OSCARS 2011

Veröffentlicht: 28. Februar 2011 in news
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Es war eine Oscar-Nacht, die sich einerseits so hinplätscherte und auf der anderen Seite abgefrühstückt wurde. Dabei bot sie Licht und Schatten. Zunächst begann die Show mit den beiden Hosts James Franco (der auch als bester Hauptdarsteller nominiert war) und Anne Hathaway vielversprechend und witzig. Ein eigens erstellter Film, in welchem die beiden durch die nominierten Filme stolpern und mit deren Charakteren agieren sorgte auch durch Gastauftritte von Morgan Freeman und Alec Baldwin für einige Lacher. Auch der Auftritt von Kirk Douglas, der den Oscar für die beste Nebendarstellerin verleihen durfte, war überraschenderweise eine recht gelungene Comedy-Einlage. Leider flachte die Veranstaltung danach zunehmend ab. Dafür möchte ich den beiden Moderatoren gar nicht allzu sehr die Schuld in die Schuhe schieben. Anne Hathaway war stets witzig und sympathisch. James Franco wirkte ein wenig steif und stoisch, gab dadurch aber einen passenden Gegenpart. Im Gegenteil, das coole an der ganzen Sache war, dass Franco backstage immer wieder per Twitter mit Bildern und Videos eine Perspektive bot, die man als Zuschauer so noch nie von den Oscars hatte. So wurde die Oscar-Verleihung zur parallelen Veranstaltung mit Live-Bild und Twitter-Feeds – nice!

Nein, die Vorwürfe muss man nicht den Hosts machen (klar können sie einer Größe wie Billy Crystal noch nicht das Wasser reichen), sondern dem Veranstalter, der so ein schlechtes Format vorgibt. Selten war eine Oscar-Verleihung so langweilig und unspektakulär, an vielen Stellen irgendwie emotionslos. Eine fragwürdige Reihenfolge der Oscar-Vergabe (wieso wurde der Regie-Oscar als zweitwichtigster Preis nicht als vorletzer Oscar vergeben, sondern noch vor den Hauptdarstellern?), eine bizarre Lebenswerkehrung, bei welcher Francis Ford Coppola, Eli Wallach und Kevin Brownlow zwar auf die Bühne kommen konnten, dann aber von einem Werbeblock gekappt wurden und nach Wiederaufnahme der Show wieder verschwunden waren, und ein schnarchiger „Somewhere over the Rainbow“-Kinderchor als Abschluss sorgten für Stirnrunzeln. Über die merkwürdigen Rückblicke und Einspielungen auf TITANIC und THE LORD OF THE RINGS möchte ich lieber nichts weiter schreiben.
Zur eigentlichen Vergabe der Oscars bleibt mir zu sagen, dass ich mich sehr für Christian Bale und Natalie Portman freue und auch über die Auszeichnung für Wally Pfister, der als bester Kameramann für INCEPTION geehrt wurde. Hochverdient, aber ich hatte mit einem Oscar für Roger Deakins gerechnet. THE KING‘S SPEECH war der große Gewinner des Abends. Auch wenn die Oscars gut verteilt wurden (INCEPTION bekam ebenfalls vier Oscars), hat dieser Film in den „großen“ Kategorien abräumen können: Bester Film, beste Regie, bester Hauptdarsteller und bestes Originaldrehbuch (mit einer sympathischen Dankesrede David Seidlers). Ich war etwas empört über den Regieoscar für Tom Hooper. Auch wenn ich THE KING‘S SPEECH noch nicht sehen konnte, so hätte ich diesen Oscar lieber in den Händen Aronofskys oder Finchers gesehen, die schon mehrmals übergangen worden sind (und damit in guter Gesellschaft sind).
Ich bin auch sehr gespannt, ob mich THE KING‘S SPEECH insgesamt mehr beeindrucken wird als beispielsweise BLACK SWAN oder INCEPTION.
Insgesamt gab es wenige Überraschungen: auf Christian Bale, Natalie Portman, Colin Firth und TOY STORY 3 hätte man wahrscheinlich Geld verwetten können, und wenn man sich die Oscar-Historie zu Gemüte zieht wohl auch auf THE KING‘S SPEECH.

Vielleicht nicht die schlechteste Verleihung, denn es gab schöne Momente (wie etwa Spielbergs Rede, Kirk Douglas, Billy Crystal, Robert Downey, Jr. & Jude Law, Natalie Portman und Kevin Spacey). Einerseits ein schöner Schritt in Richtung Verjüngung, verkörpert durch Franco (und dessen Tweets) und Hathaway, aber auch viele Schritte rückwärts in einschläfernde, fragwürdige und konzeptlose Strukturen, welche die Academy grundsätzlich überdenken sollte.

Hier ist die Liste der gestrigen Gewinner:

Bester Film:
THE KING‘S SPEECH
127 HOURS
BLACK SWAN
THE FIGHTER
INCEPTION
THE KIDS ARE ALL RIGHT
THE SOCIAL NETWORK
TOY STORY 3
TRUE GRIT
WINTER‘S BONE

Beste Regie:
Tom Hooper (THE KING‘S SPEECH)
Darren Aronofsky (BLACK SWAN)
Ethan Coen, Joel Coen (TRUE GRIT)
David Fincher (THE SOCIAL NETWORK)
David O. Russell (THE FIGHTER)

Bester Hauptdarsteller:
Colin Firth (THE KING‘S SPEECH)
Javier Bardem (BIUTIFUL)
Jeff Bridges (TRUE GRIT)
Jesse Eisenberg (THE SOCIAL NETWORK)
James Franco (127 HOURS)

Beste Hauptdarstellerin:
Natalie Portman (BLACK SWAN)
Annette Bening (THE KIDS ARE ALL RIGHT)
Nicole Kidman (RABBIT HOLE)
Jennifer Lawrence (WINTER‘S BONE)
Michelle Williams (BLUE VALENTINE)

Bester Nebendarsteller:
Christian Bale (THE FIGHTER)
John Hawkes (WINTER‘S BONE)
Jeremy Renner (THE TOWN)
Mark Ruffalo (THE KIDS ARE ALL RIGHT)
Geoffrey Rush (THE KING‘S SPEECH)

Beste Nebendarstellerin:
Melissa Leo (THE FIGHTER)
Amy Adams (THE FIGHTER)
Helena Bonham Carter (THE KING‘S SPEECH)
Hailee Steinfeld (TRUE GRIT)
Jacki Weaver (ANIMAL KINGDOM)

Beste Kamera:
Wally Pfister (INCEPTION)
Matthew Libatique (BLACK SWAN)
Danny Cohen (THE KING‘S SPEECH)
Jeff Cronenweth (THE SOCIAL NETWORK)
Roger Deakins (TRUE GRIT)

Bester Schnitt:
Kirk Baxter, Angus Wall (THE SOCIAL NETWORK)
John Harris (127 HOURS)
Andrew Weisblum (BLACK SWAN)
Pamela Martin (THE FIGHTER)
Tariq Anwar (THE KING‘S SPEECH)

Bestes Originaldrehbuch:
David Seidler (THE KING‘S SPEECH)
Mike Leigh (ANOTHER YEAR)
Scott Silver, Paul Tamasy, Eric Johnson, Keith Dorrington (THE FIGHTER)
Christopher Nolan (INCEPTION)
Lisa Cholodenko, Stuart Blumberg (THE KIDS ARE ALLRIGHT)

Bestes adaptiertes Drehbuch:
Aaron Sorkin (THE SOCIAL NETWORK)
Danny Boyle, Simon Beaufoy (127 HOURS)
Michael Arndt, John Lasseter, Andrew Stanton, Lee Unkrich (TOY STORY 3)
Joel Coen, Ethan Coen (TRUE GRIT)
Debra Granik, Anne Rosellini (WINTER‘S BONE)

Beste Filmmusik:
Trent Reznor, Atticus Ross (THE SOCIAL NETWORK)
R. Rahman (127 HOURS)
John Powell (HOW TO TRAIN YOUR DRAGON)
Hans Zimmer (INCEPTION)
Alexandre Desplat (THE KING‘S SPEECH)

Bester Animationsfilm:
TOY STORY 3
HOW TO TRAIN YOUR DRAGON
L‘ILLUSIONISTE

Bester fremdsprachiger Film:
HAEVNEN
BIUTIFUL
KYNODONTAS
INCENDIES
HORS-LA-LOI

Bester Dokumentarfilm:
INSIDE JOB
EXIT THROUGH THE GIFT SHOP
GASLAND
RESTREPO
WASTE LAND

Weitere Oscars gingen an:

Beste Ausstattung:
Robert Stromberg, Karen O‘Hara (ALICE IN WONDERLAND)

Bestes Kostümdesign:
Colleen Atwood (ALICE IN WONDERLAND)

Bestes Makeup:
Rick Baker, Dave Elsey (THE WOLFMAN)

Bester Originalsong:
Randy Newman (TOY STORY 3)

Bester Tonmix:
Lora Hirschberg, Gary Rizzo, Ed Novick (INCEPTION)

Bester Tonschnitt:
Richard King (INCEPTION)

Beste visuellen Effekte:
Chris Corbould, Andrew Lockley, Pete Bebb, Paul J. Franklin (INCEPTION)

Bester Dokumentarfilm (Kurzfilm):
STRANGERS NO MORE

Bester Animationsfilm (Kurzfilm):
THE LOST THING

Bester Kurzfilm:
GOD OF LOVE

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