TRON: LEGACY [3D]

Veröffentlicht: 4. Februar 2011 in reviews
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Fast 30 Jahre nach dem kuriosen Meilenstein TRON (1982) bringt Disney die Fortsetzung ins Kino. Zwei Schauspieler aus dem ersten Teil haben es auch in den zweiten geschafft: Jeff Bridges (THE BIG LEBOWSKI) und Bruce Boxleitner, welche in TRON den Hauptprotagonisten sowie den Namensgeber des Films mimten.
Der Plot von TRON: LEGACY sei hier nur ganz grob erwähnt: Kevin Flynn ist seit etwa 20 Jahren verschollen und hinterließ seinen Sohn Sam (und jenem ein Firmenimperium). Tatsächlich ist Kevin ein Gefangener des Grids geworden. Sam eilt ihm zu Hilfe, indem er selbst in das Grid eindringt wie einst sein Vater, und dort mit ihm zusammen den Kampf gegen den bösen Clu annimmt…

Nun, es wird sich mittlerweile herumgesprochen haben, dass TRON: LEGACY nicht gerade ein literarisches Meisterstück ist. Tatsächlich ist das Drehbuch ein Witz und die Handlung des Films an den Haaren herbeigezogener Unsinn. Es ist immer noch ein Rätsel, warum die Filmindustrie an diesem ersten und beinahe wichtigsten Schritt des Filmproduktionsprozesses meist spart. Natürlich schaut man sich einen Film wie TRON: LEGACY nicht an in der Erwartung eines perfekten Drehbuchs, sondern man will entertained werden und state-of-the-art Effekte genießen. Scriptkatastrophen wie TRANSFORMERS: REVENGE OF THE FALLEN zeigen immerhin, dass das Primärziel erreicht wird: das Geld kommt in die Kasse. Von daher scheint sich die Überlegung, am Drehbuch zu sparen und dafür mehr in die Effekte zu investieren, zu rentieren. Ich frage mich nur, ob die Langzeitwirkung bleiben wird. Ich war kein Fan der VFX aus den Transformers-Filmen, da man meiner Meinung nach zu wenig erkennen konnte in all dem Schrottwirbel, aber die Meinungen sind da natürlich unterschiedlich. Trotzdem sollte jedem noch so einfach zu beeindruckenden Kinofan klar sein, dass auch die Effekte aus diesen Filmen in 10 Jahren veraltet sein werden – ob dann der Film noch genießbar ist? Damit ein Film gut reifen kann, braucht er mehr als nur seine visuelle Hülle. Warum ist 2001: A SPACE ODYSSEY immer noch ein Wahnsinnsfilm? Klar, er hat visuelle Maßstäbe gesetzt, die noch immer beeindrucken, und zahlreiche Filmemacher inspiriert. Doch würde der Film sonst nichts bieten, könnte man ihm jetzt kein müdes Gähnen mehr abgewinnen.

Zurück zu TRON: LEGACY! Ich bin ins Kino gegangen mit zurückgeschraubten Erwartungen. Der erste Teil aus den Achtzigern hatte mir gefallen, wenn er auch deutliche Schwächen hatte. TRON war nun mal etwas noch nie da gewesenes. Um nicht gleich alles schlecht zu machen, möchte ich zunächst die positiven Eindrücke nennen:

Was mir an TRON: LEGACY gefällt

Dass die visuellen Effekte in einem Tron-Film natürlich eines, wenn nicht das Hauptkriterium sind, ist klar. TRON: LEGACY wartet wirklich mit einigen höchst beeindruckenden Szenen auf. Das Grid ist stylisch, cool, gepaart mit dem bombastischen Sound eine sehr beeindruckende Kulisse. Die Light Cycle Szene in der Arena bzw. das Frisbee-Duell zu Beginn bieten einige sehr starke Momente. Die Welt von TRON: LEGACY ist eine Designerwelt – Fahrzeuge, Anzüge, Gebäude sind fantastisch umgesetzte Konzepte. Die Light Cycle Szene, die natürlich eine direkte Anspielung an den Vorgänger ist (wie so vieles in dem Film) wurde durch Gimmicks wie zusätzliche Ebenen und Schanzen verschärft. Das Frisbee-Duell im gläsernen Käfig kann man auch genießen, und auch die Verwandlungen der Bikes haben mir gut gefallen. Schafft man es, TRON: LEGACY mehr oder weniger auf die Spielwelt und die Effekte zu reduzieren, dann kann man zumindest eine Form der Unterhaltung im Kino erleben. Auf dieser dieser Ebene erfüllt TRON: LEGACY also die Erwartungen – jedenfalls teilweise…

Außerdem konnte ich feststellen, dass der 3D Effekt sinnvoll genutzt worden ist. Er ist nicht übertrieben, wird in den Szenen, die in der Realität spielen, fast gänzlich weggelassen (eine Einblendung zu Beginn des Films informiert darüber, dass einige Szenen bewusst auf herkömmliche Art gedreht worden sind), und passt in der künstlichen Welt sehr gut. TRON: LEGACY gehört wie AVATAR zu den Filmen, die bereits als 3D Film konzipiert und auch so gedreht wurden, im Gegensatz zu 3D Konvertierungen wie bei CLASH OF THE  TITANS oder ALICE IN WONDERLAND.

Was mir an TRON: LEGACY nicht gefällt

Wenn wir zunächst bei den Effekten bleiben wollen, so stelle ich eine Sache fest, die den Film seine Mission nicht erfüllen lässt: TRON: LEGACY ist ein Jahr zu spät ins Kino gekommen. Wäre er noch vor AVATAR auf der Leinwand erschienen, dann hätte TRON: LEGACY einen ähnlichen filmischen Meilenstein gesetzt wie einst der Vorgänger. So aber zeigt uns das Sequel nichts wirklich Revolutionäres. Die Effekte sind natürlich extrem gut, sind auch ein Jahr nach AVATAR ein wenig ausgereifter, aber sie sind nichts, das dem Zuschauer die Kinnlade herunterfallen lässt. Keine Revolution, kein visionäres Vorgreifen auf in Zukunft mögliches Effektkino. In dieser Hinsicht versagt TRON: LEGACY also im Vergleich zum ersten Teil. Dies ist allerdings nur ein sehr geringer Teil der Mängelliste.

Eingangs erwähnte ich das Drehbuch. Wie gesagt, keine Offenbarung, doch es ist wirklich einfach schlecht. Der Plot ist so plump und so nichtssagend, und zieht den Protagonisten einfach nur von Szene zu Szene, die meist von höchst unplausibler Natur oder einfach nur bescheuert sind. Man sollte natürlich nicht mit der Realismuslupe nach Ungereimtheiten suchen, aber der Zuschauer stellt sich doch die z. B. Frage, was ein obdachloses Programm, welches genau so aussieht wie ein Obdachloser in der realen Welt, für eine Funktion im Grid hat. Was haben die Programme dort überhaupt für Funktionen? Die einen laufen und reden abgehackt wie Roboter, während die anderen sich auslassen, kreischen und Cocktails reinpfeifen wie echte Menschen. Wieso werden Dinge eingeführt und nicht weiter ausgearbeitet oder gleich wieder entfernt (ISOs; das tolle und explizit besondere Bike, welches Sam erhält und besagtem Obdachlosem einfach gleich schenkt), während andererseits Dinge nie angesprochen werden und dann plötzlich erst erscheinen (Kevin Flynns Yoda-Moves)? Die Handlung ist so voller Absurditäten und Fehler, dass man gar nicht weiß, wo man anfangen soll. Ursprünglich hatte ich vor, einen kompletten Artikel nur zu diesen haarsträubenden Löchern in der Handlung zu schreiben, doch dann musste ich feststellen, dass es bereits einen genialen Artikel dazu gibt und ich dem kaum was hinzufügen muss (ich habe bei der Lektüre herzhaft lachen können). Wenigstens ist bei TRON: LEGACY im Gegensatz zu TRANSFORMERS: REVENGE OF THE FALLEN die Handlung als solche zu erkennen.

Ich hatte gleich zu Beginn des Films einen gefährlichen TERMINATOR: SALVATION Moment, als Sam beim Öffnen der ENCOM Tür den gleichen Spruch aus dem Hut zaubert wie sein Vater im ersten Teil: „Now that is a big door!“. Zum Glück war mein Erlebnis nicht ganz so grottig wie TERMINATOR: SALVATION – dafür ist TRON: LEGACY wie schon erwähnt doch auf seine gewisse hirnlose Art unterhaltsam genug.

Ein weiteres massives Problem ist der Hauptdarsteller. Garrett Hedlung (TROY) spielt einen dermaßen unsympathischen Proleten, der mit One-Linern um sich wirft und sowieso alles kann, wie er schon in seiner Eröffnungsszene in der realen Welt zeigt. Wie soll bitte glaubhaft gemacht werden, dass ein Mensch sich einigermaßen in Gefahr befindet, wenn zuvor gezeigt wird, dass Sam Flynn selbst in der Realität eine Mischung aus Ethan Hunt und James Bond ist, der sich für keinen halsbrecherischen Stunt zu schade ist? So einer kommt nun in eine virtuelle Welt, die er nie zuvor betreten hat, und vollführt dort genau die gleichen Stunts. Sam Flynn macht (wie nahezu alle Figuren) keine Entwicklung durch, er denkt auch nicht selbst, sondern lässt sich wie eine leblose Hülle durch die Handlung ziehen. Die Tatsache, dass er als halsbrecherischer Draufgänger jede Situation meistern kann, lässt den Zuschauer überhaupt keine Chance, um ihn in Sorge zu sein oder überhaupt eine Verbindung zu ihm aufzubauen. Doch auch die anderen Charaktere haben das gleiche Problem wie Sam: sie sind absolut hohl und unzugänglich. Quorra (Olivia Wilde), eine von den (laut angeschnittener aber nicht weiter ausgearbeiteten Einführung) legendären ISO‘s, ist lediglich attraktives Beiwerk. Jeff Bridges macht zwar noch das Beste aus seiner Rolle, aber er ist hoffnungslos unterfordert. Zumindest gewinnt man den Eindruck, dass er Spaß und seine Arbeit gewissenhaft verrichtet hatte. Sein gealterter Kevin ist mittlerweile zu einer Art Zen-Guru geworden, der in einem durchgestylten, an 2001: A SPACE ODYSSEY erinnernden Haus wohnt. Jeff Bridges spielt aber auch noch Clu, sowie sein jüngeres Ich. Für die zwei anderen Rollen wurde sein Gesicht digitalisiert und verjüngt mit der gleichen Technik, die Brad Pitt zuvor schon für THE CURIOUS CASE OF BENJAMIN BUTTON hatte altern lassen. Das Resultat ist ein gefährlicher Ausflug in das Uncanny Valley. Es beeindruckt zwar einerseits, aber gleichzeitig macht es eindeutig, dass die echten Gesichter der Schauspieler noch lange nicht perfekt nachgeahmt werden können. Michael Sheen (FROST/NIXON, BLOOD DIAMOND) spielt eine bizarre Mischung aus dem Merowinger aus THE MATRIX: RELOADED und David Bowie für Arme. Die Funktion seines Charakters und dessen Doppelidentität gehören zum Favoritenkreis für das bescheuertste Element des Films.
Die Musik (Daft Punk) ist cool und bombastisch und war bereits nahezu 1:1 in INCEPTION zu hören – sehr dreist. Vielleicht hört es sich ja wie Edith Piaf an, wenn man die Musik beschleunigt? Zumindest gibt es ein paar elektronische Stücke, die davon etwas abweichen und sich auch gut anhören.

Fazit

Es ist schade, dass man nicht die Chance genutzt hat, mehr aus dem Stoff zu machen. Die Filmemacher deuten zwar Ausflüge zu ethischen Fragen, philosophischen Aspekten und Bezügen zu unserer Gesellschaft an, aber all das auf eine rein dilettantische und überhaupt nicht überzeugende Art. Regisseur Kosinski hat einen stylischen, optisch ansprechenden Film gedreht mit einigen Hinguckern und der ein oder anderen gelungenen Actionszene, hinter der Fassade jedoch (die längst nicht so beeindruckt wie AVATAR vor einem Jahr und deshalb auch dafür keinen Bonus bekommen kann) verbirgt sich eine flache und unspektakuläre Geschichte, die zu allem Überfluss auch noch mit Fehlern und Handlungslöchern gespickt ist. Für einen netten Popcorn Abend sicherlich ok, für Fans mit echtem Interesse an Science-Fiction und abgefahrenen Konzepten aber einfach zu wenig. Nichtsdestotrotz wäre eine Oscar-Nominierung in der Kategorie beste visuelle Effekte angebracht gewesen.

TRON: LEGACY [3D]
USA 2010
Regie: Joseph Kosinski
Drehbuch: Edward Kitsis, Adam Horowitz
Kamera: Claudio Miranda
Schnitt: James Haygood
125 min.

6/10


Kommentare
  1. maloney8032 sagt:

    ich war vor allem erstaunt wie wenig man eigentlich von so hochgelobten Daft Punk Tönene zu hören bekommt, kalr der Sound ist gut aber nach Daft Punk hört sich ausser an eine paar wenigen Stellen überhaupt nicht an.
    Cooler Blog übrigens, bist gleich mal im Feed gelandet😀

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