Ip Man (1893–1972, oft auch Yip Man geschrieben) war Großmeister des Wing Chun und im Westen vor allem dafür bekannt, den größten Martial Arts Star aller Zeiten, Bruce Lee, in dessen Hongkong Zeiten unterrichtet zu haben. Regisseur Wilson Yip drehte mit IP MAN die Verfilmung seines Lebens, wobei sich das Drehbuch nur lose an den Eckdaten in der Biographie Ip Mans hält und ansonsten die Ereignisse dramatisiert oder dazu dichtet. Ip Man lebt in der Provinz Fo Shan als wohlhabender und geschätzter Mann mit Frau und Kind. Jeder weiß, dass er ein Meister seiner Kampfkunst ist, jedoch hat er nicht wie zahlreiche andere Lehrer (Sifus) eine eigene offizielle Kampfschule, sondern unterrichtet nebenbei auf seinem Grundstück ausgewählte Schüler. Das bis auf gelegentliche, in der Regel auf strenge Etikette achtende Auseinandersetzungen, friedliche Leben in Fo Shan wird mit der Invasion des japanischen Kaiserreichs jäh beendet. Die Bevölkerung verarmt und ist den Besatzern hilflos ausgeliefert. Der stolze Ip Man sieht sich gezwungen, in einer Kohlengrube zu arbeiten, um seine Familie weiterhin ernähren zu können. Unter den japanischen Streitkräften ist auch General Miura (Hiroyuki Ikeuchi), der zur Unterhaltung Kämpfe zwischen Chinesen und Japanern austragen lässt. Gewinnt ein Chinese, bekommt er einen Sack Reis. Es dauert nicht lange, bis Miura auf Ip Man aufmerksam wird, der mit seinen Widersachern leichtes Spiel hat. Miura fühlt sich in seinem Stolz provoziert und verlangt das finale Duell.

Mit Actionstar Donnie Yen in der Hauptrolle konnte nichts falsch gemacht werden. Vor einiger Zeit habe ich in meiner Review zu ONG-BAK kurz darüber geschrieben, dass er zu meinen momentanen Favoriten des Easterns gehört. Während er in FLASHPOINT mit erfrischenden Hebel-, Wurf- und Grapplingtechniken überraschte, überzeugt und begeistert Yen auch in IP MAN mit seinen Bewegungen, seiner Dynamik und Schnelligkeit. Seine Wing Chun Technik ist beeindruckend. Auch in den Nicht-Kampfszenen spielt er eine sympathische Heldenfigur, die von fast allen in Fo Shan bewundert und verehrt wird. Der Humor kommt gerade in den ersten Szenen vor der Invasion auch nicht zu kurz. Die Kampfchoreographie stammt von Kultfigur Sammo Hung, bekannt aus zahlreichen Jackie Chan Filmen und selbst beeindruckender Wushu Kämpfer (in der Fortsetzung spielt er auch eine Rolle), und ist stets spannend und einfallsreich. Die Kämpfe sind schnell, spektakulär, und auch wenn die Darsteller in manchen Einstellungen an Seilen hängen und beinahe wie in den klassischen Kung Fu Filmen durch die Luft wirbeln, wird in IP MAN selten die realistische Gesamtwirkung verlassen.

Ein großes Thema neben der Person Ip Mans selbst ist natürlich der Krieg gegen Japan und das Leben der Chinesen mit der Besatzungsmacht. Hier wird kräftige Schwarz-Weiss Malerei betrieben, und die Japaner sind fast ausschließlich abgrundtief böse. Lediglich Miura folgt so etwas wie einem Kämpferkodex und respektiert Ip Man. Letztlich ist IP MAN die Glorifizierung einer bekannten und beliebten Person der chinesischen Kampfkunst. Ip Man wird zur Identifikationsfigur des Widerstands gegen Japan. Er weigert sich, die japanischen Streitkräfte zu unterrichten (dies entspricht wohl der wahren Geschichte); er kämpft gegen die Japaner, um die Würde der Chinesen wieder herzustellen, jedoch hat es in Wahrheit nie Duelle gegen japanische Karateka gegeben, erst Recht keinen Kampf gegen General Miura. Auch musste Ip Man nie Kohle schleppen, um während der Besatzung zu überleben. Man darf also IP MAN nicht als Biographie mit Anspruch auf Authentizität werten, sondern stattdessen als Eastern, welcher eine historisch bekannte Figur in ein dramatisches und actiongeladenes Setting zum patriotischen Helden macht. Dabei geht IP MAN jedoch über die recht simplen Rahmenbedingungen eines normalen Easterns hinaus und dient somit auch als funktionierendes und spannendes historisches Drama, welches sich um das Leben eines Kämpfers und seiner Kunst dreht und ein chinesisches Trauma auf seine Art thematisiert.

Fazit

Insgesamt überzeugt IP MAN. Tolle Schauspieler, super Choreographie (nicht nur die Kämpfer, sondern auch Kamera und Schnitt), spannende Handlung. Da verzeiht man gerne auch die etwas eindimensionale Darstellung der Japaner und die historischen Freiheiten, der sich ja auch andere Verfilmungen historischer Ereignisse gerne hier und da bedienen. Super Martial Arts Unterhaltung und ein Highlight in der Welt des Easterns.

IP MAN [葉問]
HK 2008
Regie: Wilson Yip Wai-Shun
Drehbuch: Edmond Wong
Kamera: Sing-Pui O
Schnitt: Ka-Fai Cheung
106 min.

8/10

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