INTO THE WILD ist die Buchverfilmung über die wahre Geschichte des Aussteigers Christopher McCandless, der nach seinem College-Abschluss jeglichem Besitz entsagte und entschied, sich komplett der Natur zu überlassen. Auf seiner Reise, die ihn bis nach Alaska führte, kreuzten die unterschiedlichen Menschen und Lebensläufe seinen Weg. Sean Penn schrieb das Drehbuch zu Jon Krakauers Buch und wartete zehn Jahre auf die Erlaubnis der McCandless Familie, ehe er grünes Licht für das Projekt bekam.

Schon früh im Film wird einem bewusst, wieso sich Penn (THE PLEDGE, THE CROSSING GUARD) um diesen Stoff bemühte. Die Geschichte des gesellschaftlichen Aussteigers, des unumstößlichen Individualisten und Sturkopf, der gegebene gesellschaftliche Institutionen negiert und den archaischen Ruf der Natur verspürt, könnte zu keinem besser passen als zum Idealisten und Querkopf Sean Penn.

INTO THE WILD ist eine Herzensangelegenheit, ein überaus persönlicher Film, und man könnte sich den Regisseur auch persönlich in der Hauptrolle vorstellen, wäre er ein paar Jahrzehnte jünger. So übernimmt Emile Hirsch (THE AIR I BREATHE) die Aufgabe, bei der Rekonstruktion des Lebens von Alexander Supertramp, wie sich McCandless kurz nach Beginn seiner Reise nennt, mit einer intensiven und emotional losgelösten Performance mitzuwirken. Hirsch scheint die Rolle auf dem Leib geschrieben worden zu sein. Er glänzt sowohl in den zahlreichen Szenen, in denen er allein in der Natur völlig isoliert die Zeit verbringt und versucht zu überleben, als aber auch bei den regelmäßigen Begegnungen auf seiner Reise, wenn er es mit den unterschiedlichsten Menschen, meistens Außenseitern zu tun bekommt. Hier begeistert er mit einer warmen und sehr empathischen Darstellung, die ihren Höhepunkt im Dialog mit dem alten Ron Franz (Hal Holbrook) hat. Die Szene und die Chemie zwischen Hirsch und Holbrook ist unglaublich rührend und der wichtigste Moment, der den weiteren schicksalshaften Weg des Supertramps eventuell hätte ändern können.
Doch auch sein Treffen mit den Althippies, gespielt von Brian H. Dierker und Catherine Keener und der jungen Gitarrenspielerin (Kristen Stewart, bekannt aus TWILIGHT) sind wunderbare Momente in der Geschichte.

Die Offsprecherin ist Christophers Schwester Carine (Jena Malone), die den Zuschauer über den Charakter und den Hintergrund ihres Bruders, und seiner gestörten Beziehung zu ihren Eltern, besonders zum Vater (William Hurt), aufklärt. Auf diese Weise springt der Film, der nicht chronologisch aufgebaut ist, hin und her. Er beginnt mit Christophers Ankunft in Alaska, um dann zurückzuspringen zum Schulabschluss und Beginn der Reise. Die verschiedenen Episoden werden mit kurzen Blicken auf die Familie, die während der ganzen Tour des Sohnes keinen Kontakt zu ihm hat und nicht weiss, was mit ihm geschehen ist, unterbrochen.

INTO THE WILD lässt sich Zeit, die Laufzeit beträgt fast zweieinhalb Stunden, und doch wirkt der Film nicht zu lang. Im Gegenteil, es ist wichtig, sich die Zeit einfach zu nehmen, sie gar zu vergessen, um die Eindrücke Christophers nachvollziehen zu können. Lass alles hinter dir, und geh einfach raus! Viele Bilder zeigen ihn schlichtweg die Natur genießend, liegend, sitzend, spielend. Penn und Kameramann Eric Gautier spielen dabei mit originellen Einstellungen und Montagen, lassen Hirsch sogar direkt in die Kamera blicken und dem Zuschauer zuzwinkern.
Musikalisch untermalt wird die Geschichte von Eddie Vedders Gitarrenklängen und Stimme.

Fazit

INTO THE WILD ist ein trauriger, aber unglaublich schöner Film, mit einem Protagonisten, der vor Optimismus und Offenheit nur so strotzt. Wer bereit ist, sich auf ihn einzulassen, wird von dem persönlichen Werk Sean Penns, welcher sich ein weiteres Mal als guter Regisseur bewiesen hat, begeistert sein.

INTO THE WILD (2007, Sean Penn), 148 min.

9/10


Kommentare
  1. Dr. Borstel sagt:

    Uuuund ich habe ihn immer noch nicht gesehen, auch wenn ich Penn sehr mag und schon so viele überzeugende Rezensionen gelesen habe. Langsam wird’s mal Zeit …

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