TRON

Veröffentlicht: 3. Februar 2011 in flashback reviews
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TRON erzählt die Geschichte des jungen Spieleentwicklers Kevin Flynn (Jeff Bridges), der unfreiwillig in einen Computer eingespeist wird und dort um sein Überleben kämpfen muss in Spielen und Duellen, die an Gladiatorenkämpfe erinnern. Diese Spiele werden vom „Master Control Program“ (MCP) geleitet und überwacht. Flynn wird in dieser Computerwelt u. a. von dem Sicherheitsprogramm Tron (Bruce Boxleitner) sowie dessen Partnerin Yori (Cindy Morgan) unterstützt. Flynn muss das MCP vernichten, um die versklavten Programme zu befreien, den Ausgang zur realen Welt zu finden, und an eine wichtige (vom MCU und im wahren Leben vom betrügerischen Firmenboss Dillinger (David Warner) verborgene) Information zu kommen, welche ihn als den Urheber des erfolgreichen Videospiels „Space Paranoids“ bestätigt.

TRON kam im Jahre 1982 in die Kinos, floppte kommerziell und wurde von den meisten Zuschauern auch nicht verstanden. Erst im Laufe der Jahre nahm seine Stellung als Kultfilm feste Konturen an, während die Fangemeinde anwuchs. Das Hauptproblem von TRON war, dass der Film der Zeit um einiges voraus war. Der Computer und die damit zusammenhängenden Konzepte und Terminologien waren in der Mehrheit der Population noch absolutes Novum bzw. unbekannt. Schaut man sich TRON heute im Zeitalter der Internetgeneration an, nimmt man so viele Ideen und Details als selbstverständlich an, so dass es einem ehrlicherweise schwer fällt, sich in das damalige Publikum hineinzuversetzen. TRON war nicht nur inhaltlich vorgegriffen, sondern auch hinsichtlich der visuellen Effekte. Diese waren so revolutionär, dass sie nicht einmal für eine Oscar-Nominierung ausreichten, weil die Nutzung eines Computers für visuelle Effekte damals als Schummelei angesehen wurde…wie die Zeit vergeht! Heute kommt kaum noch ein Spielfilm ohne die Nutzung von „unsichtbaren“ visuellen Effekten aus dem Rechner aus. In TRON agieren Schauspieler vor nicht existenten Hintergründen, die erst im Nachhinein eingesetzt wurden. Die ganze Welt ist voller stilisierter texturloser Flächen. Der Film mutet selbst heute, 30 Jahre Überalterung später, noch bemerkenswert surreal an.

TRONs Plot ist simpel und actionorientiert, aber dennoch spricht er viele interessante Themen an und zeigt mit der Softwarelandschaft lediglich einen Spiegel unserer Gesellschaft. Natürlich gänzlich unplausibel, sollte man Steven Lisbergers Film eher als ein Fantasy-Märchen betrachten. Flynn fällt wie Alice in das bizarre Wunderland, anstatt in ein realistisches Umfeld (was für ein Kunstfilm wäre das geworden?), und der Zuschauer darf sich 90 Minuten lang staunend zurücklehnen, während er visuelle Darbietungen sieht, die es zuvor noch nicht gegeben hatte, und Anspielungen auf die menschliche Gesellschaft und ihre Schwächen gemacht werden.

Mir hat TRON gefallen, obwohl ich in einer Zeit lebe, in welcher sich die Industrie mit visuellen Effekten im Minutentakt zu übertreffen versucht. Ich erkenne die Leistung und den filmischen Meilenstein an, der hier geschaffen wurde. Außerdem gibt es ein paar richtig coole Szenen, so z. B. das Light Cycle Rennen auf dem Grid oder die fast schon medidative Zäsur, als die Charaktere Wasser (?) zu sich nehmen. Und doch kann mich die Welt von TRON nicht ganz begeistern und einbinden, zu abstrakt und zu weit hergeholt erscheint mir das Konzept. Ich bin ein großer Fan von Geschichten, die mit anderen Realitätsebenen und Simulationen spielen und Fragen aufwerfen, die dadurch automatisch aufkommen. Bei diesen Filmen gefällt mir vor allem der virtuelle Aspekt, die Avatar-Idee, also die Repräsentation meiner selbst in einer anderen Ebene und die Wahrnehmung in dieser. AVALON (2001) ist solch ein genialer Film, natürlich auch THE MATRIX (1999) oder THE THIRTEENTH FLOOR (1999). Die Idee hingegen, als kompletter Mensch in einen Computer eingesaugt zu werden, und dann aber auf eine totalitäre menschliche Gesellschaft zu treffen, halte ich für zu bizarr, um sie als Science-Fiction ernstzunehmen. Dies soll allerdings kein Vorwurf sein: TRON geht einfach in eine andere Richtung und ist stattdessen wie eingangs erwähnt eine Fantasie – jedoch eine gelungene und unterhaltsame, mit einem sympathischen und überzeugenden Jeff Bridges in der Hauptrolle, ganz im Gegensatz zu seinem Nachfolger im Sequel.

Fazit

Filmischer Meilenstein, interessanter Versuch, den Computer in großem Stil in einen Film einzubinden. Eigentlich eine simple und klassische Fantasygeschichte, die das damalige Publikum aber offensichtlich noch zu sehr überforderte.

TRON
USA 1982
Regie: Steven Lisberger
Drehbuch: Steven Lisberger
Kamera: Bruce Logan
Schnitt: Jeff Gourson
96 min.

7/10

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