritchie Kosmos, wie wir ihn von Filmen wie SNATCH. lieben. Die Figuren sind überzeichnet, abgedreht, und doch liebevoll. Das Duo Downey, Jr. und Jude Law (CLOSER) ist allein schon die Sichtung des Films wert. Beide haben herrliche Wortwechsel und mimische Duelle. Laws Watson ist ebenso wie Holmes eine kluge Figur, die ihren Gehstock allerdings zur tödlichen Waffe umfunktionieren kann. Das Ensemble wird vervollständigt von Mark Strong (ROBIN HOOD), der mal wieder den sinistren Bösewicht spielen darf, sowie von Femme Fatale Rachel McAdams (STATE OF PLAY).


Sherlock Holmes muss einen besonders kniffligen Fall lösen. Ein zum Tode verurteilter Verbrecher soll angeblich wieder auferstanden sein und nun einen teuflischen Plan verfolgen, während er weitere Morde verübt. Spielt hier tatsächlich schwarze Magie eine Rolle, oder ist alles nur ein grandioser Bluff? Gleichzeitig trifft Dr. Watson seine letzten Vorbereitungen, die jahrelange Partnerschaft mit Holmes zu beenden, da er gedenkt zu heiraten und umzuziehen. Im Laufe der Handlung kommt es immer wieder zu Momenten, in denen Watson es trotzdem nicht lassen kann, Holmes immer wieder zur Seite zu springen.


Der Plot von SHERLOCK HOLMES ist an sich simpel und herkömmlich. Alles läuft auf den Showdown hinaus, auf den Endbosskampf, wenn man so will. Was den Film dennoch interessant macht, das sind die kuriosen narrativen Einfälle, mit denen Ritchie die Struktur des Films immer wieder unterbricht, zurückspult und von anderen Blickwinkeln nacherzählt. An sich keine bahnbrechende Idee, gewinnt die Hauptfigur dennoch an Charme, wenn Holmes etwa kurz vor einer Attacke die einzelnen Kampfbewegungen im Vorfeld exakt durchplant – visualisiert durch Superzeitlupen, um dann im Anschluss alles in Echtzeit und wenigen Sekunden durchzuführen. Immer wieder kommen diese „Guy Ritchie“ Momente auf und erfrischen den Film dadurch. Dies, gepaart mit den zwei grandiosen Hauptdarstellern, die diesen Film definitiv tragen, sowie einer wunderschönen Ausstattung machen den Film zu gutem Unterhaltungskino für den Popcornabend. Im Gegensatz zu stupider bis peinlicher Unterhaltung wie TRANSFORMERS zeigt Guy Ritchie, dass man einfache Unterhaltung auch auf einem gewissen Niveau realisieren  kann.

Fazit

SHERLOCK HOLMES ist kein herausragender Film wie SNATCH., aber er ist es definitiv wert, gesehen zu werden. Lässt man sich auf diese Actionversion der Literaturverfilmung ein, so wird man mit einem höchst unterhaltsamen, witzigen und visuell ziemlich beeindruckenden Film belohnt, der auch Lust auf die Fortsetzung macht.

SHERLOCK HOLMES
USA, UK, D 2009
Regie: Guy Ritchie
Drehbuch: Michael Robert Johnson, Anthony Peckham, Simon Kinberg
Kamera: Philippe Rousselot
Schnitt: James Herbert
128 min.

8/10

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Kommentare
  1. christiansfoyer sagt:

    Ganz sicher einer der besseren und überhaupt starken Blockbuster der letzten Zeit, gerade im Vergleich mit den von dir genannten „Transformers“-Wummsen geb ich dir recht, leichte Unterhaltung auf sehr viel höherem und sehenswerterem Niveau

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