300

Veröffentlicht: 14. November 2011 in reviews
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Im Jahre 480 v. Chr. stehen die Perser unter dem Gottkönig Xerxes vor den Toren Europas. Leonidas (Gerard Butler), König von Sparta, zieht mit 300 Soldaten aus, um die gigantische Armee der Perser in der Schlacht bei den Thermopylen aufzuhalten. 300 basiert auf dem Comic aus der Feder von Frank Miller und wurde von Regisseur Zack Snyder (SUCKER PUNCH, WATCHMEN) als beachtliches Resultat auf die Leinwand gebracht. Wenn auch das Risiko, lediglich Style over Substance herzustellen, sehr hoch war, so meistert 300 seinen Weg grandios. Der gesamte Look des Films, der überwiegend vor Blau bzw. Grün gedreht worden ist und erst in aufwendiger Postproduktion wirklich kreiert wurde, hält sich in zahlreichen Einstellungen peinlich genau an die Vorlage der Graphic Novel. Die Figuren sind überzeichnet, oft stereotyp, manchmal gar karikaturesque, und doch funktioniert das Gesamtwerk. Die Einstellungen, meist in Highspeed gedreht und somit (besonders in den Actionszenen) verlangsamt und stilisiert dargestellt, gleichen einzelnen Comic-Panels.

300 ist alles andere als ein Historienfilm, es ist auch kein herkömmliches Action-Drama oder Sandalenschinken. Zack Snyders Film ist schlichtweg eine durch und durch gelungene Comicverfilmung, die den Stil des Originals berücksichtigt und der es gelingt, den Comic auf Film zu transponieren. Dabei kommt ein berauschendes, blutrünstiges (aber stets stilisiertes), lautes und visuell stimulierendes Spektakel heraus, das den Zuschauer in seinen Sog zieht, in welchem jener am liebsten „Spaaartaaaa!“ brüllen und gleich mit ins Gemetzel springen möchte. 300 ist voller cooler Szenen, voller Pathos, voller Machos, die in beinahe homoerotischer Manier ihre halbnackten (und per VFX muskulös aufgepimpten) Körper aneinander schmiegen, während sie die persischen Horden an ihrer Phalanx zerschellen lassen. Dabei versucht Snyder zum Glück in keinem Augenblick, mehr in den Film hinein zu dichten, als er ist und sein kann. Das ist vielleicht sein größter Verdienst, denn somit bleibt 300 ein Spektakel, welches von Anfang bis Ende das zeigt, was es verspricht: 300 harte Kerle metzeln eine Übermacht nieder. Eingefangen in bisher nicht da gewesener Optik und aufwendiger Choreografie. Eines meiner persönlichen Highlights ist die Kampfszene, in welcher Stelios, gespielt von Michael Fassbender (INGLOURIOUS BASTERDS, X-MEN: FIRST CLASS), und des Hauptmannes Sohn Rücken an Rücken gleich einem Tanz mit ständig wechselnder Abspielgeschwindigkeit gegen die Perser antreten – yeah!

Fazit

300 zählt für mich zusammen mit THE DARK KNIGHT zu den besten Comicverfilmungen aller Zeiten. Ein grandioses Erlebnis und Highlight für jeden Filmabend (mit überwiegend männlicher Beteiligung – wobei ich mindestens einen Gegenbeweis anbringen kann). This is madness! – This is Sparta!

300
USA 2006
Regie: Zack Snyder
Drehbuch: Zack Snyder, Kurt Johnstad, Michael Gordon
Kamera: Larry Fong
Schnitt: William Hoy
117 min.

10/10

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Kommentare
  1. Flo Lieb sagt:

    300 funktioniert am besten bei der ersten Sichtung. Auf der einen Seite würde ich abstreiten wollen, dass THE DARK KNIGHT eine gelungene Comic-Verfilmung ist, da der Film per se kein Comic verfilmt, sondern sich lediglich (und das reichlich oberflächlich) einiger Figuren bedient, die aus einem Comic stammen. Auf der anderen Seite würde ich zustimmen, dass 300 über weite Strecken eine sehr gelungene Comicverfilmung ist bzw. eine der wenigen wirklich guten. Abgesehen von dem unnötigen und störenden Subplot um die spartanische Polit-Intrige, die hinzugedichtet wurde, um den Film unnötig aufzublasen. Insofern gibt es von mir 1 Punkt Abzug wegen der belanglosen Nebenhandlung um Lena Headey und einen weiteren Punkt Abzug, weil der viel schlecht altert.

    • indy sagt:

      Ah, das ist interessant! Ich war neugierig, wie der Film für mich altern würde. Nach der mittlerweilen dritten Sichtung jedoch verliert er für mich nicht an Faszination, da kann ich dir also nicht zustimmen.😉

  2. Flo Lieb sagt:

    Schaust dir auch IMMORTALS an?

  3. Vecrix sagt:

    300 fand ich extremst gut – vor allem weit besser als Immortals ^^

    inzwischen hab ich 300 auch schon viermal gesehen und kann mich dir da nur anschließen: meiner Meinung nach altert der Film da wirklich nicht bzw. nur minimal.

    Den Comic dazu kenne ich allerdings überhaupt nicht – ist der gut? Wenn ja, dann würd ich vielleicht auch mal erwägen mir den mal zuzulegen ^^

    • indy sagt:

      Ich habe 300 bisher noch nicht gelesen, aber schon mal reingeschaut. Der Look und Stil des Comics sind für meine Begriffe ziemlich gut getroffen, und, wie in der Review erwähnt, sehr gut umgesetzt worden.

  4. Flo Lieb sagt:

    Der Comic entspricht 1:1 dem Film (von Inhalt & Motiven), abgesehen von dem politischen Ränkespiel in Sparta rund um die Figuren von Headey und West, das wurde eigens für den Film geschrieben (leider).

  5. gerry42 sagt:

    Ich fand den Film ja eher unfreiwillig komisch, denn wirklich episch (oder gut). Dieses ganze Gepose, die martialischen Sprüche und die Überstilisierung mag vielleicht der Comicstil sein, trotzdem bin ich immer am Grübeln, inwieweit das Geschehen wirklich selbstironisch mit einem Augenzwinkern inszeniert wurde. Teilweise wird da nämlich mit einem absoluten Bierernst durchgezogen und hat mich eher zum Lachen gebracht, als dass es mich mitgerissen hat. Und diese seltsamen CGI-Monster schossen dann völlig über’s Ziel heraus. Trotzdem, man kann dem Film nicht vorwerfen, dass er nicht unterhaltsam ist.

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