THE CROW

Veröffentlicht: 12. September 2010 in flashback reviews
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Die Legende sagt, dass eine Krähe die sterbende Seele ins Reich der Toten führt. Und manchmal, wenn die Seele rastlos ist und noch Angelegenheiten im Diesseits zu erledigen hätte, bringt die Krähe sie für kurze Zeit wieder zurück. Eine solche Dringlichkeit verspürt Eric Draven (Brandon Lee), der zusammen mit seiner Verlobten von einer Meute Gangster ermordet wurde. Die Gewalt und das Unrecht, welches dabei entstanden ist sowie die Tatsache, dass die Mörder nie für ihre Tat belangt wurden, bringt Eric wieder zurück auf die Erde, als Halbwesen mit übernatürlichen Fähigkeiten. Der ehemalige Rockstar hat nur noch ein Bedürfnis: Rache und Vergeltung. Er beginnt einen schonungslosen Feldzug.

THE CROW ist eine Comicverfilmung von Alex Proyas (DARK CITY, KNOWING) und unweigerlich mit dem tragischen Tod des Hauptdarstellers Brandon Lee, Sohn der Martial Arts Ikone Bruce Lee, verbunden. Brandon Lee kam bei einem Unfall während der Dreharbeiten ums Leben, durch einen Patronensplitter einer fahrlässig präparierten Filmpistole. Der Film wurde dennoch fertig gestellt, indem in den noch fehlenden Szenen Body Doubles eingesetzt wurden, auf denen teilweise das Gesicht des Schauspielers digital aufgesetzt wurde. Brandon Lee war 28 Jahre alt und dabei, ein Star zu werden. Zuvor hatte er lediglich in durchschnittlichen B-Movies den Actionhelden gemimt. THE CROW sollte sein Durchbruch werden.

Der Film ist als Comicverfilmung überraschend düster, auch wenn viele Charaktere, vor allem die Verbrecher, sehr überzeichnet und wie Karikaturen wirken. Dennoch kann THE CROW als Vorläufer zählen für spätere „seriöse“ Comicverfilmungen à la BATMAN BEGINS.
Die Straßen der anonymen Stadt, welche wir nur bei Nacht zu sehen bekommen, sind leergefegt, und wenn man jemanden sieht, dann handelt es sich meist um zwielichtige Gestalten, oder das vernachlässigte Mädchen Sarah (Rochelle Davis), welches mit dem Skateboard ziellos herumfährt und ab und zu vom Polizisten Albrecht (Ernie Hudson) auf einen Hot Dog eingeladen wird. Ständig regnet es. Es ist die Nacht vor Halloween, als der Ermordete aus seinem Grab steigt und begleitet von der Krähe seine Mörder heimsucht, welche von dem okkulten Top Dollar (Bösewichtspezialist Michael Wincott) angeführt werden.

THE CROW hat viele Schwächen, und man hätte ihn noch viel besser machen können. Die Aktionen Dravens hätten übernatürlicher, gespenstischer sein können, die Charaktere weniger stereotyp. Und trotzdem hat Proyas‘ Film einen melancholischen Unterton in all dieser dunklen, regnerischen Atmosphäre, dem er natürlich seinem Hauptdarsteller verdankt. Sicherlich hat dessen Tod dazu beigetragen, doch es wäre wahrlich unfair, würde man Brandon Lee seine Leistung absprechen. Seine Krähe ist unerbittlich, furchteinflößend, brutal, und gleichzeitig spielt er ein trauriges Wesen mit vielen gefühlsbetonten Momenten. Es ist eine verstörende Symbiose, dass die Rolle so sehr mit dem Tod verbunden ist und diesen thematisiert. In einigen Einstellungen wurde ich überraschenderweise an Heath Ledgers Joker aus THE DARK KNIGHT erinnert. Das Make Up trägt dazu bei, aber auch im Spiel Lees ist etwas, das ich auch bei Ledger wiedergesehen habe, wenngleich Ledger seine Performance auf ein noch höheres Level brachte. Ob der ebenfalls verstorbene Ledger sich THE CROW irgendwann einmal angesehen hat?

Fazit

THE CROW ist eine recht gelungene Comicverfilmung mit Schwächen, die jedoch als Vorreiter weiterer dunkler Verfilmungen angesehen werden kann. Visuell und musikalisch ansprechend und atmosphärisch, mangelt es ihm etwas an Charaktertiefe, den Hauptprotagonisten ausgenommen. Wahrscheinlich nur für Genre-Fans interessant.

THE CROW
USA 1994
Regie: Alex Proyas
Drehbuch: David J. Schow, John Shirley
Kamera: Dariusz Wolski
Schnitt: Dov Hoenig, M. Scott Smith
97 min.

8/10


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Kommentare
  1. christiansfoyer sagt:

    „THE CROW hat viele Schwächen, und man hätte ihn noch viel besser machen können“ – Das trifft noch viel mehr auf die miesen Sequels zu…
    Allerdings ist der Roman zum zweiten Teil ziemlich gut, der hat fast schon poetische Qualitäten. Ganz im Gegensatz zum Film, der ja nicht mehr als Teil eins in richtig schlecht ist

  2. fifot sagt:

    Hmm, vermutlich hast Du recht mit den Schwächen, aber irgendwie kann ich „The Crow“ nur mit dem Bauch und nicht mit dem Kopf bewerten. Und mein Bauch sagt … KULT!🙂

  3. Lynn sagt:

    Es ist eine Weile her, dass ich den Film gesehen habe und ich (als Mädchen) hätte ihn mir nie angeschaut, wenn ich vorher gewusst hätte um was es geht. So bin ich aber zufällig drübergestolpert und war…total gefesselt. Es stimmt, dass der Film alles andere als perfekt ist, aber gerade weil ihm dieser Hollywood-Hochglanzstempel fehlt, bin ich emotional so tief in die Geschichte mit eingestiegen und er ist mir mit seiner ein wenig unbeholfenen düsteren Ästhetik stark im Gedächtnis geblieben und nicht wie viele andere Filme vergessen worden.

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