PI

Veröffentlicht: 23. August 2010 in reviews
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PI ist das Erstlingswerk von Darren Aronofsky (REQUIEM FOR A DREAM, THE FOUNTAIN), der sich mit diesem beeindruckenden psychologischen Thriller einen Namen in der Branche machte. Gedreht mit einem Budget von gerade mal 60.000 Dollar, ohne Drehgenehmigungen, schaffte es der damals 29-jährige, einen atmosphärischen und bedrückenden Film zu realisieren.

Max (Sean Gullette) ist Mathematiker, er lebt zurückgezogen in seiner kleinen, von unzähliger Hardware zugestellten Wohnung, lässt Programme durchlaufen und analysiert die ausgespuckten Zahlen. Dabei ist er auf der Suche nach Mustern. Max hat eine Hypothese: er ist davon überzeugt, dass sich alles durch Zahlen erklären lässt. Wenn man erst einmal das Muster entdeckt hat, so wird man in der Lage sein, zuverlässige Vorhersagen in jedem zunächst noch so chaotisch erscheinenden System  machen zu können. Seine Hypothese versucht er mit dem Aktienmarkt zu belegen. Sobald er das Muster findet, könne er fallende und steigende Kurse vorhersagen.

Er bespricht seine Ergebnisse und Vermutungen mit seinem alten russischen Mathematikprofessor (Mark Margolis), bei dem sich beide zum regelmäßigen Go-Spielen treffen. Der Professor warnt Max: Muster kann man überall finden, wenn man sie sucht. Sobald man auf eine Zahl oder einen Code fixiert ist, erzwingt man sein Auftauchen in jeder beliebigen Situation. Max befinde sich auf einem schmalen Grat zwischen seriöser Wissenschaft und obsessiver Zahlenspielerei in der Tradition großer Verschwörungstheorien. Der Professor, der sich längst zur Ruhe gesetzt hat, legt Max nahe, die Sache langsamer anzugehen, sich eine Frau zu suchen, das Leben zu genießen.

Doch für Max gibt es keinen Genuss im Leben. Er hat Kopfschmerzanfälle, wirft sich reihenweise Medikamente ein, ist ein soziales Desaster. Mit seinen Nachbarn scheut er den Kontakt, offene Gespräche oder gar Berührungen machen ihn nervös und zittrig. Sein Leben wird erschwert, als er nach einem scheinbaren Bug, bei welchem ihm der Computer eine 216-stellige Zahl ausdruckt, den Eindruck bekommt, dass er der Lösung nahe gekommen ist. Gleichzeitig steigt seine Paranoia. Wallstreet-Firmen, die ihn permanent anrufen und seine Ergebnisse für sich nutzen wollen, scheinen ihn zu verfolgen, ebenso wie eine Gruppe tief religiöser Juden, welche in ähnlicher Annahme wie er den Code ihrer heiligen Schriften knacken will.
Max verliert das Gefühl für Zeit und Realität, genauso wie der Zuschauer. Am Ende ist uns nicht mehr ganz klar, welche der Ereignisse sich lediglich im geplagten Kopf des Mathematikers abspielen, und welche davon real sind. Sind die fatalen Handlungen Max‘ wörtlich zu nehmen?

PI ist ein anstrengender und intensiver Film. Gedreht auf 16mm in kontrastreichen Schwarzweiss Bildern mit vielen sich wiederholenden Einstellungen und Schnitten, welche beinahe wie Vorboten auf REQUIEM FOR A DREAM hinweisen, ist PI ein Thriller über Obsessionen, und was diese mit dem menschlichen Geist anstellen können. Der Professor warnt Max vor Wahnsinn, doch Max vermutet eher Genius. Der hektische und unruhige Film wird unterlegt von Clint Mansells Musik – Weggefährte Aronofskys und in dem Film auch in der Rolle des unerwünschten Fotografen zu sehen. Aronofsky und Mansell bilden eine Verbindung, die man kaum noch wegdenken kann, und die bisher in THE FOUNTAIN ihre großartige Synthese erlebt hat.

Fazit

PI ist als Erstlingswerk ein hoch interessanter Film, der bereits das Talent Aronofskys, fesselnde Atmosphäre zu erzeugen und den Zuschauer mit intensiven Montagen in den Bann zu ziehen, deutlich zeigen kann. Der Film ist nicht nur für angehende Filmemacher interessant, sondern auch für ein Publikum, welches sich bereitwillig ein wenig verstören lassen möchte.

PI
USA 1998
Regie: Darren Aronofsky
Drehbuch: Darren Aronofsky
Kamera: Matthew Libatique
Schnitt: Oren Sarch
84 min.

8/10

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