ROSEMARY’S BABY

Veröffentlicht: 23. August 2010 in flashback reviews
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ROSEMARY‘S BABY ist ein Horrorfilm aus dem Jahre 1968, das Drehbuch schrieb und Regie führte Roman Polanski (CHINATOWN), basierend auf der Buchvorlage von Ira Levin. Ähnlich wie Stanley Kubricks THE SHINING zählt ROSEMARY‘S BABY zu den intelligenten Horrorfilmen, die in erster Linie im Kopf des Zuschauers geschehen und nicht auf blutige Schockeffekte angewiesen sind. In einer Zeit, in der man durch gereifte Spezialeffekte oder digitale Tricks fast alles zeigen kann, was man zeigen möchte, und dies auch eifrig gemacht wird, um das abgestumpfte Publikum von Neuem schockieren und unterhalten zu können, kann man die Frage aufwerfen, ob nicht eher die Überlegung, was man alles nicht zeigen sollte, wieder in den Vordergrund gedrängt werden sollte. Und so ist es ein Genuss, Filme vom Schlage THE SHINING oder eben Polanskis Werk anzusehen, die einerseits von der inszenatorischen Intelligenz ihrer Macher zeugen, zum anderen aber auch als Film funktionieren und beim Zuschauer, der bereit ist, seiner Fantasie freien Lauf zu lassen, einen Schauer über den Rücken laufen lasen können.

Die junge Rosemary (Mia Farrow) und ihr Ehemann und Schauspieler Guy (John Cassevetes) ziehen in ein Appartement ein und planen ihren Nachwuchs. Sie lernen ihre Nachbarn, das ältere Ehepaar Castevet, kennen, die zwar etwas aufdringlich und neugierig, jedoch gleichzeitig auch sehr liebevoll und fürsorglich für gute Nachbarschaftsverhältisse sorgen möchten. Von den paar Schauermärchen über verstorbene Vormieter und Hexensabbate in Nachbarwohnungen lässt sich das Pärchen wenig beeindrucken.
Schließlich wird Rosemary wie gewünscht schwanger, gleichzeitig nehmen einige Umstände eine dubiose und ängstigende Gestalt an für die werdende Mutter. Sie wird zunehmend misstrauisch und paranoid und ist irgendwann der festen Überzeugung, dass man ihr das Kind  für okkulte Riten stehlen will – und sie befürchtet, dass die Castevets und auch ihr Ehemann hinter der Sache stecken. Hat Guy etwa für den Erfolg in seiner Karriere seine Seele an den Teufel verkauft und dem Leibhaftigen sein Kind versprochen? Rosemarys Schwangerschaft wird zum Albtraum, in welchem sie nicht mehr weiss, welcher Seele zu trauen ist, und wer nach ihrem Kind trachtet. Ihr gesamtes Umfeld scheint sich gegen sie verschworen zu haben und ihr einreden zu wollen, dass sie fantasiere. Und die wenigen, die sich auf ihre Seite geschlagen haben und ihr helfen wollen, sterben auf rätselhafte Weise…

Polanskis Film funktioniert auf mehreren Ebenen. Er ist zum einen ein klassischer Horrorfilm mit klarer Struktur. Sehr früh im Film werden die okkulten Elemente eingeführt und der Zuschauer auf die Richtung des Films vorbereitet, so dass man nicht überrascht werden kann. Der Horror entsteht auch weniger aus der Überraschung, sondern aus der Spannung, die sich aufbaut während der Schwangerschaft und der Frage nach der Auflösung. Wird man ihr das Kind entreissen? Ist ihr Mann tatsächlich zu den Satanisten übergelaufen? Passiert das alles wirklich, oder bildet sich Rosemary nur ein, von Hexerei gejagt zu werden?

Sicherlich ist die Horrorfilmstruktur und Auflösung die primäre Linie des Films. Dennoch gibt es interessante Deutungsaspekte, die mehr aus dem Film machen. Spiegelt Rosemarys Angst vielleicht die Ängste einer Frau, die auf ihr Kind wartet, die Fehlgeburt oder Abtreibung fürchtet? Ich kann mir gut vorstellen, dass Leute, die ein Kind erwarten, den Film noch mit ganz anderen Augen sehen.

Wer den Film noch nicht gesehen hat, sollte den folgenden Abschnitt überspringen!
Verliert Rosemary vielleicht ihr Kind nach der Geburt, und fantasiert sie sich okkulte Kindesräuber zusammen? Bringt sie tatsächlich des Teufels Kind zur Welt und muss sich entscheiden, es zu töten oder eben zu bemuttern, wie jedes andere bedürftige Kind auch? Der Clou, dass uns Polanski in der bizarren Schlussszene das Kind in der schwarzen Wiege nie zeigt, und dieses wie ein Menschenkind schreit und nicht wie ein unnatürliches Monster, weckt einerseits bei Rosemary die mütterlichen Instinkte, und lässt beim Zuschauer das gleiche Dilemma entstehen wie bei der Mutter. Ist es letztlich egal, was das für ein Kind ist, solange sie nun mal seine Mutter ist?

Fazit

All dies macht ROSEMARY‘S BABY nicht nur zum Klassiker und cleveren Horrorfilm, sondern insgesamt zu einem funktionierenden und trotz der Handlung mit erstaunlich viel Humor versehenen Film. Mia Farrow ist in der Rolle der Rosemary grandios. Sie ist zerbrechlich und ängstlich, doch sie kämpft gegen alles und jeden um das Leben ihres Kindes. Eine absolute Empfehlung für jeden Cineasten!

ROSEMARY‘S BABY (1968, Roman Polanski), 136 min.

8/10


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