UP IN THE AIR

Veröffentlicht: 12. August 2010 in reviews
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Ryan Bingham (George Clooney) lebt über den Wolken. Er fliegt von Stadt zu Stadt, sammelt Meilen und hat für so ziemlich alles Platinkarten. Sein Job ist, Leuten zu kündigen. Wenn Firmen im großen Stile umstrukturieren, beauftragen sie Ryans Firma, das nötige Personal möglichst reibungslos zu entlassen. Er mag seine Arbeit und verfolgt dabei ein eigenes Ethos – tatsächlich liebt er seinen ganzen Lebensstil: losgelöst von allen Wurzeln, ohne wirkliche Heimat, denn diesen Platz haben längst Erste Klasse Plätze, V.I.P. Lounges an Flughäfen und Hotelsuiten übernommen. Diese Unabhängigkeit schätzt er, und er ist auch ganz versessen darauf, Meilen zu sammeln. Das Sammeln selbst ist für ihn das Ziel, und nicht irgendeine Belohnung, die er eines Tages einlösen könnte. „The slower we move, the faster we die“, ist sein Motto, welches er auf Vorträgen zum Besten gibt. Seine Welt kommt ein wenig ins Wanken, als sein Vorgesetzter, inspiriert durch eine Idee der jungen und aufstrebenden Kollegin Natalie Keener (Anna Kendrick), plant, die Kündigungen fortan nur noch per Webchat abzuwickeln und somit die Mitarbeiter nicht mehr kreuz und quer durchs Land fliegen lassen zu müssen. Doch ehe die neue Technologie eingeführt werden soll, wird Ryan genötigt, zusammen mit Natalie eine Tour zu machen, damit sie ein wenig mehr Praxiserfahrung sammeln kann. Auf dieser Reise kommen Ryan zum ersten Mal Zweifel an seinem Lebensstil auf und er beginnt sich zu fragen, ob er wirklich glücklich ist, wie er bisher immer dachte…

UP IN THE AIR ist keine wirkliche Komödie, eher ein mitunter witziges Drama, in welchem es um viele kleine Themen geht, überwiegend materielle Themen und Werte, aber auch um das große Thema über das Suchen nach Glück und Sinn im Leben. Zu Beginn des Films beneiden wir Ryan und seinen luxuriösen Lebensstil, doch zunehmend wechselt der Neid und die Bewunderung in Mitleid, als wir mit ihm erkennen, dass es auch für ihn mehr als Goldkarten bei Autovermietungen geben muss. Als er die attraktive Geschäftsfrau Alex Goran (Vera Farmiga) auf einer seiner Reisen trifft, wandelt sich die zunächst so unverbindliche und lockere Hotelzimmeraffäre in etwas, das er nicht erwartet hätte. Vielleicht trägt die junge Natalie dazu bei, dass bei Ryan Emotionen geweckt werden, die vorher auf Eis lagen. Für Begriffe wie „Liebe“ und „Ehe“ hat der kein Verständnis, für die junge Frau unverständlich.  Für Beziehungen hat er nichts übrig, er schätzt mehr die oberflächlichen und unverbindlichen Begegnungen im Leben. Soll jetzt ausgerechnet Alex, die im Prinzip sein weibliches Gegenstück ist, plötzlich bei ihm die Sehnsucht nach etwas beständigem geweckt haben?

Jason Reitman hat bereits mit JUNO gezeigt, dass er auf bezaubernde Art Herzensangelegenheiten mit einem Augenzwinkern vermitteln kann. Auch bei UP IN THE AIR schaut man den Film mit einem Lächeln, welches immer wieder unterbrochen wird durch rührende Szenen etwa von Menschen, die erfahren müssen, dass sie arbeitslos geworden sind (Reitman hat hierfür Leute gecastet, die tatsächlich ihren Job verloren hatten). Auf eine nahezu unschuldige Art und Weise übt Reitman seine Gesellschaftskritik aus und macht uns einen Charakter sympathisch, der mit Überzeugung eine auf die meisten Leute abstoßend wirkende Tätigkeit ausübt und uns dadurch das hässliche Gesicht von Modernisierung und Wirtschaftskrisen zeigt. Gleichzeitig jedoch lässt er seinen Helden eine langsame Kehrtwende machen – er braucht einfach nur länger, ehe er die wirklich wichtigen Dinge im Leben erkennt. Wir können am Ende nur hoffen, dass er sie auch greifen können wird.

Fazit

UP IN THE AIR ist ein schöner kleiner Film, traurig, aber doch voll Optimismus, obwohl um die Charaktere herum so viel Schlimmes geschieht. Jason Reitman hat mit wenigen Filmen bewiesen, dass mit ihm zu rechnen ist, und er einen Nerv bei einem breiten Publikum trifft.

UP IN THE AIR (2009, Jason Reitman), 108 min.

8/10

Kommentare
  1. Dr. Borstel sagt:

    Da hab ich nichts hinzuzufügen.

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