SCOTT PILGRIM VS. THE WORLD

Veröffentlicht: 15. Dezember 2010 in reviews
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SCOTT PILGRIM VS. THE WORLD ist die Verfilmung eines Comics, welchen ich noch nie gelesen habe und von welchem ich bis kurz vor dem Erscheinen des Films auch noch nie gehört hatte. Aus diesem Grund betrachte ich in meiner Einschätzung des Films nur diesen allein als eigenständiges Werk, auch wenn klar ist, dass dadurch sicher viele Anspielungen und Insidergags für mich unsichtbar werden. Dennoch bin ich der Ansicht, dass ein Film als solcher in sich funktionieren und stimmen muss.

Die Handlung, wenn man sie kulanterweise noch als solche bezeichnen soll, ist einfach: Scott Pilgrim, 22-jähriger Bassist der bis dato unbekannten Band Sex Bob-omb, muss, um das Herz seiner neuen Flamme Ramona (Mary Elizabeth Winstead) zu gewinnen, ihre bisherigen sieben Exfreunde besiegen. Dies geschieht in Videospielart im Stile von Beat ‘em Ups wie „Tekken“. Dieser Aspekt des Gamerlebens zieht sich durch den gesamten Film und macht offensichtlich, dass Edgar Wrights (HOT FUZZ, SHAUN OF THE DEAD) Film für eine ganz bestimmte Generation der Film werden soll, der vielleicht FIGHT CLUB vor elf Jahren für die Generation X war und wohl noch immer ist. Schon das Universal Logo zu Beginn des Films erscheint in Pixelgrafik zu Midisounds (eine auf jeden Fall gute Idee), und innerhalb der nächsten 112 Minuten blinken und leuchten überall Münzen, Level-Ups, Lebensbalken, Zelda-Sounds usw.


Picken wir uns also zwei Aspekte heraus: erstens der Film mit seiner Handlung und seinem Look und zweitens den Aspekt des Films der Spielegeneration. Zum ersten Punkt sei gesagt, dass SCOTT PILGRIM VS. THE WORLD durchaus Stärken hat, einen tollen Hauptdarsteller (Michael Cera), der ein wenig Gefahr läuft, auf diese Rollen beschränkt zu werden (wobei das andere in Hollywood sehr erfolgreich durchziehen, wie z. B. Adam Sandler oder Ben Stiller). Sehr beeindruckende und aufwendige visuelle Effekte, die mit vielen Ideen aufwarten, bombardieren den Zuschauer. Außerdem gibt es einige gelungene komödiantische Szenen und Dialoge (einer meiner Favoriten ist Scotts schwuler WG-Mitbewohner, gespielt von Kieran Culkin, der selbst im Schlaf noch eine SMS verschicken kann – eine sehr gut geschnitte Szene übrigens). Michael Cera (JUNO) ist ein klasse Typ, dessen Art zu sprechen man sich (wie meiner Meinung nach sowieso alle Filme) in der Originalfassung anhören muss! So kann man grundsätzlich sagen, dass der Film viele positive und heitere Momente hat und unterhaltsam ist.
Gleichzeitig kämpft SCOTT PILGRIM VS. THE WORLD aber auch damit, den Humor und den Witz zu erzwingen. Zu viele Szenen und Gags wirken auf mich so, als hängen überall noch Hinweisschilder dran, dass man als Zuschauer gerade etwas komisches sieht und lachen muss. Insgesamt habe ich wenig gelacht bei dem Film (wenn auch immer wieder geschmunzelt), was ich als Scheitern in dieser Hinsicht interpretiere. Mit zunehmender Spielzeit kämpft der Film gegen die aufkommende Langeweile, vor allem wenn Scott Pilgrim zum x-ten Male einen Boss-Fight austragen muss. Man fragt sich, ob es wirklich sieben Exfreunde hätten sein müssen. Der letzte Akt schließlich ist nur noch ermüdend – ein Twist im letzten Kampf, auch als großer Lacher konzipiert, verpuffte vor mir angesichts meiner Sehnsucht nach den Endcredits (die cooler hätten ausfallen können). Ein bisschen weniger forciert, und der Film hätte ein wenig mehr Leichtigkeit im Umgang mit sich selbst gehabt. Vielleicht wäre er dadurch auch natürlicher und weniger komisch-auf-Teufel-komm-raus gewesen. Außerdem finde ich, dass zwar einerseits die Idee der sieben „Boss-Gegner“ gut ist, aber es interessanter gewesen wäre, entsprechend sieben „Levels“ zu haben. Irgendwie wurde die Idee nicht konsequent genug genutzt.

Generation Nintendo?

Zu meinem zweiten der anfangs genanntenen Punkte: ich bezweifle, dass SCOTT PILGRIM VS. THE WORLD der Film schlechthin ist für die Gamer-Generation. Auch ich bin mit dem Amiga, dem SNES, Zelda, Mega Man und Super Mario aufgewachsen, habe Tekken gespielt und unzählige Zeit vor dem Monitor/TV vergeudet und genossen. Ich zähle mich also zu dieser Zocker-Generation, fühle mich von SCOTT PILGRIM VS. THE WORLD aber in dieser Hinsicht nicht so sehr angesprochen oder repräsentiert. Sicher, die Idee mit der Zelda-Musik und den Beat ‘em Up Fights ist gut, der Pinkelbalken Scotts hingegen eher bescheuert. Insgesamt wurde viel zu wenig in dieser Richtung gemacht. Wenn hier wirklich eine ganze Kultur widergespiegelt werden sollte, dann hätte man viel mehr und vielfältigere Anspielungen und Hommagen einbauen müssen, und nicht bloß Münzen nach jedem zerschlagenen Gegner. Ich glaube, der Film für die Generation Nintendo ist noch nicht gemacht worden (oder ich habe ihn verpasst), aber SCOTT PILGRIM VS. THE WORLD ist es leider nicht. Kevin Smith schrieb auf Twitter, dass dieser Film ein Game Changer sei. Obwohl man die Rolle in der Filmgeschichte nicht vom kommerziellen Erfolg abhängig machen sollte (der Film enttäuschte in dieser Hinsicht), halte ich diese Aussage für überzogen.

Andererseits, und jetzt komme ich noch mal auf mein ursprüngliches Statement: wenn man den Comic kennt und sich als Fan für den Film begeistern kann, dann hat er vielleicht zumindest in dieser Hinsicht für die Comic-Gemeinde eine Aufgabe erfüllt. Das ist allerdings zu wenig.

Fazit

SCOTT PILGRIM VS. THE WORLD ist lustig, ohne große Lacher zu haben. Über weite Strecken ist der Humor ein wenig forciert, und in seiner Handlung definitiv etwas zu lang, da er monoton wird. Dennoch ein Film, den man sich ansehen und der vielleicht für einen netten Filmabend dienen kann.

SCOTT PILGRIM VS. THE WORLD
USA, UK, CAN 2010
Regie: Edgar Wright
Drehbuch: Michael Bacall, Edgar Wright
Kamera: Bill Pope
Schnitt: Jonathan Amos, Paul Machliss
112 min.

7/10


Kommentare
  1. Ich habe den Film leider nur auf deutsch gesehen und warte seitdem sehnlichst auf den DVD-Release. Viel zu lachen hatte ich leider auch nicht, der Stil ist hingegen einmalig und hat Scott Pilgrim für mich zu einem sehr gelungenen Film gemacht – auch ohne die Vorlage zu kennen.

  2. […] (10/10); Film-Rezensionen; Frau Flinkwert (9/10); FreeQnet (9,5/10); Going to the Movies (9,5/10); Indy’s Film Reviews (7/10); It’s Magic; Jason Auric; Kälte Reich (9,5/10), Ploppers Wörld; Symparanekronemoi; […]

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