THE AMERICAN

Veröffentlicht: 11. Juni 2011 in reviews
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THE AMERICAN ist die Geschichte eines Profikillers (George Clooney), der in einem italienischen Dorf seinen letzten Auftrag erfüllen will. Er hat ein spezielles Scharfschützengewehr für einen anderen Profi herzustellen. Eine blutige Eröffnungsszene verdeutlicht, dass der Killer von Leuten gejagt wird, die offensichtlich mit einem früheren Auftrag zu tun haben. Im kleinen, geisterhaften Dorf trifft er auf den ansässigen Priester, der ihm seine Geschichte, er arbeite als Fotograf, nicht wirklich abkauft, ihn aber auch nicht unter Druck setzt, mit der Wahrheit rauszurücken. Im örtlichen Bordell werden die körperlichen Bedürfnisse in Form der Prostituierten Clara befriedigt, während zielstrebig und routiniert am Auftrag gearbeitet wird und die Paranoia hinsichtlich der Verfolger wächst.

Jack bzw. Edward, so genau weiß man das nicht, mag körperlich topfit sein und in seinem Job jeden Handgriff blind ausüben, doch die Jahre in diesem Job fordern ihren Tribut. Er scheint an einem Punkt angelangt zu sein, vor welchem auch Léon (LÉON – THE PROFESSIONAL) bald gestanden wäre, wenn sein Weg nicht den von Mathilda gekreuzt hätte. Er ist innerlich leer, kann nicht ruhig schlafen, wittert immer und überall einen Hinterhalt. Nicht einmal bei einem Picknick mit Clara, mit der er eine fragile Beziehung begonnen hat, kann er entspannen und vertrauen. Die Waffe ist immer dabei, Finger am Abzug.

THE AMERICAN ist eigentlich ein Western. Zu sehr ähneln der Aufbau, die Dramaturgie und die Figur Clooneys an das archaische Genre. Die Geschichte könnte beinahe unverändert in einem mexikanischen Dorf mit Clint Eastwood als wortkargen Revolverheld spielen. Ähnlich wie im Westerngenre hält Regisseur Anton Corbijn (CONTROL) den Film in niedrigem Gang, lässt die Ereignisse langsam geschehen und die wunderbar komponierten Einstellungen lange atmen. Man braucht Geduld, denn THE AMERICAN ist keine Action-Schnittorgie wie in den meisten Filmen, die dieses Milieu thematisieren. Die Actionszenen sind generell rar und ebenfalls nicht schnell geschnitten. Doch die meiste Zeit über sehen wir Clooney warten, sich vorbereiten und versuchen, mit sich selbst ins Reine zu kommen. Dabei ist die Entscheidung, dem Film diesen Slowdown zu verpassen, die perfekte gewesen. Ähnlich wie in THE ASSASSINATION OF JESSE JAMES… (2007, Andrew Dominik) entsteht dadurch so etwas wie Meditation. Eine wahrlich willkommene Abwechslung, die mich auch ein wenig an EXILED (2006, Johnnie To) erinnert!

Fazit:

Das bekannte Motiv des letzten Auftrags eines Killers, im Stile eines Westerns in italienischer Kulisse umgesetzt. Ruhiger, schön fotografierter Thriller, der seine Spannung gerade durch die wartenden Momente aufbaut und bis zum Finale anhalten lässt. Die Musik zum Film lieferte kein geringerer als Herbert Grönemeyer.

THE AMERICAN
USA 2010
Regie: Anton Corbijn
Drehbuch: Rowan Joffe
Kamera: Martin Ruhe
Schnitt: Andrew Hulme
105 min.

8/10

Kommentare
  1. christiansfoyer sagt:

    Sehr nett, auch mal ’ne durchweg positive Stimme zu dem Film zu hören, der kam ja bei vielen nicht gut an. Ich hab ’n immer noch nicht gesehen, aber da ich meditative Ruhe ebenfalls meistens als abwechslungsreich und nicht etwa langweilig wahrnehme und entsprechend zu schätzen weiß (wie z. B. im von dir genannten „Jesse James“), bin ich mir ziemlich sicher, dass mir „The American“ ähnlich gut gefallen dürfte.

    • indy sagt:

      Ich denke, der Film enttäuscht entweder dann, wenn man einen Actionthriller im Stile Jason Bournes erwartet oder wenn man generell mit ruhigeren Filmen, die nicht über eine bestimmte Schnittfrequenz hinauskommen, nichts anfangen kann.

      Wenn diese beiden Punkte nicht gegeben sind, kann man, denke ich, THE AMERICAN unvoreingenommen betrachten und dann für sich entscheiden, ob man den Film gut oder nicht gut findet.

  2. Das läßt die Hoffnung dann doch noch steigen.🙂

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