CYPHER

Veröffentlicht: 3. September 2010 in reviews
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Wir befinden uns in einer nicht sehr weiten Zukunft. Morgan Sullivan (Jeremy Northam) führt ein langweiliges Leben in der Vorstadt. All dies soll sich ändern, als er sich bei einer großen Firma names Digicore bewirbt, um in Zukunft als verdeckter Informant mit neuer Identität Betriebsspionage auszuführen. Der Normalo wünscht sich ein aufregendes Leben, Reisen, ein wenig Spannung und Würze anstatt von seiner dominanten Gattin herumkommandiert zu werden.

Doch Action wird er unerwartet viel bekommen, denn schon bald wird er von der mysteriösen Rita Foster (Lucy Liu) kontaktiert, die ihn darüber informiert, dass er tatsächlich nur eine Marionette ist, von Digicore eine Hirnwäsche bekommt er seine wahre Identität vergessen könnte. Es beginnt ein Hin und Her in wildester Doppel- und Dreifachagenten Tradition, mit ominösen mächtigen Parteien und einem geheimnisvollen Hintermann.

Was mir an CYPHER gefällt

Der Plot ist interessant und dynamisch. Insgesamt ist der ganze Film von Vincenzo Natali (CUBE, SPLICE) sehr plotorientiert und angetrieben. Zum Ende hin wird es dann zwar etwas abgehoben und teilweise auch vorhersehbar, dennoch wird hier eine interessante Geschichte rund um die Frage nach der Identität gesponnen.

Jeremy Northam (GOSFORD PARK) spielt die Rolle des Doppelagenten beeindruckend und weiss in den meisten Szenen zu überzeugen, vor allem im Vergleich zu den restlichen sehr platten Figuren. Die einzige weitere interessante Nebenfigur wird von David Hewlett (CUBE) verkörpert, der zusammen mit Northam eine spannende gemeinsame Szene hat, in der er ein wenig auftrumpfen kann.

Was mir an CYPHER nicht gefällt

Der Look des Films ist eigenartig. Er ist clean bis steril, und wirkt auf mich leblos und zu glatt. Was wahrscheinlich eine stilistische und eventuell auch Budget-Entscheidung gewesen sein mag, macht aber im Endeffekt einen gänzlich uninspirierten Eindruck, im Gegensatz zum wesentlich gelungeneren GATTACA. Die zahlreichen Einstellungen wirken zwar inszeniert und geplant, und dennoch sehen sie einfach langweilig aus. Die übertriebene Nutzung von Fischaugenobjektiven geht auf Dauer auch auf die Nerven.
Die Sets und Kostüme sollen ein bisschen abgespaced und cybermäßig aussehen, sind aber, vor allem was Lucy Lius Outfits an geht, schlicht lächerlich – ebenso wie die viel zu übertriebenen Designs der Locations wie etwa des unterirdischen Safes. Insgesamt gewinnt man den Eindruck, als wurde hier versucht, so viel wie möglich an Effekten und Cyberlook zu kreieren, obwohl es hilfreich gewesen wäre, eine gesündere Dosis anzuwenden.

CYPHER lebt lediglich von dem abwechslungsreichen Plot und einem guten Hauptdarsteller, der Rest ist leider schwach. Manche Szenen, etwa der Streit zwischen Morgan und dessen Ehefrau zu Beginn des Films, kann man gar nicht ernst nehmen. Die CGI-Effekte sind leider als solche wie in einem veralteten Videospiel zu erkennen, sie stechen zu deutlich hervor und sind nicht eingebettet, z. B. der futuristische Helikopter. Viel zu oft kommen diese Momente vor, wo man aufgrund von visuell unterdurchschnittlichen Elementen aus dem Film gerissen wird. Das Argument des geringen Budget zählt nicht, wie eindrucksvoll in MOON und MONSTERS bewiesen worden ist.

Fazit

Der Film hatte Potential, aber leider ist nur ein durchschnittlicher Sci-Fi-Thriller dabei herausgekommen, der allerdings, was das Spiel des Hauptdarstellers angeht, sowie einiger Plotentwicklungen ein wenig punkten kann. Für die mal etwas andere seichte Abendunterhaltung absolut in Ordnung.

CYPHER
USA 2002
Regie: Vincenzo Natali
Drehbuch: Brian King
Kamera: Derek Rogers
Schnitt: Bert Kish
95 min.

5/10

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Kommentare
  1. Mir haben gerade die vielen Twists gefallen, die mich teilweise auch wirklich überrascht haben.
    Beim Look muss ich dir zustimmen, die Effekte haben teilweise einen eklatanten Unterschied (Bsp: Helikopter – unterirdischer Bunker), sodass in manchen Szenen der Film wie ein B-Movie anmutet, um in der nächsten wieder voller Ernst zu sein.

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