CAPTAIN AMERICA: THE FIRST AVENGER

Veröffentlicht: 21. Dezember 2011 in reviews
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So muss eine Comicverfilmung aussehen! Captain America, das ist der Anführer der Avengers, deren Ensemble-Auftritt 2012 bevorsteht. Verschiedene Mitglieder der Avengers haben im Vorfeld eigene Filme bekommen, so wie Iron Man, The Hulk und Thor, und es versteht sich von selbst, dass das Sinnbild des Patriotismus als Führungsfigur hierbei nicht zu kurz kommen darf. So heisst Joe Johnstons (HIDALGO, THE WOLFMAN) Film denn auch CAPTAIN AMERICA: THE FIRST AVENGER, und überzeugt mit Charme, Humor, Figuren mit Tiefgang und ansprechender Optik für ein gelungenes Filmvergnügen. Ich war besonders was die Figuren Thor und Captain America angeht sehr skeptisch, da ich mit ihnen sehr wenig anfangen kann und sie mich kaum interessieren. Besonders letzterer schien mir als Nicht-Comic-Kenner patriotisch überzogenes Propagandakonstrukt zu sein. Um so mehr wurde ich überrascht, mit CAPTAIN AMERICA: THE FIRST AVENGER einen der gelungensten Filme der Avengers Reihe zu sehen. Hier gelingt all das, was beispielsweise in THOR versäumt wurde.

Nach einem kurzen Intro springen wir in das Jahr 1942 zurück. Der zweite Weltkrieg erreicht auch die USA, und an allen Ecken werden Soldaten für Uncle Sam rekrutiert. Nur einer darf nicht mit: Steve Rogers (Chris Evans), ein kleiner dünner Hänfling, der durch sämtliche Musterungen fällt, möchte so gerne in Europa Nazis jagen und seinem Vaterland dienlich sein. Schließlich wird der deutsche Exilwissenschaftler Dr. Abraham Erskine (Stanley Tucci) auf ihn aufmerksam und überzeugt ihn, bei einem Versuch teilzunehmen, Supersoldaten zu formen. Der alte Haudegen Col. Chester Philips (Tommy Lee Jones) ist mehr als skeptisch, als er die halbe Portion in seinem Boot Camp erblickt, doch Steve zeigt Herz und Hirn, was ihn von den anderen Bewerbern abzeichnet. Schließlich wird er tatsächlich gewählt und bekommt ein geheimnisvolles Serum injiziert. Bei den Forschern mit am Start ist Howard Stark (Dominic Cooper), Vater von Tony Stark, auch bekannt als Iron Man. Ein Highlight des Films ist eine Szene bei der Weltaustellung, in welcher Howard Stark ein schwebendes Auto vorstellt. Szenen aus diesem Ereignis waren in IRON MAN 2 als alte Aufnahmen zu sehen. Aus dem Hungerhaken wird nun jedenfalls ein Adonis, ausgestattet mit Kraft, Kondition und Schnelligkeit. Er dient als Aushängeschild für die Propaganda-Kampagne in den USA, und damit ist auch sein Name geboren: Captain America. Nun geht auch sein Traum in Erfüllung, und er darf in Europa ran. Dort steht ihm mit Johann Schmidt (Hugo Weaving) ein größenwahnsinniger(er) Nazi entgegen, der aus dem Schatten Hitlers austreten will und mit der Organisation Hydra und mysteriöser Technologie die Welt terrorisiert („Heil Hydra!“ – köstlich!).

Eines nach dem anderen. Was mir als erstes zum Film einfällt, ist der gelungene Look des Vierziger Jahre Amerika. Die Szenen des ersten Akts überzeugen farblich und atmosphärisch. Hier ist auch gleich die erste große CGI-Hürde zu bewundern. Evans‘ Körper wurde nachträglich geschrumpft und abgeschwächt – ein durchaus gelungener und verblüffender Effekt, der lediglich in der einen oder anderen Einstellung ein wenig künstlich aussieht. Umso krasser ist die Transformation in den gut gebauten aufgepumpten Captain America. Evans selbst spielt eine überzeugende und sympathische Figur. All die Bedenken, die ich in meiner Ignoranz des Originalmaterials hatte, verpufften bereits nach den ersten Szenen. Die Figur des Steve Rogers ist bemitleidenswert, sympathisch, und man versteht ihre Sehnsüchte und Motivation. Auch in der Rolle des Captain America verliert Evans diese Sympathiepunkte nicht. Er wird nie zum abgehobenen und unbesiegbar erscheinenden Überhelden. Klar, er ist einem Durchschnittsmenschen körperlich überlegen, aber mir gefällt vor allem, dass er auf seine Mitstreiter eine Wirkung hat wie Aragorn in THE LORD OF THE RINGS. Auch die anderen Figuren sind gelungen, wenn auch stereotyper als die Hauptfigur. Tommy Lee Jones spielt den typischen harten Hund, ohne zur Karikatur zu werden. Vor allen anderen weiteren Figuren ist jedoch der Antagonist ausschlaggebend, und in diesem Fall liegt mit Hugo Weavings Red Skull eine Figur vor, die beispielsweise THOR gefehlt hat. Mit Nazis als Gegner kann man fast nie etwas falsch machen, und Weaving begeistert mit seinem Wahnsinn und seinem Englisch mit deutschem Einschlag.

Die Action-Szenen sind abwechslungsreich und spannend inszeniert, ohne dass CGI-Effekte die Überhand annehmen. Stets ist eine Prise Humor mit im Spiel, und somit wird CAPTAIN AMERICA: THE FIRST AVENGER zum klassischen Action-Abenteuer ganz im Stile der Indiana Jones Trilogie: Der Film bietet Action, Verfolgungsjagden, nimmt sich nicht zu ernst, hat sympathische Figuren, böse Buben werden von Propellern filetiert und am Ende kriegen Nazis aufs Maul. Dr. Jones kann stolz sein!
Interessant bleibt der Film bis zum Schluss, denn man fragt sich natürlich, wie die Kurve gekriegt wird zu den Avengers, die ja immerhin einige Jahrzehnte nach den Ereignissen dieses Films stattfinden. So schließt sich die Geschichte am Ende wieder im Kreis mit der Einführung des Films, und Nick Fury kann seinen ersten Avenger rekrutieren.
Was bleibt am Ende? Die Einsicht, dass ich mich tatsächlich von einer Figur begeistern lassen konnte, die ich zuvor nie auf dem Radar hatte. Captain America ist zwar eine Propaganda-Figur, mir gefällt jedoch, mit welchem Augenzwinkern diese Szenen besonders in der PR-Kampagne dargestellt werden. Es bleibt auch die Erkenntnis, dass gute Comicverfilmungen nach wie vor existieren und selbst in der Avengers-Welle von Marvel möglich sind, wenn man bestimmte Kriterien erfüllt. Zu lange liegt IRON MAN zurück, so dass ich nicht mehr sagen kann, welcher der beiden Filme mir jetzt besser gefällt. Doch beide sind gelungene und erfrischende Filme, auch wenn sie natürlich nicht in die Höhen von Christopher Nolans Batman stoßen können. Hier ist allerdings der Vergleich fragwürdig, denn zu unterschiedlich sind die Ansätze.

Fazit

CAPTAIN AMERICA: THE FIRST AVENGER ist köstliche Blockbuster Unterhaltung für den Popcorn Abend. Trotz kleiner Schwächen eine rundum gelungene Comic-Verfilmung und ein positiver Vorgeschmack auf THE AVENGERS. Teilt man Comicfilme in Gute und Schlechte ein, so zählt dieser Film im Jahre 2011 zusammen mit X-MEN: FIRST CLASS zu der ersten Kategorie.

CAPTAIN AMERICA: THE FIRST AVENGER
USA 2011
Regie: Joe Johnston
Drehbuch: Christopher Markus, Stephen McFeely
Kamera: Shelly Johnson
Schnitt: Robert Dalva, Jeffrey Ford
124 min.

8/10

Kommentare
  1. Rob sagt:

    Bisher habe ich einen Bogen um den Film gemacht, obwohl er mich ja schon interessiert. Die vielen mäßigen Kritiken waren nur etwas abschreckend. Die hier liest sich aber gut und macht tatsächlich Lust, ihn endlich mal zu schauen. Bis die „Avengers“ kommen, muss ich das sowieso abgehakt haben😉

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