„Space Battleship Yamato“ (Uchû Senkan Yamato) war ursprünglich eine SF-Animeserie aus den Siebzigern (auch bekannt als „Star Blazers“). Der ersten Staffel mit 26 Episoden folgten weitere zwei Staffeln, OVAs und Filme. Thematisiert wird der futuristische Krieg der Menschheit gegen die feindseligen außerirdischen Gamilon, welche die Erde plätten wollen und sie dabei radioaktiv verseuchen.
Der im Dezember 2010 in Japan erschienene Live-Action Spielfilm SPACE BATTLESHIP YAMATO stellt die alternative Version der ursprünglichen Staffel dar. Die Menschheit haust in unterirdischen Bunkeranlagen, um sich vor der radioaktiven, von Meteoritenbomben verwüsteten Oberfläche zu schützen, und es schaut düster aus für die Zukunft unserer Spezies. Da schlägt plötzlich eine Art Sonde auf der toxischen Oberfläche auf, die offensichtlich von einer außerirdischen Rasse stammt. Die Iscandarier, selbst Erzfeinde der Gamilon, besitzen scheinbar die Technologie, die vergiftete Erde wieder bewohnbar zu machen. Also macht sich das letzte Schlachtschiff der Menschheit, die Yamato, auf die gefährliche Reise nach Iscandar. Dabei steht die übermächtige Flotte der Gamilon im Weg…

Uchû Senkan Yamato - OriginalserieDie anfangs erwähnte klassische Animeserie war mir bisher nicht bekannt, so konnte ich nach einer ersten kurzen Recherche zum Hintergrund des Spielfilms mit frischem Geist an die Sichtung herangehen. SPACE BATTLESHIP YAMATO beginnt gleich mit einem Paukenschlag. Wir befinden uns mitten in einer Raumschlacht zwischen Menschen und Gamilon. Die Yamato (benannt nach einem japanischen Schlachtschiff aus dem zweiten Weltkrieg) kann sich aus der aussichtslosen Situation nur dadurch retten, dass ein anderes Schiff sich für sie opfert. An Bord jenes Schiffes ist der Bruder von Hauptprotagonist Susumu Kodai (Takuya Kimura), der nach dem Tod seines Bruders die Streitkräfte verbittert verlässt und sein Dasein als Schrottsammler auf und unter der Erdoberfläche fristet. Ausgerechnet dieser Kodai findet nun das Objekt der Iscandarier und scheint von sämtlicher radioaktiven Strahlung gereinigt zu sein. Als die Armee daraufhin beschließt, die Yamato auf die Reise nach Iscandar zu schicken, um als letzten Ausweg vor dem Untergang der Menschheit die lebensrettende Technologie zu erlangen, werden Freiwillige gesucht – Kodai meldet sich und bekommt sogleich eine leitende Funktion auf der Brücke. Sein anfänglicher Hass auf den alten und stoischen Kapitän Okita (Tsutomu Yamazaki), den er für den Tod seines Bruders verantwortlich macht, weicht mit der Zeit einem gewissen Respekt. Susumu Kodai eckt einerseits mit seiner individualistischen und idealistischen Natur an, nimmt aber auch zunehmend Verantwortung für die Crew, das Schiff und die Mission auf. Es beginnt eine lange Reise nach Iscandar, auf der jede Menge Gamilon Schiffe auf die Yamato warten.

SPACE BATTLESHIP YAMATO war ein Riesenerfolg in Japan und übertraf zu dem Zeitpunkt auch den damals laufenden Harry Potter an den Kinokassen. Mit großem Budget und Aufwand gedreht, ist für jeden ab der ersten Minute erkennbar, dass es sich bei dem Spektakel eindeutig um geradlinige Mainstream Unterhaltung handelt. Der Film sollte viele Besucher ins Kino ziehen und dort mit Action und Effekten begeistern. Regisseur Takashi Yamazaki bedient sich dabei der Rezeptur herkömmlicher Hollywood-Blockbuster. Charakterdarstellung und Handlung sind sekundär. Was zählt, ist Entertainment. Und wenn man bedenkt, was für eine Popularität die Animeserie in Japan genießt (die sich in Deutschland vielleicht mit dem Stellenwert von Star Trek vergleichen lässt), so kann man den Erfolg an den Kassen auch aufgrund des Fanfaktors gut nachvollziehen. Hinzu kommen die Kassenmagnete Takuya Kimura, auch berühmt durch die Boy-Band SMAP, sowie Meisa Kuroki, welche die Pilotin Yuki Mori spielt. Mehreren bekannt sein dürfte auch Hiroyuki Ikeuchi, der für Takashi Miike in BLUES HARP Mundharmonika spielen durfte und sich in IP MAN als Endgegner Donnie Yens den Hintern versohlen ließ.

Die zahlreichen Anspielungen auf bekannte Action- und Science-Fiction Muster lassen den Zuschauer häufig schmunzeln, gerade Star Trek Fans dürfen sich immer wieder mal freuen. Ein wenig erstaunt war ich schon, dass Yamazaki sich so stark an westlichem Kino orientierte. In zahlreichen Momenten hat man als Zuschauer déjà vu-Erlebnisse, und an vielen Stellen wird doch mit Pathos und Klischee etwas übertrieben. Andererseits sollte man, ehe man den Film deswegen verurteilt, nochmals in einen klassischen Bay oder Emmerich Film reinschauen. SPACE BATTLESHIP YAMATO scheint viele Anspielungen auf die klassische Serie zu machen, was ich als Outsider natürlich nicht beurteilen kann. Die visuellen Effekte sind aufwendig und solide, haben jedoch meist eine gewisse Videospiel-Optik. Hintergründe wurden größtenteils durch den Einsatz von Green Screen kreiert. Insgesamt hat mich am meisten gestört, dass die Geschichte schlicht langweilig ist. Die Yamato macht eine lange Reise, auf der ein Gefecht mit den Gamilon nach dem anderen kommt, und irgendwie passiert nicht wirklich was neues. Ohne die zweite Hälfte des Films und das Ende zu verraten kann ich zumindest sagen, dass es nicht viel besser wird. Durch die sehr herkömmlichen und oft vorhersehbaren Aktionen der Figuren entsteht für den Zuschauer (der kein Insider ist) keine wirkliche Verbindung zu ihnen. Irgendwie steht die Menschheit auf dem Spiel, aber trotz seriöser Minen und pompöser Musik will der Ernst der Lage nicht so recht auf mich überspringen. Stattdessen lasse ich mich ca. 130 Minuten lang von Raumgefechten, der gigantischen Wavegun und Warpsprüngen berieseln und würde jedes Mal am liebsten zum Gamepad greifen und mitmachen. Ein persönliches Highlight hatte ich aber: man beachte nach jeder gewonnenen Schlacht oder bewältigten kritischen Situation die Jubelarien auf der Brücke! Mein persönlicher Favorit ist meist unten rechts im Bild zu sehen: er hat eine Brille auf und jubelt jedes Mal, als hätte er eine weitere Runde bei „Schlag den Raab“ gewonnen – herrlich!
SPACE BATTLESHIP YAMATO ist für unseren Markt natürlich sehr spezielle Kost und hat einen recht hohen Geek-Faktor. Dennoch rechne ich den Filmemachern hoch an, dass sie ihre Ressourcen zumindest in einen großen Science-Fiction Film gesteckt haben, den man aus Japan nicht so oft zu sehen bekommt. Ich schaue mir lieber zahlreiche explodierende Gamilon Schiffe an als zum x-ten Mal die Zerstörung einer amerikanischen Großstadt. SPACE BATTLESHIP YAMATO ist straighte Militrary-SF und Space Opera, und eine wirre Mischung aus STARSHIP TROOPERS, STAR TREK und BATTLESTAR GALACTICA, die für Genre-Fans und hartgesottene SF-Liebhaber sicher eine Sichtung wert ist! Den Titelsong lieferte übrigens Aerosmith Sänger Steven Tyler.

Die Blu-Ray:

Splendid Film veröffentlicht SPACE BATTLESHIP YAMATO sowohl auf DVD als auch auf Blu-Ray, als „Special Edition“ und als „Limited Special Edition“. Für diese Sichtung wurde die  „Special Edition“ auf Blu-Ray gewählt, die ein knackiges, einwandfreies 1080i-Bild im 2,35:1 Format bietet sowie die japanische Original-Tonspur (mit einblendbaren deutschen oder niederländischen Untertiteln) und die deutsche Synchronisation. Beide Audiospuren sind in DTS-HD 5.1 codiert. Wie immer habe ich mir die Originalfassung angesehen (was ich auch immer wieder nur weiter empfehlen kann) und kann somit über den deutschen Ton keine Aussage machen. Der Originalton bietet eine solide Kulisse, die Dialoge sind im Vergleich zu Musik und Sound relativ leise, so dass der Film zu einem recht lauten Vergnügen werden kann (was bei diesem Titel wohl genau das richtige sein dürfte). Als Specials wurden neben Trailern und Teasern eine Präsentation der visuellen Effekte beigefügt, bei welcher der interessierte Zuschauer den Aufbau der einzelnen Effektebenen beobachten kann; außerdem eine ausführliche Previz-Demonstration im Splitscreen (links Previz, rechts Endprodukt); eine Bildergalerie und 360° Ansichten der Schiffsmodelle sowie ein paar sehr kuriose Clips, auf denen die Yamato wie in Sight-Seeing-Manier über japanische Großstädte und Landschaften fliegt…

Fazit:

SPACE BATTLESHIP YAMATO ist wie gesagt etwas für Hardcore Fans und SF-Junkies. Der Film bietet eine gewisse Unterhaltung und könnte für einen lockeren Filmabend in gemeinsamer Runde sehr geeignet sein. Wären Story und Charaktere noch etwas ausgereifter, hätte einiges mehr daraus werden können. So ist die Geschichte trotz ständiger Action doch etwas langatmig und monoton. Wenn man weiß, worauf man sich einlässt, macht SPACE BATTLESHIP YAMATO als Sternenkrieg-Spektakel Spaß. Wohlgemerkt schreibe ich hier als Nicht-Kenner der Originalserie, und ich kann mir vorstellen, dass der Spielfilm für die Augen eines Fans eine andere Wirkung hat.

SPACE BATTLESHIP YAMATO
JAP 2010
Regie: Takashi Yamazaki
Drehbuch: Shimako Sato
Kamera: Kôzô Shibasaki
Schnitt: Ryuji Miyajima
134 min.

5/10

Kommentare
  1. chris sagt:

    die effekte (raumschiffe etc.) haben bei mir die hoffnung auf einen halbwegs ambitionierten sci-fi-film geweckt, die trashigen charaktere und die 2d-story haben mir allerdings wieder bestätigt, dass es einfach schwer ist die ästetik eines animes in form eines realfilmes einzufangen (siehe death note – eine katastrophe)

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