INNOCENCE (GHOST IN THE SHELL 2: INNOCENCE)

Veröffentlicht: 12. Oktober 2011 in anime, reviews
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Diese Review enthält Spoiler bzgl. des ersten Teils GHOST IN THE SHELL.

Drei Jahre nach dem Verschwinden von Major Kusanagi arbeitet Batou immer noch bei „Sektion 9“, mittlerweile mit Togusa als Partner. Er vermisst seine frühere Partnerin und lässt das Togusa permanent spüren. Beide arbeiten an einem kuriosen Fall, bei welchem so genannte „Gynoids“, weilbliche Roboter, die als Sexspielzeug benutzt werden, acht Menschen ermordet haben, um sich kurz darauf selbst zu zerstören. Batou und Togusa ermitteln beim Cyborg-Hersteller Locus Solus, und stellen bald fest, dass der Fall große Dimensionen annimmt und bis ins Yakuza Milieu reicht.

In der Originalversion heisst die Fortsetzung des Meisterwerks GHOST IN THE SHELL lediglich INNOCENCE, da Regisseur Mamoru Oshii (AVALON) mit Nachdruck darauf hinweisen wollte, hier einen eigenständigen Film erstellt zu haben. Lediglich für den internationalen Vertrieb wurde der Titel zu GHOST IN THE SHELL 2: INNOCENCE umgewandelt. Tatsächlich funktioniert INNOCENCE als autonomer Film. Charaktere und Geschichte führen zwar die Ereignisse des neun Jahre zuvor veröffentlichten Films weiter, allerdings muss man nicht notwendigerweise GHOST IN THE SHELL gesehen haben. INNOCENCE ist auch so schon kompliziert genug! Major Kusanagi hat beispielsweise nur noch eine marginale Teilhabe, auch wenn ihre Präsenz allgegenwärtig zu sein scheint, zumindest für Batou. In die Fußstapfen eines nahezu perfekten Films zu treten, ist immer eine undankbare Aufgabe. Ich kann mich erinnern, dass ich mir viel Zeit gelassen habe, ehe ich es wagte, INNOCENCE zu schauen.

Die Befürchtungen sind aber nur teilweise gerechtfertigt: INNOCENCE ist nicht so stark und bahnbrechend wie der Film von 1995, ist aber dennoch ein sehr guter Anime, der die Aufmerksamkeit des Zuschauers noch mehr fordert als der Vorgänger. Oshii zitiert durch seine Figuren zahlreiche Klassiker aus Literatur, Philosophie, Soziologie u.v.m., so dass man im Anschluss des Films ziemlich viel googlen muss, will man auf jede Aussage eine Erklärung erhalten. Besonders im späteren Verlauf des Films sind diese Referenzen beinahe grenzwertig. Die Atmosphäre von INNOCENCE ist ähnlich ruhig, düster und melancholisch wie in GHOST IN THE SHELL. Dabei fallen die Kulissen auch aufgrund des Riesenbudgets (INNOCENCE wurde von Studio Ghibli co-produziert) in ihrer Detailversessenheit und ihrem Ausmaß auf. In vielen Szenen wurde auf CGI Animation gesetzt, die allerdings nahtlos in den Gesamtfilm eingebettet sind und nicht negativ hervorstechen (wie in der Neufassung GHOST IN THE SHELL 2.0). Man bemerkt, dass die Zeit vergangen ist und der Film auf einem gänzlich anderen technischen Niveau realisiert werden konnte als der Vorgänger. Außerdem fällt auf, dass die Änderungen an GHOST IN THE SHELL 2.0, welches 2008 herauskam, optisch und farblich INNOCENCE ähneln. Wahrscheinlich sollte dadurch Einheitlichkeit der Filme erreicht werden.

INNOCENCE ist ein Film, der mit sehr gut gefallen hat, vor allem wegen der konstant tollen Atmosphäre, die aufgebaut wird. Gleichzeitig ist der Film komplex und nicht einfach zugänglich. Es fällt einem als Zuschauer teilweise schwer, den genauen Ablauf der Vorfälle im Nachhinein zu durchschauen. Dazu tragen auch extrem verwirrende Szenen bei, unter anderem eine fantastische Szene, bei welcher Togusa in einer Art mentalem Loop gefangen wird, und wir als Zuschauer seine Halluzinationen miterleben. Oshii mischt Genres, Stilrichtungen und persönliche Vorlieben zu einer kuriosen Suppe zusammen, die mit viel Liebe zum Detail brilliert und eine (un)mögliche Zukunft beschreibt. Die Actionszenen sind wohl dosiert und selten, dann aber großartig inszeniert. INNOCENCE ist jedoch kein Actionfilm, denn es überwiegen, wie schon im Vorgänger, die meditativen Momente. Wahrscheinlich macht das den Unterschied. Die akkustische Atmosphäre lieferte natürlich wieder Kenji Kawai, der mit einer Variation des berühmten „Making of a Cyborg“ Themas eine Brücke zu GHOST IN THE SHELL geschlagen hat.

Fazit

Ein wunderschöner, befremdend melancholischer und teilweise surrealer Trip, und eine gelungene Fortsetzung des Meisterwerks, die allerdings auch als autarke Geschichte funktioniert. INNOCENCE ist intelligente, teilweise sehr komplizierte und konfuse, Science-Fiction mit psychologischer Note. Ein Tipp für jeden Animations-Fan.

INNOCENCE [イノセンス] (GHOST IN THE SHELL 2: INNOCENCE)
JAP 2004
Regie: Mamoru Oshii
Drehbuch: Mamoru Oshii
Schnitt: Sachiko Miki, Chihiro Nakano, Junichi Uematsu
96 min.

8/10

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Kommentare
  1. Flo Lieb sagt:

    Auch das deckt sich so in etwa mit meinen Eindrücken, wobei ich von INNOCENCE damals zwar nicht mehr, sondern etwas anderes erwartet hatte, dennoch mehr in der direkten Tradition des Vorgängers. Dem war dann aber nicht so, was rückblickend eigentlich erfrischend ist, für ein Sequel. Sollte vielleicht beide Teile mal wieder in den Spieler legen (wobei ich nur den Ersten besitze)…

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