In der kleinen Stadt Big Whiskey ist die Welt noch relativ in Ordnung. Ein Schild am Stadtrand informiert über das Schießeisenverbot, und Sheriff Little Bill (Gene Hackman) sorgt mit teils drastischer Härte dafür, dass sich jeder daran hält, um jeglichen Ärger zu vermeiden.
Doch dann rastet ein Cowboy im Freudenhaus aus und verunstaltet einer der Prostituierten das Gesicht mit seinem Messer. Er und sein jüngerer Partner fliehen daraufhin, werden aber von Little Bill und seinen Deputies gefasst. Da die Frauen mit der Schlichtung des Sheriffs aber nicht einverstanden und der Meinung sind, dass die beiden eine wesentlich härtere Strafe verdient haben, entscheiden sie sich, ein Kopfgeld in Höhe von 1000 $ auf sie auszusetzen. Nun werden aus dem ganzen Land Kopfgeldjäger angelockt, und der trügerische Friede in Big Whiskey droht ein Ende zu finden.
Der junge „Schofield Kid“ (Jaimz Woolvet) hat es auf das Kopfgeld abgesehen, braucht aber noch einen Partner und sucht die Farm von Bill Munny (Clint Eastwood) auf, der in jungen Jahren ein berühmter Revolverheld war. Munny hatte geheiratet und zwei Kinder bekommen. Seine Frau brachte ihn ab von Töten und vom Trinken und machte ihn zu einem ehrlichen und anständigen Mann. Nun liegt sie aber vor dem Haus begraben, das Leben auf der Farm ist anstrengend und offensichtlich nicht Munnys Stärke, und das Geld ist auch knapp. Also entscheidet er sich nach anfänglichem Zögern, ein letztes Mal zu den Waffen zu greifen, und sucht dazu seinen alten Partner Ned Logan (Morgan Freeman) auf, der das Geld auch gut gebrauchen kann. Die drei machen sich auf nach Big Whiskey…


UNFORGIVEN ist Clint Eastwoods (MYSTIC RIVER, GRAN TORINO) letzter Western aus dem Jahre 1992, preisgekrönt mit den Oscars für Eastwood selbst (Beste Regie und Bester Film), Joel Cox (Bester Schnitt) und Gene Hackman (Bester Nebendarsteller) und für weitere fünf nominiert. Der auf dem ersten Blick klassische Plot entpuppt sich bei genauerer Betrachtung als äußerst raffinierter Abgesang auf das heroische Gunslinger Image. An unterschiedlichen Stellen des Films wird auf die Thematik der Glorifizierung und der Entstehung von Legenden durch übertriebene Überlieferungen, Hörensagen und Gerüchte eingegangen. Am offensichtlichsten geschieht dies in Form von English Bob (Richard Harris), der zusammen mit seinem Biographen ebenso angereist ist, um das Kopfgeld abzusahnen, während jener die Legende des „Duke of Death“ festhält, ausschmückt und an den Mann bringt. Little Bill (Gene Hackman), der weder viel von English Bob hält noch von dessen Legende, entglorifiziert diesen recht schnell, um dann selbst Stoff zu liefern für den eifrigen Schrifsteller. Ebenso ranken sich Legenden um Munny über Anzahl und Umstände der von ihm Getöteten. Munny selbst bleibt wortkarg und äußert sich selten zu seiner Vergangenheit, aber sowohl ihm als auch seinem alten Partner sieht man an den wissenden Blicken an, dass scheinbar nicht immer alles so gewesen zu sein scheint, wie es alle meinen zu wissen.


Auf diese Weise spielt Eastwood mit Legenden, mit Schuld und der diffusen Grenze zwischen Gut und Böse. Es ist in der Tat schwer zu sagen, ob die beabsichtigte Tat der drei Kopfgeldjäger wirklich Gerechtigkeit ist für die Frauen, reiner Profit für die Männer oder ein Verbrechen in den Augen des Sheriffs? Eastwood erschwert uns das Urteil, indem er die zwei gesuchten Cowboys nicht als abgrundtief böse Menschen darstellt, sondern eher als Dummköpfe. Besonders der junge Partner, der bei der Messerattacke eher untätiger Zuschauer war oder zur falschen Zeit am falschen Ort, scheint in seinem Kern ein guter Junge zu sein mit Schuldbewusstsein. Doch hier macht Strawberry Alice (Frances Fisher), die Chefin der Huren, in ihrem Rachedurst keinen Unterschied mehr und will beide tot sehen.

UNFORGIVEN ist von der ersten bis zur letzten Minute ein gelungener Film, der trotz seiner über zwei Stunden Laufzeit keine Längen hat. Die Chemie zwischen Eastwood und Freeman ist perfekt, wie auch später in MILLION DOLLAR BABY zu sehen war. Das gesamte Ensemblie liefert beeindruckende Leistungen ab, auch die bemerkenswerte Leistung von Richard Harris (GLADIATOR) soll hier nicht unerwähnt bleiben.
Wie viele Filme Eastwoods hinterlässt auch UNFORGIVEN den Zuschauer mit einem ambivalenten Gefühl, und man ist sich nicht so ganz sicher, wer nun „gewonnen“ hat. Das ist auch gut so, denn andernfalls wären die Idee und der ganze Ablauf der Geschichte, ja deren Kernthema, verraten worden.

Fazit

In der Kategorie Western gehört UNFORGIVEN zu den Pflichtfilmen und zählt du den besten des Genres. Hier spielt die Legende Clint Eastwood persönlich, berühmt geworden durch Sergio Leones Dollar-Trilogie, in einem Film, der Legenden völlig zerstört. Hochspannendes Western-Drama der Western-Ikone, mit wohl dosierten Actionszenen.

UNFORGIVEN
USA 1992
Regie: Clint Eastwood
Drehbuch: David Webb Peoples
Kamera: Jack N. Green
Schnitt: Joel Cox
131 min

10/10

Weitere Clint Eastwood Reviews:

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s