GREEN ZONE

Veröffentlicht: 13. August 2010 in reviews
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Paul Greengrass machte die letzten beiden Bourne-Filme und etablierte mit ihnen seinen eigenen Actionthriller-Look: losgelöste hin und her reissende Handkamera, schnelle Schnitte. In der richtigen Dosierung gepaart mit passender musikalischen Untermalung wurden daraus äußerst spannende Actionszenen und Verfolgungsjagden. Auch wenn er sich den Vorwurf gefallen lassen muss, es mit dieser Art der Montage teilweise etwas zu übertreiben und beim Zuschauer für Desorientierung zu sorgen, er hat damit Maßstäbe gesetzt, die mittlerweile in vielen durchschnittlichen Actionfilmen kopiert werden. Für seinen Film GREEN ZONE setzte er wieder auf seinen Bourne-Darsteller Matt Damon als Helden, und drehte eine Mischung aus Action- und Politthriller.

Die Handlung von GREEN ZONE spielt im Jahre 2003, nach dem Angriff der USA auf den Irak und den Sturz des Saddam Hussein Regimes. Chief Miller (Damon) ist Anführer einer Spezialeinheit, welche ganz bestimmte Ziele aufsucht, um die Massenvernichtungswaffen zu finden und auszuschalten, welche der offizielle Auslöser für den Krieg waren. Das Problem ist nur, dass er nichts finden kann. Sämtliche Locations sind teilweise seit Jahren nicht betreten worden und definitiv keine Lagerstätte für Massenvernichtungswaffen gewesen. Miller beginnt, die Zuverlässigkeit der Quelle, welche die Informationen geliefert hatte und von der Regierung nicht bekannt gegeben wird, anzuzweifeln – und stößt dabei auf erheblichen Widerstand in den eigenen Reihen.
Bald schon wird die Vorahnung bestätigt, dass hier eine große Vertuschung vorliegt, und das Hauptargument für den Kriegseintritt scheinbar völlig haltlos war.


Miller versucht nun, die von ihm vermutete Quelle, ein hochrangiger Offizier aus Saddams Baath Partei, zu finden und mit dessen Aussage die Wahrheit ans Licht bringen und belegen zu können. Dabei erhält er Unterstützung von einem alten CIA Fuchs (Brendan Gleeson) und einem einheimischen Iraker (Khalid Abdalla). Die Zeit läuft gegen Miller, denn schon längst sind Einheiten unterwegs, um sein Ziel vor ihm zu erreichen und zu liquidieren.

GREEN ZONE hat keine Ansprüche auf Authentizität. Es handelt sich um Fiktion, basierend auf einem Buch von Rajiv Chandrasekaran. Und doch beschleicht einen das merkwürdige Gefühl, dass die Handlung des Filmes nicht allzu weit von von der Wahrheit und eine plausible Darstellung für die Vorkommnisse rund um Bushs „Mission Accomplished“ sein könnte.
Das Chaos im Irak wird glaubwürdig dargestellt, und der Film macht ein deutliches Statement, dass es ein Fehler war, die irakische Armee nicht in den Neuaufbau einzubinden und sie stattdessen in einen Outlaw-Status zu schieben.


Wie eingangs erwähnt, ist GREEN ZONE eine packende Mischung aus Action- und Politthriller. Millers sehr spannende und außerordentlich gut inszenierten Szenen im Einsatz werden ergänzt durch die Anzugträger im Hintergrund, die wahren Strippenzieher und Denker. Hier liefern sich Martin Brown (Gleeson) und Clark Proundstone (Greg Kinnear) ein Machtduell um Informationen und Kompetenzen, während Miller selbst durch seine Aktionen versucht, einen Sinn und eine Legitimation in das ganze Unternehmen zu bringen.

Greengrass inszeniert die Schießereien und Verfolgungsjagden sehr realistisch im Vergleich zum Pendant des Superagenten Jason Bourne. Er spielt mit der Dunkelheit, mit im Schatten schleichenden Figuren und Flüsternachrichten über Funk, lässt es aber auch eskalieren, so dass der Himmel über Bagdad zum Tage erleuchtet wird. Matt Damon spielt seine Rolle gewohnt souverän und überzeugend und weiss auch in den Momenten zu glänzen, in denen es auf kleine Nuancen aufkommt, wo das kleine Quentchen zu sehen sein muss, welches Miller von den anderen Soldaten unterscheidet. Auch Khalid Abdalla ist eine überaus positive Erscheinung und spielt einen sympathischen, aber gebrochenen Mann, der etwas tun möchte für die Zukunft seines Landes, und der in der Schlüsselszene des Films auch die wichtige Zeile hat, indem er darauf hinweist, dass es die Entscheidung des irakischen Volkes sein müsse, wie es weiterzugehen hat.

Fazit

Ich war im Vorfeld sehr skeptisch, bin  aber sehr positiv überrascht worden und zufrieden mit GREEN ZONE. Hier ist ein politischer Film, der eine klare und kritische Aussage macht, verpackt in einem zeitgemäßen, raffinierten und höchstspannenden Thriller – mit gekonnter Hand inszeniert.

GREEN ZONE (2010, Paul Greengrass) 115 min.

8/10


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