Wie aus dem Nichts erfährt Cal Weaver (Steve Carell), dass seine Frau Emily (Julianne Moore) sich von ihm scheiden lassen möchte. Sein 13-jähriger Sohn Robbie (Jonah Bobo) ist bis über beide Ohren in seine vier Jahre ältere Babysitterin Jessica (Analeigh Tipton) verliebt, welche wiederum nur schmachtende Blicke für seinen Vater hat. In einer waschechten Midlife-Crisis angelangt, lernt Cal in einer Bar den Womanizer Jacob (Ryan Gosling) kennen, der dessen Selbstmitleid und erbärmliches Äußeres nicht mehr ertragen kann und sich entschließt, ihm in Sachen Frauen unter die Arme zu greifen. Cal, der seine Frau auf der High School kennengelernt hatte und sonst keinerlei Erfahrung mit dem anderen Geschlecht sammeln konnte, findet sich plötzlich in einer neuen Welt wieder, in Jacobs Revier: schicke Outfits, spendierte Drinks, treffsichere Anmachsprüche, und Frauen, Frauen, Frauen. Gleichzeitig versucht Robbie, seine Eltern wieder zusammen zu bringen und bei seiner eigenen Traumfrau Aufmerksamkeit zu erregen. Emily fragt sich ernüchtert, ob die Scheidung wirklich eine gute Idee war und Cal muss herausfinden, ob Jacobs Lebensstil auch der seine werden kann. Letzten Endes suchen sie alle die wahre Liebe.

CRAZY, STUPID, LOVE. ist klassisches romantisches und witziges Gute-Laune-Kino voller sympathischer, wenn auch völlig überzeichneter, Figuren, die alle irgendwie auf der Suche sind und über ihr Leben reflektieren. Der Film ist auch ein Plädoyer für die große wahre Liebe. Das Drehbuch aus der Feder von Dan Fogelman (BOLT, TANGLED) ist durch und durch konstruiert, die Dialoge der Charaktere sind weder realistisch noch dezent. Im Gegenteil, so ziemlich alle Darsteller (allen voran Marisa Tomei) können an einigen Stellen richtig aus sich raus kommen und sich energische Gefechte liefern. Dabei bleibt der Film grundlegend positiv. Kein Charakter ist wirklich böse oder will Böses, stattdessen gewinnt man beinahe allen Figuren etwas Gutes ab. Man hat schlichtweg Vergnügen daran, die sympathischen Protagonisten bei ihren Unterhaltungen zu beobachten. Dabei ist vor allem auch die Chemie zwischen einzelnen Darstellern interessant, so z. B. die zwischen Emma Stone und Ryan Gosling als auch zwischen Gosling und Carell. Letzterer, bekannt aus zahlreichen Komödien (LITTLE MISS SUNSHINE, EVAN ALMIGHTY, GET SMART), beweist an einigen Stellen, dass weit mehr in ihm steckt als ein Clown mit Gespür für Timing. Besonders in einer späteren Szene im letzten Akt, ein Dialog zwischen ihm und Gosling an der Bar, achte man auf Carells Performance, seine Mimik, seine zurückgehaltenen und stockenden Aussagen. Ein rührender Moment und großes Spiel des Akteurs. Ryan Gosling (DRIVE, THE IDES OF MARCH) beweist ein weiteres Mal, wie wandlungsfähig und talentiert er ist. Zum ersten Mal gesehen und von ihm begeistert war ich bei LARS AND THE REAL GIRL. Spätestens seit DRIVE bin ich zu seinem Fan geworden.

Fazit

Mit CRAZY, STUPID, LOVE. haben Regieduo Glenn Ficarra und John Requa (I LOVE YOU PHILIP MORRIS) einen zu größten Teilen gelungenen Familienfilm geschaffen, der für viel Schmunzeln und einige Lacher sorgt (eine meiner Lieblingszeilen gehört der unter Tränen aufgelösten Julianne Moore: „I went to see the new Twilight movie by myself… and it was so bad!“), ohne komplett ins Klamottenfach abzudriften, der viel Wärme und positive Energie ausstrahlt und den Zuschauer dadurch mit einem guten Gefühl und Aha-Momenten wieder entlässt. Da verzeiht man auch gerne das etwas kitschige Finale und manche schnulzigen Momente, oder so gänzlich funktionslose Charaktere wie Emma Stones asiatische Freundin als Grey‘s Anatomy Gedächtnis-Sidekick. Schöner Ensemblefilm, der ein klein wenig kürzer hätte ausfallen dürfen.

CRAZY, STUPID, LOVE.
USA 2011
Regie: Glenn Ficarra, John Requa
Drehbuch: Dan Fogelman
Kamera: Andrew Dunn
Schnitt: Lee Haxall
118 min.

7/10

Kommentare
  1. domindresden sagt:

    Top Review! Ich have den Film letztes Wochenende gesehen und war sehr gespannt. Da ich nur positives gehört hatte. Letztlich muss ich aber sagen das er mir etwas zu „lieb“ ausgefallen ist. Einziges Highlight kommt gegen Ende des Films der die Charakterbeziehungen noch mal ordentlich Schwung gibt. Da hätte man auch zum Ende finden müssen. Was danach nämlich noch kam war doch schon sehr seicht. Und auch die Freundin von Emma Stone hatte so gar nichts zu erzählen. Da gebe ich dir völlig recht.

  2. […] 10/10 Punkte Indy’s Film Reviews: 7/10 Punkte Moviescape: 9/10 Punkte Wie ist der Film?: 7,5/10 […]

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