THE NEXT THREE DAYS

Veröffentlicht: 16. Juni 2011 in reviews
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Plötzlich stürmt die Polizei die morgendliche Familienidylle, nimmt die Frau mit und lässt Vater und Sohn verstört und erschrocken zurück. Anklage: Mord. Lara Brennan (Elizabeth Banks) wird zu einer langen Haftstrafe verurteilt und alle Versuche ihres Mannes John (Russell Crowe), das Urteil anzufechten und Lara wieder aus dem Gefängnis herauszuholen, schlagen fehl. John ist von der Unschuld seiner Frau überzeugt und droht zu verzweifeln. Nachdem die ersten Jahre der Haftstrafe vorbeigezogen sind und die Hoffnung zu schwinden droht, fasst er schließlich den Entschluss, Lara persönlich aus dem Gefängnis zu befreien…

Regisseur und Drehbuchautor Paul Haggis (L.A. CRASH) inszeniert die Geschichte des Familienvaters und Uniprofessors, der über sich hinauswächst, um seine Familie zu retten. Dabei profitiert er von guten schauspielerischen Leistungen, allen voran Russel Crowe (GLADIATOR, ROBIN HOOD), der in einigen emotionalen Momenten seine Qualitäten zeigen darf. THE NEXT THREE DAYS ist kein schlechter Film, und dennoch bleibt nach der Sichtung das unbefriedigte Gefühl zurück, einen Film gesehen zu haben, der sein Potential nicht ausschöpfen und lieber auf sicheren und bequemen Straßen fahren wollte. Leute können unter Druck aus sich herauswachsen und Leistungen erbringen, die man ihnen zuvor nicht zugetraut hätte. Ob aber der gemütliche und liebevolle Vater, der tagsüber vor Studenten doziert, so ohne weiteres zum raffinierten Mastermind, Autoknacker und Revolverhelden werden kann, bleibt fraglich. Dies ist vielleicht eine kleine Schwäche des Films, über die man hinwegsehen kann.

Kritischer verhält es sich mit dem ganzen Aufbau des Film, und wie Haggis mit dem Zuschauer kommuniziert bzw. diesen an der Nase herumführt. Wir wissen nie wirklich, ob Lara den Mord an ihrer Vorgesetzten begangen hat oder nicht. Am Ende wird dies aufgelöst. Das ist der erste Kritikpunkt. Warum müssen wir unbedingt erfahren, ob sie den Mord begangen hat oder nicht? Muss das Gewissen des Zuschauers beruhigt werden, indem er erfährt, dass eine Unschuldige zu Unrecht verurteilt wurde und daher „zurecht“ ausbricht, oder dass eine Schuldige zurecht hinter Gittern gebracht wurde und zu Unrecht wieder herausgeholt wird? John Brennan entscheidet sich schließlich dafür, sie aus dem Gefängnis zu holen. Für ihn ist ihre Unschuld eindeutig. Spätestens an diesem Punkt sollte es irrelevant werden für die Charaktere John und Lara, und auch für den Zuschauer – aber diesem muss natürlich alles aufgetischt werden.

Der zweite massive Kritikpunkt ist die Irreführung durch Flashbacks auf die Tat. Da es im Moment des Mordes keine Zeugen gab, wird uns mittels Flashback suggeriert, dass wir die Perspektive Laras oder des Opfers einnehmen, oder aber aus einer neutralen voyeuristischen Perspektive beobachten. Kann diese sich dann täuschen? Streng genommen wird der Zuschauer hier beschissen, denn es ist eine Sache, ein Ereignis aus verschieden wahrgenommenen Perspektiven mehrerer Personen unterschiedlich nachzuerzählen, aber eine andere, eine Situation zu zeigen, die nie beobachtet wurde und dabei das Gezeigte zu variieren. Dies ist nur ein billiger Trick, mit welchem der Zuschauer bis zum Ende im Dunkeln gelassen werden soll, und wie oben erwähnt hat die Geschichte das nicht nötig.
So muss sich THE NEXT THREE DAYS letztlich den Vorwurf gefallen lassen, nur simple und schon x Mal gesehene Kost zu sein. Der Film hat gute Momente, gute Schauspieler, ist auch technisch einwandfrei umgesetzt, aber letztlich ist er einfach nur ok und kann schnell abgehakt werden. Man hätte auf einige Actionszenen verzichten können. Schade, wenn man auch bedenkt, dass Paul Haggis u. a. das Drehbuch zu MILLION DOLLAR BABY geschrieben hat.

Fazit

Spannendes Drama mit Thriller Elementen, guten schauspielerischen Leistungen, jedoch insgesamt ein sehr gewöhnlicher Film, der lieber auf der Mainstream-Ebene verweilt, anstatt sein volles Potential abzurufen. Übrigens ist THE NEXT THREE DAYS das Remake des französischen Films POUR ELLE (2008, Fred Cavayé), welchen ich aber noch nicht gesehen habe.

THE NEXT THREE DAYS
USA 2010
Regie: Paul Haggis
Drehbuch: Paul Haggis
Kamera: Stéphane Fontaine
Schnitt: Jo Francis
122 min.

7/10

Kommentare
  1. Flo Lieb sagt:

    Diese Remake-Welle europäischer Filme verstehe wer will…

    • indy sagt:

      Ab und zu gibts mal gute Versionen, aber grundsätzlich stimme ich dir zu. Irgendwo gibts doch bestimmt eine nette Infographic zu Remakes und Orginalen…

  2. k1von3 sagt:

    Der Film war gut – und ehrlich gesagt so unerwartet.

    War nur leider ein Film in einer Reihe von Filmen mit Zeitangaben als Titel – somit rein objektiv nichts besonderes/neues.

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