HAK SE WUI (ELECTION)

Veröffentlicht: 12. August 2011 in reviews
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In Hongkongs Unterwelt herrschen die Triaden, eine riesige Organisation bestehend aus mehreren „Familien“. Alle zwei Jahre muss ein neuer Anführer gewählt werden, und es bricht ein Machtkampf aus zwischen Lam Lok (Simon Yam) und Big D (Tony Leung Ka Fai), der durch Intrigen, Hinterhalte, Verfolgungsjagden und viel Blut ausgefochten wird. Lam Lok wurde zwar von den Oberhäuptern gewählt, doch Konkurrent Big D erkennt die Wahl nicht an und es droht ein umfassender Bandenkrieg. Hinzu kommt noch, dass der rechtmäßig gewählte Anführer den traditionellen Kommandostab, ein altes Zepter, in den Händen halten muss, sobald er das Amt antritt. So sind die Parteien neben dem Kampf gegeneinander auch noch alle auf der Jagd nach dem rituellen Stab.

Johnnie Tos ELECTION ist Gangster-Film vom Feinsten. Ein großes Ensemble sorgt für viele Verflechtungen und gleichzeitig auch ziemliche Konfusion. Ich kann mich erinnern, dass ich bei der ersten Sichtung im ersten Akt noch ziemliche Probleme hatte, die einzelnen Charaktere und deren Zugehörigkeit genau auseinander zu halten. Hohe Aufmerksamkeit sollte also vorherrschen, wenn man im Netz dieser kriminellen Intrigen die Übersicht bewahren will. Trotz zweier nomineller Hauptdarsteller bleibt ELECTION ein Ensemblefilm mit zahlreichen interessanten und relevanten Charakteren. Man bekommt einen kleinen Einblick in die gigantischen Ausmaße der Triadenwelt und wie sie seit so langer Zeit existiert und selbst für die überforderte Polizei nicht mehr wegzudenken ist.

ELECTION zählt neben INFERNAL AFFAIRS zu meinen Lieblingsthrillern aus Hongkong. Nicht nur die Actionszenen, die nie übertrieben oder unrealistisch wirken, sondern auch die überwiegenden ruhigeren Dialogszenen sind spannend inszeniert und großartig kadriert. Die erste Einstellung von ELECTION ist ein Blick auf fallende Mahjong-Steine und leitet somit das folgende Spiel ein, in welchem wir gleich eine Triadenbesprechung miterleben. Die Kamera fährt von einem Schattenmann zum nächsten während ihrer Diskussion über den würdigeren Nachfolger. Unterbrochen wird das Ganze durch eine Polizeirazzia und die anschließende Verhaftung. Business as usual für alle Beteiligten, gegen die in der Regel nie genug in der Hand ist, um sie lange im Gefängnis festhalten zu können.

Johnnie To (EXILED) versteht es, seine Darsteller in spannenden Bildern festzuhalten. Die fantastische Kulisse Hongkongs trägt dazu bei, dass beinahe jede Einstellung etwas interessantes hat. Wie so oft im asiatischen Kino ist auch ELECTION wahrlich frischer Wind, sowohl für den Zuschauer aus dem Westen, als auch für die Filmwelt insgesamt. ELECTION hat auch keinen Tiefpunkt oder einschläfernde Momente, sondern überzeugt von der ersten bis zu den großartigen letzten Minuten. Die abschließende Szene kann inszenatorisch kaum übertroffen werden. In einer genialen Montage, die von den beteiligten Menschen auf Paviane springt, die als kreischende Zuschauer agieren, und die in dem Gesichtsausdruck eines kleinen Jungens ein letztes Mal veranschaulicht, warum sich eine Tradition wie die organisierte Kriminalität der Triaden so lange halten kann, beweist Johnnie To abschließend, was für einen, Entschuldigung, geilen Film er da gemacht hat.

Fazit

Fantastischer Crime-Thriller aus Hongkong und einer meiner Lieblingsfilme dieses Genres. Empfehlenswert für jeden, der an Filmen dieser Kategorie interessiert ist. Ein Highlight des asiatischen Kinos!

HAK SE WUI [黑社會] (ELECTION)
HK 2005
Regie: Johnnie To
Drehbuch: Yau Nai-Hoi, Yip Tin-Shing
Kamera: Cheng Siu-Keung
Schnitt: Patrick Tam
101 min.

10/10

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