MONSTERS

Veröffentlicht: 14. Juni 2011 in reviews
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Die NASA findet Spuren außerirdischen Lebens im All. Eine Fähre mit Proben an Bord stürzt über Mexiko an der Grenze zu den USA ab und die außerirdischen Organismen gelangen so in die Umwelt. Die infizierte Zone entsteht, ein riesiges, abgeriegeltes Areal, in welchem mittlerweile gigantische Tintenfisch-ähnliche Kreaturen herumgeistern und mit Leichtigkeit Fahrzeuge oder Gebäude zerstören können. Journalist Andrew Kaulder (Scoot McNairy), der sich in Mexiko aufhält, wird von seinem Chef beauftragt, dessen Tochter ausfindig zu machen und auf dem Rückweg in die USA zu begleiten, denn die aktive Zeit der Monster steht an. Durch ein Missgeschick verpassen beide die Möglichkeit, die letzte Fähre zu nehmen, und müssen nun die Reise durch die unter Quarantäne stehende Zone antreten.

MONSTERS ist ein Low-Budget Science-Fiction Film, gedreht an zahlreichen Orten in Mexiko und Guatemala, mit einer Minimalcrew und lediglich zwei echten Schauspielern. Alle anderen Charaktere im Film sind ad hoc gecastete Laien und die meisten Szenen daher spontan und improvisiert. Dennoch oder gerade deswegen ist es Newcomer Regisseur Gareth Edwards gelungen, einen authentischen Film zu drehen. Abgesehen von der Leistung, unter diesen minimalen Umständen ein solches Endprodukt erreicht zu haben, muss man MONSTERS auch hoch anrechnen, wie an die Science-Fiction Thematik herangegangen wurde. Die „Monster“ sind hier keine allgegenwärtigen und ständig sichtbaren Ungeheuer, sondern sind mittlerweile im Alltag so eingebunden und üblich, dass sie wie selbstverständlich von den Menschen hingenommen werden.

MONSTERS verkommt zu keiner Effektorgie, es wird kein Kampf gegen eine Alien-Invasion gezeigt. Stattdessen sind sie einfach da, und die Menschheit, in diesem Fall die Mexikaner und die Amerikaner, müssen mit ihnen leben. Sie lösen das Problem durch die Quarantäne. Die Amerikaner haben einen gigantischen Schutzwall an ihrer Grenze errichtet und schicken regelmäßig Bomberstaffeln in die Zone, um die Wesen kleinzukriegen. Es ist nicht allzuweit hergeholt, angesichts dieses Settings Parallelen zu der aktuellen Lage an der amerikanischen Südgrenze zu erkennen. In MONSTERS werden Probleme nicht an den Wurzeln angepackt oder erforscht, stattdessen herrscht lediglich blinder Aktionismus: Mauer bauen, alles dahinter zubomben. Dass gerade diese Bombardements möglicherweise dazu beitragen, die Sporen der außerirdischen Wesen weiter zu verstreuen, wird im Film angedeutet und unterstreicht den Gedanken an Assoziationen zur Realität. Nein, die „Monster“ sind nicht die Hauptakteure. Es sind tatsächlich Andrew und Samantha (Whitney Able), die beide auf ihrer Reise in die Heimat auch sich selbst finden müssen und einander näher kommen. Inwieweit ihr Erlebnis sie langfristig verändern wird, ist eine offene Frage.

MONSTERS hat mir sehr gut gefallen. Es ist ein Film, ähnlich wie im Jahr zuvor DISTRICT 9, der von einem jungen und ambitionierten Filmemacher umgesetzt wurde und der bewiesen hat, dass man auch mit geringem Budget im Science-Fiction Genre kreative Ideen interessant umsetzen kann. Ähnlich wie Neill Blomkamp hat Edwards Erfahrungen in Visual Effects und war auch in MONSTERS für diese verantwortlich. Es ist faszinierend und fantastisch, mit welch vergleichbar überschaubaren Mitteln man mittlerweile solche Effekte kreieren kann. MONSTERS kann für andere Filmemacher nur Ansporn und Inspiration sein. Für das interessierte Publikum ist es ein gelungener Mix aus Science-Fiction, Abenteuer und Liebesgesichte mit gesellschaftskritischem Unterton.

Fazit:

Ein toller Film mit vielen Parallelen zur Wirklichkeit, trotz geringem Budget ein beeindruckendes Resultat und eindrucksvolles Erlebnis. Ein weiteres Indiz für die Vermutung, dass die Science-Fiction zurzeit eine Renaissance erlebt.

MONSTERS
UK 2010
Regie: Gareth Edwards
Drehbuch: Gareth Edwards
Kamera: Gareth Edwards
Schnitt: Colin Goudie
94 min.

8/10

Kommentare
  1. Flo Lieb sagt:

    Der Film war nur so „günstig“, weil die Beteiligten alle kaum Geld erhielten, Edwards den Film in seinem Schlafzimmer mit Effekten bestückte. Das macht ihn nicht weniger beeindruckend, relativiert das Ganze jedoch ein wenig (hätten die Darsteller und Crew in THE AMERICAN für lau gearbeitet, wäre der auch „Indie“ geworden).

    Mir stieß die klischeehafte Aufziehung der Romanze (lässt man Mann und Frau lang genug allein, verlieben sie sich ineinander) etwas sauer auf, ansonsten aber ein nettes Filmchen.

    • indy sagt:

      Wieso relativiert dies das Ganze? THE AMERICAN ist in der Hinsicht nicht mit MONSTERS zu vergleichen. Hier wurden richtige Setups aufgebaut, die ein gewisses Ausmaß an Crew und Technik voraussetzen. Einstellungen wie in THE AMERICAN lassen sich mit den Methoden, die bei MONSTERS verwendet wurden, nicht erreichen. Dazu fehlt dann einfach die Manpower und die Logistik. Die Stärke von MONSTERS ist, dass hier einfach ein Mann handheld die Kamera immer dann laufen ließ, wenn er was interessantes gefunden hatte. So ne Art Drive-by-Shooting. Ein Tonmann angelte dabei, und zwei Produktionsleute halfen mit der Logistik im Hintergrund. Das sind eigentlich Bedingungen, mit denen man Kurzfilme dreht (selbst dort wird meist höherer Aufwand betrieben) und die sich ein Regisseur mit größerem Cast und Crew nicht wünschen kann.

      THE AMERICAN ist ein durchkonzipierter, Shot für Shot nach Storyboard umgesetzter Film, der entsprechenden Aufwand voraussetzte. Hätte hier die Crew für lau gearbeitet, so hätte man die Kosten natürlich senken können – aber das macht natürlich kaum jemand, wozu auch?

      Dass Edwards die VFX danach fast im Alleingang erstellt hat, drosselte die Kosten natürlich auch massiv. All das stellt aber, so meine ich, nicht in Frage, dass MONSTERS ein günstiger, aber gelungener, Low-Budget-Film ist.

  2. Ein sehr gutes Review. Ich habe mir den Film vor ein paar Tagen gekauft, besaß jedoch noch nicht die Motivation ihn anzusehen, was sich nun geändert hat. Ein schöner Blog.

    Grüße
    Leon

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