GUAN YUN CHANG (THE LOST BLADESMAN)

Veröffentlicht: 1. November 2011 in reviews
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Im Kaiserreich China herrschen chaotische Zustände. Drei Königreiche bekriegen sich um die Macht im Riesenreich. General Cao Cao (Jiang Wen) versucht dabei mit allen Mitteln, den größten Krieger des Reiches, General Guan (Donnie Yen), für sich zu gewinnen. Dieser jedoch hat dessen Feind Liu Bei (Alex Fong) die Treue geschworen. So entscheidet sich Cao Cao, die geliebte Schwägerin Qi Lan (Betty Sun, auch bekannt aus FEARLESS) als Druckmittel gegen Guan einzusetzen. Guan sieht sich gezwungen, Cao Cao zu helfen, doch wie lange kann dieses Bündnis halten?

Mit THE LOST BLADESMAN geht eine viel versprechende Kombination an diese historische Vorlage heran: Regieduo Alan Mak und Felix Chong, die für den Hit-Thriller INFERNAL AFFAIRS veranwortlich waren (welcher als Vorlage für Scorseses THE DEPARTED diente), und Martial Arts Star Donnie Yen (IP MAN, FLASH POINT) – zurzeit wohl die Nummer Eins in diesem Genre. Erzählt wird die Geschichte eines großen chinesischen Helden, überwiegend aus dessen Perspektive, wenn auch einige Szenen die gleichzeitigen Ereignisse um Cao Cao beleuchten. In farbintensiven und relativ zurückhaltenden Bildern, die nicht etwa in die Opulenz und den Prunk eines Zhang Yimou (HERO, HOUSE OF FLYING DAGGERS) gehen, gespickt von schön und bodenständig choreographierten Kämpfen (Yen ist auch in diesem Film für die Action Choreographie verantwortlich), wird eine sehr komplexe und verwickelte Geschichte erzählt, die nicht so ohne weiteres entrollt werden kann.

Dies ist wohl auch die größte Schwäche des Films (zumindest für westliches Publikum): es fällt uns ungemein schwer, die komplizierten Hintergründe zu erfassen und einzuordnen. Welcher General kommandiert nun welche Armee auf wessen Seite? Welche Parteien arbeiten zusammen, welche gegeneinander? Inwieweit agieren der Kaiser und Cao Cao als eine Gruppe oder als zwei? Auch die Geschichte um Guans Schwägerin Qi Lan erschien zumindest mir nicht so einfach durchschaubar. Aus diesem Grunde ist es für mich als Zuschauer schwierig gewesen, das Gesamtbild zu erfassen. Wer sich nicht gut mit der alten Geschichte Chinas oder den Schriften Luo Guanzhongs auskennt, der wird hier womöglich ähnliche Schwierigkeiten haben. Natürlich folgt man als Publikum dennoch den Handlungen Guans, der als Protagonist zur Identifikationsfigur wird. Man fiebert in jeder Schlacht auf seiner Seite mit. Hier gibt es einige spektakuläre Gefechte. Mein Favorit ist ein Duell in einer engen und staubigen Gasse, in welcher die Waffen aufgrund der geringen Bewegungsfreiheit ständig in den Mauern hängen bleiben. Die Charaktere sind durchweg gut dargestellt und besonders Jiang Wen als Cao Cao beeindruckt mit seinem nuancierten Minenspiel. Allerdings kann man sich aufgrund der zahlreichen Figuren und der erwähnten historischen Komplexität ein wenig in den Charakteren verirren. Ich erinnere mich allerdings, dass nach der ersten Sichtung von INFERNAL AFFAIRS der Effekt ein ähnlicher war.
Nichtsdestotrotz bietet THE LOST BLADESMAN eine spannende und optisch ansprechende Unterhaltung mit einer Kampfchoreographie, die im Gegensatz zum fliegenden Wuxia-Genre eine gewisse „realistische“ Atmosphäre bietet, wie man sie meist von Donnie Yen gewohnt ist.

Die Blu-ray

THE LOST BLADESMAN erscheint u. a. als Blu-ray bei splendid film. Bild und Ton beeindrucken und legitimieren den Blu-ray Kauf. Das 1080p Bild ist fehlerfrei und besteht auch sämtliche Nebel-Szenen mit Bravour und ohne Artefaktbildung. Wie immer wurde von mir die Originalversion in Mandarin (mit deutschen Untertiteln) gesichtet. Natürlich liegt auch eine deutsche Synchronfassung vor. Der Ton ist jeweils in DTS-HD 5.1 codiert. Die Specials sind leider etwas spärlich geraten, so liegen lediglich einige Trailer und ein Making Of (nicht in HD) von etwa 18 Minuten Länge vor, das außer den üblichen B-Roll PR Aufnahmen und ein paar Interviewausschnitten mit den Machern keine tiefer gehenden Einsichten in das Werk gewährt. Das Wendecover lässt den lästigen FSK Verweis schnell verschwinden.

Fazit

THE LOST BLADESMAN ist definitiv empfehlenswert. Spannende Action, frische Choreographie, verwickelte Geschichte, anspruchsvolle visuelle Umsetzung und Darsteller in sehr guter Form sorgen für gute Unterhaltung vor epischem Hintergrund. Gleichzeitig führt die historische Komplexität bei Zuschauern, die keine China-Experten sind, teilweise zu Überforderung, wodurch uns gewisse Ebenen der Geschichte wahrscheinlich verschlossen bleiben. Dennoch: THE LOST BLADESMAN macht Spaß, und Donnie Yen schaue ich mir allemal gerne an!

GUAN YUN CHANG [關雲長] (THE LOST BLADESMAN)
CHI, HK 2011
Regie: Alan Mak, Felix Chong
Drehbuch: Alan Mak, Felix Chong
Kamera: Chi Ying Chan
Schnitt: Kwong Chi-Leung
110 min.

7/10

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