THE ADJUSTMENT BUREAU

Veröffentlicht: 12. November 2011 in reviews
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Manchmal ist ein Film schön gemacht, spannend, lustig, technisch einwandfrei und auch dramaturgisch ohne große Schwächen, so dass man sich im Anschluss fragt, warum man dem Film keine zu gute Wertung geben möchte. THE ADJUSTMENT BUREAU (deutscher Titel „Der Plan“) ist so ein Film. Matt Damon spielt den ehrgeizigen New Yorker Politiker David Norris, bei den Wählern beliebt, von den Gegnern gefürchtet; kurz davor, einen Sitz im Congress zu erhalten. Da begegnet ihm die ihn faszinierende, impulsive und erfrischende Elise (Emily Blunt), die seine ganzen Ambitionen mit einem Schlag in Relation geraten lässt. Und noch etwas merkwürdiges geschieht mit David. Er erhascht einen Blick hinter die Kulissen, der ihm und den restlichen Menschen normalerweise nie ermöglicht wird. Mysteriöse Männer in Anzügen und grauen Hüten, die beim Passieren einer gewöhnlichen Tür weite Strecken zu überbrücken scheinen, die Zeit anhalten können und David in einer Art Industriehalle festhalten, drohen ihm in zweierlei Richtungen: erstens darf er niemandem über sie erzählen – ansonsten werde sein Gedächtnis gelöscht; zweitens darf er Elise nicht wieder treffen, denn eine mögliche Beziehung zwischen den beiden verstoße gegen den „Plan“. Verwirrt und überfordert wird David wieder ins Leben zurückgebracht, und der Kontakt zu Elise scheint für immer verloren, bis er sie drei Jahre später wieder trifft und sich dadurch erneut mit den Männern in Grau anlegt.

THE ADJUSTMENT BUREAU ist die erste Regiearbeit von George Nolfi, der zuvor als Drehbuchautor unter anderem für Filme wie THE BOURNE ULTIMATUM und OCEAN‘S TWELVE verantwortlich war. Auch hier schrieb er das Drehbuch nach einer Geschichte von Kultautor Philip K. Dick. Zur Seite standen Nolfi Hochkaräter wie Kameramann John Toll (THE THIN RED LINE, BRAVEHEART) und Editor Jay Rabinowitz (REQUIEM FOR A DREAM, THE FOUNTAIN). Und so kam, wie ich zuvor schon schrieb, ein Film dabei heraus, der rein filmisch einen positiven und gelungenen Eindruck hinterlässt. Womit ich so meine Probleme habe, ist das eigentliche Thema, bzw. die Idee, die hinter dem „Adjustment Bureau“ steht. Der Film behandelt die alte Frage nach dem freien Willen. Werden wir fremdgesteuert, sind unsere Optionen durch eine andere Macht beschränkt/gelenkt, oder sind wir Herr unserer eigenen Entscheidungen und unseres Schicksals? Ohne Dicks Kurzgeschichte gelesen zu haben, ziehe ich als Zuschauer bei der Sichtung von THE ADJUSTMENT BUREAU Parallelen zu religiösen Sichtweisen. Selbst David fragt im Film: „Are you angels?“, ohne eine Antwort zu erhalten. Dass hinter dem „chairman“ ein monotheistischer Gott stecken könnte, wird zumindest sehr unzweideutig impliziert. Auch wenn im letzten Akt eine Art Wende gemacht wird, die für den freien Willen Davids und Elises steht, so habe ich während des ganzen Films den üblen Beigeschmack von deterministischem Religions-Nonsens. Diese Prämisse widerspricht meinem Innersten. Während ich als Zuschauer beispielsweise in THE MATRIX an der Seite von Neo im Kampf gegen eine deterministische Matrix stehe, weil ich mit Neo das persönliche Recht des individuellen Lebens verteidigen möchte, sei es noch so mühsam, so wird das Adjustment Bureau hier als „gute Sache“ dargestellt, die sich um die Menschheit sorgt, die ohne den Eingriff und den Plan niemals überlebt hätte. Das dunkle Mittelalter und die beiden Weltkriege sind hierfür der Beweis. Solange wir als unwissende Marionetten leben, leben wir gut (zumindest sofern wir gut aussehende Protagonisten sind). Aber wehe, wir wachen auf, erhaschen einen Blick hinter den Vorhang. Ich weiß nicht, ob in Dicks Geschichte das „Büro“ diese religiöse Dimension einnimmt, oder einfach für Dicks bekannte Paranoia in seinen SF Erzählungen steht. Da ich also von vornherein ein Problem habe mit der Grundidee des Films, werde ich mit dem Rest nicht warm, auch wenn insgesamt eine nette romantische Liebesgeschichte zwischen zwei Personen erzählt wird, die gegen alle Wahrscheinlichkeiten zueinander finden müssen. Kombiniert wird die fast komödiantisch gehaltene Geschichte mit Katz und Maus Jagden, die beinahe in den Thriller übergehen. Und im letzten Akt schließlich betreten wir das Gefilde der Science Fiction. Hier sehe ich die größten Schwächen. Zuviel Explanation, zu viele technische Details, die die mysteriösen Männer entmystifizieren und David zum allzu versierten Helden machen lassen. Plötzlich weiß er zu genau, wie der Mechanismus funktioniert, der die Welt zusammen hält.

Fazit

THE ADJUSTMENT BUREAU ist wahrscheinlich ein Paradebeispiel für einen Film, an dem sich die Geister gleich zu Beginn schon scheiden müssen. Kein schlechter Film, im Gegenteil an sich gute Unterhaltung, die aber Annahmen vertritt, die mir als kritischen Geist zuwider sind und mein Filmvergnügen zu sehr schmälern.

THE ADJUSTMENT BUREAU
USA 2011
Regie: George Nolfi
Drehbuch: George Nolfi
Kamera: John Toll
Schnitt: Jay Rabinowitz
106 min.

7/10

Kommentare
  1. Flo Lieb sagt:

    Indirekt wird bestätigt, dass es sich um Engel handelt, da Mackies Figur in betreffender Szene kommentiert, das sie viele Namen erhalten von den Menschen. Der Film ist sicherlich unausgegoren, da er zudem auch den freien Willen negiert (David und Elises Gefühle füreinander basieren ja [SPOILER] auch nur auf dem ursprünglichen Plan [/SPOILER]. Die scheinbare Religiösität hat mich nicht gestört, da der Film ja postuliert, dass die Religion nur etwas ist, dass die Menschen erfunden haben, um das Adjustment Bureau zu erklären.

    Langer Rede, kurzer Sinn: Kann man gut wegschauen, das Ding. Hatte Schlimmeres erwartet.

  2. samploo sagt:

    Hab den Streifen noch nicht gesehen, aber nach diesem Review bin ich gespannt, ob besagt religioese Komponente sich bei mir ebenso aufdraengt oder ob ich das gar ignoriere. Werde den Film aber auf jedenfall in naechster Zeit schauen.

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