MOU GAAN DOU II (INFERNAL AFFAIRS II)

Veröffentlicht: 15. August 2011 in reviews
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Es ist das Jahr 1991 in Hongkong, und zwei Undercover-Lebensläufe stehen in den Anfängen. Chan Wing Yan (Shawn Yue), dessen Familienzugehörigkeit ihm die weitere Ausbildung in der Polizeiakademie verwehrt, wird von Inspektor Wong (Anthony Wong) angeworben, als verdeckter Ermittler in eben der kriminellen Familie zu agieren, zu der er eigentlich gehört. Diese Familie wird nach der Ermordung des Oberhaupts nun von dessen Sohn Ngai Wing Hau (Francis Ng) wie ein großes Unternehmen in Banker-Manier geleitet.

Zur gleichen Zeit wird Lau Kin Ming (Edison Chen) bei der Polizei von Verbrecherchef Sam (Eric Tsang), bzw. dessen Frau, als Maulwurf eingeschleust. Sam ist nur ein kleiner Fisch unter den Triadenbossen Hongkongs, doch Inspektor Wong sieht in ihm zumindest die Menschlichkeit, die Ngai abgeht. Allerdings ordnet Sam sich noch Ngai unter, der seine Macht in der Stadt immer weiter ausdehnt.

All diese Ereignisse sind die Vorgeschichte, spielen damit vor den Ereignissen aus INFERNAL AFFAIRS und zeigen, wie die beiden Maulwürfe ihre Arbeit einst begonnen haben. Fortsetzungen sind immer ein Risiko, und besonders nach einem so fantastischen Film wie dem Thriller von 2002 habe ich lange Zeit gezögert, mir die Fortsetzung, die nur ein Jahr im Anschluss gedreht wurde, anzusehen. Zu groß war meine Befürchtung, nur enttäuscht werden zu können. Diese Angst war jedoch unbegründet, und um so größer ist die freudige Überraschung, da ich feststellen konnte, dass INFERNAL AFFAIRS II dem Vorgänger eindeutig alle Ehre macht. Der Plot ist spannungsgeladen bis zum Finale, das Versteckspiel der beiden Maulwürfe wird gut eingeführt und deren Paranoia, die besonders bei Chan, der im Verbrechermilieu agiert, später das Nervenkostüm überstrapaziert. Die beiden werden hier von den jüngeren Darstellern Shawn Yue und Edison Chen gespielt, welche auch in INFERNAL AFFAIRS im Intro kurz zu sehen waren. Beide kommen natürlich nicht an die Ausstrahlung von Andy Lau und Tony Leung heran, machen ihren Job aber gut. Der Fokus in zweiten Teil liegt jedoch auf Inspektor Wong und Boss Sam. Eine interessante Hintergrundgeschichte verbindet sie, und beide Darsteller dürfen in zahlreichen Szenen ihr Können unter Beweis stellen. Anthony Wong (EXILED) gelingt das Portrait des schuldgeplagten Polizisten, der mit der Triadenwelt einer Sisyphos-Arbeit gegenübersteht. Eric Tsang spielt seinen Sam als sympathischen und humorvollen Menschen, der so gar nicht für die Arbeit in der Unterwelt geeignet zu sein scheint – was er jedoch mit zunehmendem Handlungsverlauf widerlegen wird und im ersten Film bereits unterstrichen hat. Nicht zu verachten ist auch die glatte Vorstellung von Francis Ng (auch in EXILED zu sehen), dessen Ngai zwar am liebsten hinter dem Schreibtisch sitzen würde, sich aber auch nicht zu schade ist, in entscheidenden Momenten auf die Straße zu gehen, um seine Trümpfe auszuspielen.

Regieduo Andrew Lau und Alan Mak ist es gelungen, die Atmosphäre des ersten Films zu transponieren und mit INFERNAL AFFAIRS II keine Kopie herzustellen, sondern einen überaus gelungenen Film mit eigener und origineller Handlung, der das Gesamtbild bereichert. Viele Rezensenten vergleichen die INFERNAL AFFAIRS Filme mit Coppolas THE GODFATHER Trilogie, und selbstverständlich gibt es einige Parallelen. Beide Handlungen spielen im kriminellen Milieu, der zweite Teil beleuchtet die Vorgeschichte und legt auch großes Gewicht auf die Familiengeschichte. Außerdem gibt es auch in INFERNAL AFFAIRS II eine Montage, in welcher zeitgleich diverse Konkurrenten Ngais liquidiert werden. Dies erinnert natürlich an Michael Corleones Befehle, die während der Taufe seines Kindes ausgeführt werden. Allerdings bleibt es auch schon bei diesen Elementen und ich finde, der Vergleich zu den Filmen Coppolas wird überstrapaziert. Während die Pate-Trilogie ihren Fokus wirklich auf die Familie und die Entwicklung Michaels richtete, so sind die Filme Laus und Maks atmosphärisch eine ganz andere Kategorie. Hier liegt der Schwerpunkt in der Konfrontation zwischen der Polizei und den Triaden, repräsentiert im ersten Teil von den beiden Undercover-Agenten und im zweiten vor allem von Inspektor Wong und den Bossen Ngai/Sam.
INFERNAL AFFAIRS II ist rasant, spannend, weitet sich auf zahlreiche Locations aus und geizt in entscheidenden Momenten auch nicht mit Action. Das große Plus bleibt aber das Katz-und-Maus spiel, welches hier durch die Verwicklungen von Inspektor Wong und Sam noch einen interessanten Einblick bietet.

Fazit

Wem INFERNAL AFFAIRS gefallen hat, dem wird auch der zweite Teil gefallen. Er kommt vielleicht insgesamt nicht an den ersten Film heran und kann nicht mit so hohem Staraufgebot dienen, aber insgesamt ist auch in INFERNAL AFFAIRS II Spannung garantiert. Ein Crime-Thriller vom Feinsten und ein mehr als gelungenes Prequel, welches auch die Zeit Hongkongs vor und während der Übergabe durch die Briten thematisiert.

MOU GAAN DOU II [無間道II] (INFERNAL AFFAIRS II)
HK 2003
Regie: Andrew Lau Wai-keung, Alan Mak
Drehbuch: Alan Mak, Felix Chong
Kamera: Andrew Lau Wai-keung, Ng Man-ching
Schnitt: Pang Ching Hei, Danny Pang
119 min.

9/10

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Kommentare
  1. Dr. Borstel sagt:

    Der hat mir überraschenderweise besser gefallen als der erste Teil. Gut, das mag auch daran liegen, dass ich bei „Mou Gaan Dou“ stets den Vergleich mit „The Departed“ vor Augen hatte, den ich nach wie vor für besser halte. So oder so, starke Fortsetzung!

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