HAK SE WUI YI WO WAI KWAI (ELECTION 2)

Veröffentlicht: 16. August 2011 in reviews
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Da es sich bei dieser Review um eine Fortsetzung handelt, lassen sich gewisse Spoiler nicht vermeiden. Daher rate ich davon ab, diesen Artikel zu lesen, ehe man ELECTION gesehen hat.

Zwei Jahre sind vergangen seit der letzten Wahl des Triadenanführers. Lam Lok (Simon Yam) wurde damals gewählt und möchte nun am liebsten wiedergewählt werden und die Macht behalten. Dies scheint sich als schwierig zu erweisen, denn der junge Jimmy Lee (Louis Koo) hat zahlreiche Unterstützer und steht, sobald er sich für die Kandidatur entscheidet, als neuer Boss quasi fest. Ironischerweise will Lee gar nicht so viel mit den Triaden zu tun haben. Er ist Geschäftsmann, vertreibt Raubkopien und Pornofilme. Dadurch hat er ein riesiges Netzwerk auch im Ausland, auf das er zugreifen kann, und ein großes Vermögen angehäuft. Den Kontakt zu den Triaden nutzte er lediglich, um sein Geschäft voran zu bringen und finanziell zu profitieren. So lassen sich schnell Bestechungsgelder zahlen und Genehmigungen einholen. Nachdem ihm Verluste drohen, weil die Behörden auf dem chinesischen Festland ihm dort die „Arbeitserlaubnis“ entziehen, entschließt er sich, zu kandidieren. Denn das hat er mit den Chinesen ausgemacht: sollte er Anführer der Triaden werden, darf er seine Geschäfte weiterführen. Damit jedoch beginnt er den Machtkampf mit Lam Lok.

Während in ELECTION, dem ersten Teil von Johnnie Tos Triaden-Epos, das Erlangen der Macht überwiegend durch Ränkespiele und Intrigen geschildert wurde, bricht in ELECTION 2 die blanke Gewalt aus, und die Rivalen spielen mit fast offenem Visier. Lam Lok, der bereits in der Schlussszene des ersten Films Big D beim Angeln mit einem Stein erschlägt, da dieser eine Machtteilung vorgeschlagen hatte, hat keine Scheu, seine Widersacher töten zu lassen und auch weiter selbst Hand anzulegen. Es wiederholt sich sogar eine ähnliche Angelszene, die ihn veranlasst, deswegen aufzulachen. Interessant ist dabei zu sehen, wie ihm parallel mit der Macht auch sein eigener Sohn entgleitet. Er hat Probleme in der Schule, Schwierigkeiten mit Jugendbanden und ist offensichtlich weiterhin traumatisiert von den erschreckenden Szenen, die sich stets in seinem Leben und um seinen Vater spielen. Es ist ein merkwürdiger Moment, wenn Lam Lok sich in der Schule von den Lehrerinnen belehren lässt und artig zuhört wie ein besorgter Familienvater, um kurz darauf wieder seinem beruflichen Alltag nachzugehen. In einer tollen Einstellung entfernen sich Vater und Sohn immer mehr voneinander.

Die heftigste Entwicklung macht allerdings Jimmy Lee durch. Ist er zu Beginn des Films noch ehrgeiziger Unternehmer, der mit seiner Frau das künftige gemeinsame Haus auf einem Berg plant und nichts mit dem dreckigen Triadengeschäft zu tun haben will, so verwandelt er sich buchstäblich zum Monster, was in einer grausigen Folterszene dem Zuschauer schonungslos vor Augen geführt wird.
Angesichts dieser Handlung und dem Ausmaß an Gewalt ist es Regisseur Johnnie To (EXILED, PTU) hoch anzurechnen, diese dennoch auf kluge und suggestive, nicht exploitative Weise inszeniert zu haben. ELECTION 2 wird somit keine coole Gangster-Oper, die uns rein unterhält. Tatsächlich kann sich der Zuschauer mit keiner Figur wirklich identifizieren. Beide Hauptcharaktere sind kaltblütige Monster, die das mitunter bestialische Töten von Menschen billigend in Kauf nehmen, nur um letztlich im Falle Lam Loks die Macht zu wahren und im Falle Jimmy Lees die Geschäfte fortsetzen zu können. Johnnie To bleibt beobachtend und wertet nicht, dies geschieht dann im Kopf des Zuschauers. Jedoch schafft er es, diesen Sumpf der Brutalität auf spannende und dichte Weise zu erzählen mit seinem gewohnt visionären Blick für die richtige Einstellung.
So funktioniert ELECTION 2 nicht nur als Film, sondern rüttelt den Zuschauer auch noch zusätzlich, indem er ihm zeigt, dass Ereignisse des ersten Teils im Zweifelsfall auch mit Mitteln des zweiten Teils erfolgen. Das Triadenleben ist kein Ponyhof, sondern eine Welt, in der niemand von uns wirklich leben möchte – stattdessen sieht mal lieber gute Filme darüber!

Fazit

ELECTION 2 ist eine packende, brutale Fortsetzung des fantastischen Vorgängers mit verabscheuungswürdigen und doch faszinierenden Charakteren. Viele Schauspieler aus dem ersten Ensemble sind auch in diesem Teil vertreten und machen ELECTION 2 zu einem Highlight. Kein Film für schwache Nerven, aber allemal empfehlenswert.

HAK SE WUI YI WO WAI KWAI [黑社會:以和爲貴] (ELECTION 2)
HK 2006
Regie: Johnnie To
Drehbuch: Yau Nai-Hoi, Yip Tin-Shing
Kamera: Cheng Siu-Keung
Schnitt: Cheung Ka-Kit, Law Wing-Cheung
92 min.

9/10

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