Nun ist es also soweit: Captain America, Iron Man, Thor, The Hulk, Black Widow und Hawkeye werden von Nick Fury als Avengers zusammengeführt und dürfen die Welt vor dem bösen Halbgott Loki, Stiefbruder Thors, retten. Nach mehreren unterschiedlich gelungenen Einzelfilmen mit verschiedenen gegenseitigen Anspielungen und Verbindungen bringt Marvel unter der Regie von Joss Whedon (SERENITY) THE AVENGERS in die Kinos und lässt die Herzen von Comic Fans höher schlagen, während die Kassen klingeln. Doch gelingt der Superhelden Overkill? Die Avengers sind das Mega-Crossover der Marvelcomics und kombinieren in eigener Reihe die Geschichten der erwähnten Helden. Da wären Capt. Rogers (Chris Evans), bekannt als Captain America, der nach den Ereignissen des zweiten Weltkrieges und seinem Kampf gegen den Nazi Red Skull einen langen Schlaf im Eis hatte und nun in unserer Gegenwart wieder aufgetaut wurde; natürlich ist auch Tony Stark aka Iron Man (Robert Downey Jr.) mit von der Partie, egomanischer und superreicher Playboy, Technik-Geek und überhaupt Genie; außerdem der Donnergott Thor (Chris Hemsworth), der also schon wieder Probleme mit seinem Stiefbruder Loki (Tom Hiddleston) hat; die russische Spionin Natasha Romanoff (Scarlett Johansson), auch bekannt als Black Widow, durfte bereits in IRON MAN 2 mit ihren Kampfkünsten glänzen, und auch Meisterschütze Hawkeye (Jeremy Renner) hatte in THOR einen Kurzeinsatz; und schließlich ist da noch Dr. Bruce Banner (Mark Ruffalo) mit seinem kleinen Aggressionsproblem, der in jüngster Zeit von dem inzwischen dritten Schauspieler verkörpert wird. Rekrutiert wurden alle Helden von S.H.I.E.L.D. Agent Nick Fury (Samuel L. Jackson), der eine mächtige Eingreiftruppe formieren möchte, um Situationen meistern zu können, die Normalsterbliche überfordern.

Die Masse an Superhelden erschwert einen Fokus, denn irgendwie müssen alle glänzen und die Erwartungen der Fans erfüllen. So darf aus einem Avengers Film beispielsweise kein Iron Man & Co. Projekt werden. Dies gelingt den Filmemachern überwiegend, wenn auch auf Kosten von sehr vielen parallelen Strängen, Überlänge und einer gewissen Überdosis von allem. Auch wenn das für Comicfans wahrscheinlich ein Sakrileg ist: Black Widow und Hawkeye sind hier die am wenigsten interessanten und für den Film Überflüssigsten der Hauptcharatere – und sie sind im Vergleich zu den anderen auch keine Helden mit „Superkräften“ (Iron Man auch nicht, aber dieser wird durch seine Technik und Gadgets genauso wie Batman vom Normalo zum Superhelden). Dennoch ist THE AVENGERS ein großer Spaß, ohne jemals die Tür zu einem fantastischen Film aufzustoßen. Es ist jedoch unterhaltsame Popcorn-Unterhaltung für die große Leinwand, die u. a. auf CGI-Ebene in allen Belangen überzeugt und begeistert und in zahlreichen Szenen von dem hochwertigen Cast profitiert. Allen voran glänzt Robert Downey Jr. mit seinem Charme, Witz und der Chemie, die er gegenüber allen anderen Charakteren entwickelt. Mein zweites persönliches Highlight ist Mark Ruffalo (THE ZODIAC), dessen Bruce Banner die bisher beste Version darstellt. Wenn auch Edward Norton einer meiner Lieblingsschauspieler ist und Eric Bana mir hochgradig sympathisch ist – ich stelle fest, dass Ruffalo den besten Job macht. Sein zerstreuter Professor überzeugt genauso wie die Momente, in denen er gefährlich erregt wird und seine Gesichtsfarbe bedenkliche Züge annimmt. Auch Chris Evans (FANTASTIC FOUR) als Captain America macht eine gute, wenn auch ein wenig verlorene Figur (passt inhaltlich). Black Widow und Hawkeye hingegen sind wie erwähnt eher schmuckes Beiwerk, das in einem Avengers Film einfach Pflichtprogramm ist.

Es kommen weiterhin zahlreiche Nebencharaktere vor, die den Film teilweise unnötig komplex machen, so wie z. B. die aus How I met your Mother bekannte Cobie Smulders als Nick Furys Lieblingsagentin in enger Uniform. Stellan Skarsgard ist wieder Professor Selvig, der zuvor zusammen mit Natalie Portman den hammerschwingenden Thor kennenlernen durfte. Diesmal wird er gleich zu Beginn des Films vom finsteren Loki für seine Zwecke missbraucht. Es soll nämlich ein Portal geöffnet werden, durch das eine Armee von hässlichen Außerirdischen passieren soll, um die Erdbewohner zu besiegen und Loki als Herrscher der Erde zu inthronisieren. So oder ähnlich stellt Loki sich das vor, der nach seiner ersten Niederlage scheinbar nicht dazugelernt hat. Ich hatte bereits in THOR Probleme mit der Figur des Loki, weniger wegen des Schauspielers Hiddleston, der mir im Gegenteil gut gefallen hatte, sondern wegen der etwas eindimensionalen Figur selbst. Auch in THE AVENGERS erfüllt Loki für mein Erachten nicht hundertprozentig die Rolle eines perfekten Antagonisten, aber er wirkt weitaus bedrohlicher und gelungener als in THOR.

THE AVENGERS sorgt für einige Lacher, begeistert mit vielen coolen Szenen, seien es gelungene Dialoge mit gegenseitigen Seitenhieben der Helden untereinander, oder actionreiche Momente, von denen es in einem solchen Film nicht zu wenige gibt. Dennoch fehlt das gewisse Etwas zum ganz großen Wurf. Ich ordne beispielsweise CAPTAIN AMERICA: THE FIRST AVENGER als besseren Film ein (und soweit ich mich erinnere IRON MAN auch), wohingegen THE AVENGERS wesentlich besser als THOR ist. Insgesamt also ein gelungener Heldenspaß, in welchem für alle Fans irgendwas dabei ist. Eine Fortsetzung ist schon sicher, und wir dürfen gespannt sein, ob diese etwas runder ausfällt, nachdem nun die große und langwierige Zusammenkunft etabliert worden ist.

Fazit:

THE AVENGERS ist harmloser und lustiger Action-Spaß mit den beliebtesten Marvel Figuren (fehlt eigentlich nur noch Spider Man), an vielen Stellen äußerst gelungen und pointiert (meine Lieblingsszene ist eine ganz bestimmte zwischen Hulk und Loki, die ich nicht verraten möchte), insgesamt aber auch zerfahren, überladen und lang. Fans werden auf ihre Kosten kommen, und wer einfach Lust auf schlichte Action-Unterhaltung hat, wird auch nicht enttäuscht sein. Fragt sich, wie lange es dauert, bis die Konkurrenz von DC Comics mit der Justice League antritt und Batman, Superman, Green Lantern & Co. die Welt retten müssen…

THE AVENGERS
USA 2012
Regie: Joss Whedon
Drehbuch: Joss Whedon
Kamera: Seamus McGarvey
Schnitt: Jeffrey Ford, Lisa Lassek
142 min.

7/10

Kommentare
  1. […] Indy’s Film Reviews (7/10) […]

  2. Aikatara sagt:

    Eigentlich wollte ich den Film gar nicht sehen. Ich habe gewissermaßen eine Marvel-Überdosis. Aber die Kritiken in diversen Zeitungen waren eigentlich gar nicht so schlecht – und deine ja auch nicht. Vielleicht sollte ich mir doch noch mal eine Dosis Marvel antun…. Allerdings hat „Dark Shadows“ jetzt erst mal Vorrang :)…

  3. Kim sagt:

    Hmmmm, Geschmäcker sind verschieden. Es gibt Menschen, die den Film nur passabel finden, während ich den Film wirklich superb fand😀

  4. Juliane sagt:

    Ich bin ganz Kim’s Meinung! Ich wurde erst durch Avengers zum Marveljunkie! Ich fand ihn einfach nur Spitze, aber jeder darf ja eine eigene Meinung haben/bloggen.🙂

    • indy sagt:

      Natürlich, und 7 Punkte sind ja in dieser Hinsicht auch keine schlechte Wertung (siehe auch THE DARK KNIGHT RISES und PROMETHEUS). Wenn du durch den Film zum Marvel-Junkie geworden bist, wurde das Primärziel sowieso erreicht!😉

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