RIRI SHUSHU NO SUBETE (ALL ABOUT LILY CHOU-CHOU)

Veröffentlicht: 13. Februar 2011 in reviews
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ALL ABOUT LILY CHOU-CHOU erzählt die Geschichte von heranwachsenden japanischen Schülern, von komplizierten sozialen Gefügen an der Schule und von an der Tagesordnung stehendem massivem Mobbing (wobei dieser Begriff an sich schon zu schwach ist angesichts u. a. von Gewalt, Vergewaltigung, Prostitution). Die Geschichte wird einerseits durch die portraitierten Ereignisse erzählt, die nicht immer chronologisch ablaufen, und des weiteren online in Form von Chats und Postings in einem Fanforum, welches der ikonischen Sängerin Lily Chou-Chou gewidmet ist.

Gedreht auf Video, mit überwiegend wackeliger Handkamera, weist ALL ABOUT LILY CHOU-CHOU dennoch hin und wieder poetisch anmutende ruhige Bilder auf, die ihren eigenartigen Reiz haben und dem Film ein paar starke Szenen geben. Der Erzählstil ist verwirrend, denn es wird suggeriert, dass die Poster aus dem Onlineforum unter den Protagonisten sind – allerdings ist es bis auf wenige Ausnahmen schwierig, das echte Gesicht hinter dem Nickname ausfindig zu machen. Dies Aufzuschlüsseln ist allerdings auch keine Vorraussetzung, um den Film zu verfolgen.

Was mir an ALL ABOUT LILY CHOU-CHOU gefällt

Die bereits erwähnten ruhigen Bilder, die vereinzelt gezeigt werden, haben einen guten Eindruck auf mich hinterlassen. An vielen Stellen wechselt die Kamera in den „Home Video“ Modus, repräsentiert u. a. aber auch durch Kameras, die die Schüler selbst verwenden (z. B. während eines Ausflugs in den Sommerferien) und in deren subjektive Perspektive wir versetzt werden. Dies passt an den entsprechenden Stellen dramaturgisch gut in das Konzept.

Was mir an ALL ABOUT LILY CHOU-CHOU nicht gefällt

In erster Linie stelle ich fest, dass die komplizierte Erzählstruktur unangebracht und unnötig ist. Letztlich erzählt Regisseur Shunji Iwai eine geradlinige und an sich klare Geschichte, die den Zuschauer aber aufgrund seiner wirren Sprünge in die virtuelle Welt des Forums unnötigerweise durcheinanderbringt. Dadurch wird der Film insgesamt auch etwas zu lang. Kameramann Noboru Shinodas Bilder sind an einigen Stellen stark überstrahlt, und gelegentlich wird mit der Home Video Optik für meinen Geschmack doch etwas übertrieben. Auch die Musik wird (bis auf das geniale „Kaifuku Suru Kizu“, welches  Tarantino später in KILL BILL verwendet hat) auf Dauer sehr monoton und ermüdend.

Fazit

Vielleicht muss man Schüler in Japan sein, damit man auf eine besondere Weise von ALL ABOUT LILY CHOU-CHOU berührt wird. Jedenfalls scheint der Film eine beachtliche Fangemeinde zu haben. Für mich hat er einige interessante und schöne Momente, ist aber insgesamt zu konfus und langatmig erzählt, um mich wirklich packen zu können. Ein Film, der wohl nur für hartgesottene Japan-Fans oder „Insider“ geeignet ist – wobei mir hierbei einige Titel einfallen, die mir wesentlich mehr zugesagt haben und ich eher empfehlen würde.

RIRI SHUSHU NO SUBETE [リリイ・シュシュのすべて] (ALL ABOUT LILY CHOU-CHOU)
JAP 2001
Regie: Shunji Iwai
Drehbuch: Shunhi Iwai
Kamera: Noboru Shinoda
Schnitt: Yoshiharu Nakagami
146 min.

6/10

Kommentare
  1. chris sagt:

    danke für diese review, ging mir sehr ähnlich als ich den film gesehen habe – der stil und die machart ist doch sehr anstrengend [für nicht „otakus“]
    wo hast du den film gesehen? gibts den schon irgendwo auf deutsch? habe mir vor einem jahr mal die hk-dvd gekauft, weil ich verwundert war, dass die uk-version damals bei amazon.de über 80€ wert war [aktuell ca. 33€]
    dennoch ist der ein schöner, leider zu langer, blick über den ozean.

    • indy sagt:

      ich hatte die nur ausgeliehen, war aber eine region 1 us-import dvd. hab gerade nachgeschaut, die gibt es zurzeit bei amazon.com gebraucht ab ca. 4$ – neu allerdings auch für 26,99$ (unverschämter preis)…

      ob es eine deutsche version gibt, weiss ich nicht (kann ich nicht finden). mir reicht immer die originalversion, sofern sie untertitelt ist.😉

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