IP MAN 2

Veröffentlicht: 8. August 2011 in reviews
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In der Fortsetzung zu IP MAN erleben wir das Leben des Großmeisters nach seiner Flucht in Hongkong. Es ist das Jahr 1950 und Ip Man eröffnet eine Wing Chun Schule, um das immer knapper werdende Geld für den Familienunterhalt zu verdienen. Nach anfänglicher Durststrecke bildet sich ein Kern von loyalen Schülern, die auf einem Dach von ihm unterrichtet werden. Allerdings muss Ip Man sehr bald erkennen, dass in Hongkong andere Strukturen und Gesetze herrschen als in Fo Shan. Bald hat er es mit den anderen Sifus zu tun und muss sich seine Lizenz, unterrichten zu dürfen, erst verdienen. Ip Man weiß die anderen Meister zu beeindrucken, allerdings weigert er sich vehement, das Schutzgeld zu bezahlen, welches in den Händen der Briten landet. Damit sind Auseinandersetzungen zwischen den Sifus vorprogrammiert, die allerdings überschattet werden von dem Konflikt mit der britischen Kolonialmacht. Sind es anfänglich nur Streitereien zwischen Chinesen, so stehen sie schließlich geeint den ignoranten Briten gegenüber, allen voran natürlich Ip Man.

Auch IP MAN 2 weiß als Eastern vollends zu überzeugen. Die Kampfchoreografien sind aufwendig und spektakulär. Ein absolutes Highlight ist das Tischduell zwischen Donnie Yen und Sammo Hung. Letzterer war wie im ersten Teil für die Action-Regie zuständig und übernimmt in der Fortsetzung die Rolle des Sifus Hong Zhen Nan. Hung selbst ist in Hongkong eine Legende und hat in zahlreichen Actionstreifen, oft an der Seite von Jackie Chan, seine Akrobatik unter Beweis gestellt. Die Dreharbeiten müssen besonders für ihn heftige Strapazen gewesen sein. Kurz vor dem Dreh musste er eine Herzoperation über sich ergehen lassen, und dennoch spielte er wie gewohnt alle Szenen und Stunts selbst. Dies ist das insgesamt zweite Duell zwischen Yen und Hung. Das erste trugen die beiden auf ebenfalls spektakuläre Weise in KILL ZONE aus (Regie ebenso Wilson Yip).

Aus Action-Sicht kann man IP MAN 2 keine Vorwürfe machen – die Erwartungen werden größtenteils erfüllt. Dennoch kommt die Fortsetzung nicht an den ersten Teil heran. Zu konfus und redundant läuft die Handlung ab. Eine wirkliche Handlung ist nur mit viel gutem Willen erkenntlich – eigentlich springen wir nur von einer Prügelei zur nächsten. Konfus ist IP MAN 2 auch wegen seiner zahlreichen Charaktere, die meist völlig überflüssig sind. So kommen beispielsweise aus dem ersten Teil Jin Shan Zhao und Zhou Qing Quan vor. Ersterer (gespielt vom sympathischen Siu-Wong Fan) war in IP MAN noch Gesetzloser und Gegner Ip Mans, nun lebt auch er in Hongkong und wird zu einem treuen Freund, obwohl er keine wirkliche Funktion hat. Ebenso hat Simon Yams (ELECTION, EXILED) Rolle keine wirkliche Bedeutung für die Handlung von IP MAN 2, er ist einfach dabei und spielt den ehemaligen Freund, der bei der Flucht geholfen hatte, nun aber aufgrund eines japanischen Kopfschusses (welchen man kurz zu Beginn der Geschichte sieht) geistig zurückgeworfen wurde und sein Leben als Obdachloser in den Straßen Hongkongs fristet. Absoluter Tiefpunkt des Films sind die Rollen und darstellerischen Leistungen der Briten. Mittlerweile hat das ja fast schon Tradition, man kennt das aus so gut wie jedem asiatischen Film, in welchem Ausländer vorkommen und daher erwartet man auch keine Überleistungen mehr – aber es ist immer wieder überraschend, dass diese Performances stets noch unterboten werden können. Darren Shalavis „Twister“, der amtierende Boxchampion, gegen welchen Ip Man zum Schluss natürlich kämpfen wird, ist unfassbar schlecht gespielt – wenigstens wird er angemessen vermöbelt. Im Gegensatz zum ersten Teil, in welchem die Japaner zwar ähnlich eindimensional, aber zumindest von besseren Schauspielern verkörpert, dargestellt wurden, strapazieren die britischen Darsteller in IP MAN 2 schon sehr die Geduld des Zuschauers.

Auch die Fortsetzung dichtet die Legende Ip Mans weiter. Nur sehr rudimentär wird an der wahren Geschichte festgehalten und etwa nicht erwähnt, dass Ip Man stark opiumsüchtig war und seine Schule eröffnete, um seine Sucht weiter finanzieren zu können. Außerdem war er (wie in Fo Shan) auch als Polizist tätig. Doch IP MAN 2 soll keine authentische Biographie sein, sondern ein actionreicher Eastern auf hohem Niveau. Während der erste Teil auch als Spielfilm selbst ohne Kampfszenen funktionierte, beschränkt sich die Fortsetzung im Prinzip auf den Kampf – dies aber wie gesagt auf beeindruckende Weise. Ein kleines Highlight gibt es dann zum Schluss noch in Form eines Miniauftrittes von Bruce Lee, der später von Ip Man unterrichtet wurde – der Rest ist Legende.

Fazit

Guter Eastern mit Schwächen in der Handlung, die nur von Kampf zu Kampf führt. Beeindruckende Choreografien und chinesische Darsteller, grausige englische Schauspieler. IP MAN 2 ist längst nicht so gut wie der Vorgänger, aber für Martial Arts Fans immer noch gute Unterhaltung. Auf der Blu-Ray sind übrigens interessante und ausführliche Dokus zum Thema Wing Chun vorhanden. Festzuhalten bleibt, dass sich Donnie Yen mit den Ip Man Filmen entgültig als ernstzunehmender Martial Arts Star bewiesen hat und vielleicht zurzeit der größte ist. Allerdings ist für ihn mit diesem Teil die Geschichte um Ip Man beendet, er will keine weiteren Fortsetzungen mehr drehen.

IP MAN 2 [葉問2:宗師傳奇]
HK 2010
Regie: Wilson Yip Wai-Shun
Drehbuch: Edmond Wong
Kamera: Hang-Sang Poon
Schnitt: Ka-Fai Cheung
108 min.

7/10

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