SURROGATES

Veröffentlicht: 12. August 2010 in reviews
Schlagwörter:, , , , , , , , , , ,

Das Problem von SURROGATES, Sci-Fi-Actionfilm von Regisseur Jonathan Mostow (U-571, TERMINATOR 3: RISE OF THE MACHINES), ist, dass hier eine an sich gute Ausgangsidee, die mit einem relevanten Thema der heutigen Webgeneration verbunden ist, nicht konsequent weitergedacht und entwickelt wurde.

In der Zukunft nutzen fast alle Menschen so genannte Surrogate, Roboter, in welche sie sich von zu Hause aus einloggen, durch die sie sehen, hören und fühlen können. Erstens ist dadurch jeder geschützt vor Unfällen, Gewalt, und zweitens kann sich jeder (je nach Budget) seinen Surrogaten so gestalten, wie er möchte. Er kann so aussehen wie sein Besitzer, nur 20 Jahre jünger und sportlicher – der Avatar kann aber auch ein völlig anderes Aussehen haben, sogar ein anderes Geschlecht. In dieser Welt gibt es (warum auch immer) keine Kriminalität mehr. Jeder kann sich aus reiner Abenteuerlust und Neugier nach Herzenslust austoben, denn es kann ja keinem was passieren.

Dies ändert sich schlagartig, als bei einem Zwischenfall zwei Surrogaten vernichtet werden – und mit ihnen aber auch die eigentlichen Menschen, deren Gehirne bei der Aktion frittiert wurden. FBI Agent Tom Geer (Bruce Willis), in seinem jugendlichen und mit blonder Matte versehenen Surrogaten, schickt sich an, den mysteriösen Fall zu lösen und die mögliche Gefahr für alle eingeloggten Benutzer abzuwenden…

Wie eingangs gesagt, basiert SURROGATES auf einer interessanten Idee, aus welcher ein wirklich guter Film hätte entstehen können. Stattdessen haben sich sowohl Drehbuchautoren Michael Ferris und John D. Brancato als auch Regisseur Mostow entschieden, aus dem Ausgangsmaterial schon nach kurzer Zeit einen reinen Actionfilm mit Verfolgungsjagden und Schießereien zu machen.

Man stellt sich gleich so viele Fragen, die im Film nie beantwortet werden: wie funktioniert diese völlig isolierte Gesellschaft? Wie motivieren sich die Individuen, ihrem Arbeitsleben nachzugehen und Geld zu verdienen, wenn sie mit ihren Quasi-Supermann-Avataren alles mögliche machen könnten? Vegetieren alle Menschen in ihren Liegen vor sich hin, bis sämtliche Muskeln geschwunden sind und sie künstlich ernährt werden müssen? Wie pflanzen sich die Menschen fort? Trifft man sich unter Surrogaten, und macht danach ein „Real Life“-Date aus, wo dann der eine feststellen muss, dass sein heißes Date tatsächlich das gleiche Geschlecht hat wie man selbst und fünf mal mehr wiegt? Wieso gibt es keine Kriminalität? Würde nicht für viele labile Personen der Reiz des Verbotenen noch größer werden? Was könnte man mit einem Surrogaten alles anstellen? Vielleicht bin ich ein verkappter Psychopath, aber ich hätte da Ideen.

Mal abgesehen von ganz alltäglichen Actionmistszenen, die man gar nicht mehr großartig behandeln sollte – etwa wie ein eingerosteter und geschwächter Bruce Willis mehrere Prügeleien, Stürze und Autounfälle überleben und weiter die Welt retten kann. Daran hat man sich in Zeiten, wo solche Szenen als Deckmantel für schwaches Filmhandwerk an der Tagesordnung sind, schon längst gewöhnt. Über so etwas könnte man, auch wenn man die Augen verdreht, noch hinwegsehen.
Über die Verhunzung der guten Idee in eine banale, langweilige und unglaubwürdige Geschichte, die so gar keine Handschrift und Stil aufweist, weder inhaltlich noch visuell, hingegen eher nicht.

Fazit

SURROGATES ist ein simpler Sci-Fi-Actionfilm für den gänzlich passiven und schnell zu beeindruckenen Zuschauer, der nicht großartig nachdenken will. Leider sind die Actionszenen selbst auch nicht spektakulär genug, um wenigstens in der Hinsicht zu punkten. Nicht mehr als durchschnittliche Popcornunterhaltung.

SURROGATES
USA 2009
Regie: Jonathan Mostow
Drehbuch: Michael Ferris, John D. Brancato
Kamera: Oliver Wood
Schnitt: Kevin Stitt
89 min.

5/10


Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s