HWANGHAE (THE YELLOW SEA)

Veröffentlicht: 16. Juli 2012 in reviews
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Ga-num ist Taxifahrer in Yanji, der Hauptstadt von Yanbian, einer autonomen koreanischen Präfektur in China an der Grenze zu Nordkorea und Russland. Hoch verschuldet, da er für seine Frau ein Visum nach Südkorea besorgt hat, versucht er durch seinen Job und nächtliches Spielen seine Schulden bei der Unterwelt wieder zu begleichen. Von seiner Frau hat er seit ihrer Ausreise nichts mehr gehört. Als er am Rande der Verzweiflung ist, erhält er von Myun-ga, einem kriminellen Kopf in Yanji, einen Auftrag und die Chance auf die Lösung seiner Probleme. Für eine Stange Geld soll Ga-num nach Südkorea eingeschmuggelt werden, um dort eine bestimmte Person zu töten. Bei der Gelegenheit kann er auch Kontakt mit seiner Frau aufnehmen. Ga-num zögert nicht lange und macht sich auf die gefährliche Reise…

Mit THE YELLOW SEA liefert Regisseur und Drehbuchautor Na Hong-jin (THE CHASER) seine zweite Regiearbeit ab und schrammt für meinen Geschmack nur um Haaresbreite an der Bestnote vorbei. Sein Film, der als tragisches Drama beginnt, in den Thriller wechselt und schließlich zum Actionthriller wird, beginnt grandios und kann dieses Level über etwa zwei Drittel seiner Lauflänge halten. Dann jedoch wird es zunehmend konfuser, überzogener und actionlastiger, und THE YELLOW SEA verliert leider in diesem letzten Drittel vieles von dem, was bis dahin so perfekt funktioniert. Der Film ist in mehrere Kapitel aufgeteilt. Im ersten Teil lernen wir das triste Dasein Ga-nums (Ha Jung-woo) kennen. Die Hoffnungslosigkeit, die sich in den grauen verstaubten Straßen und beim nächtlichen Mahjong Spielen breit macht, droht ihn zu ersticken. Er ist allein, pleite, verspielt und versäuft sein Geld. Was ihm übrig bleibt, kassiert der Mob. Von seiner Frau hat er keine Nachricht, und sein Umfeld spekuliert schon längst, dass sie einen anderen Mann gefunden und ein neues Leben in Südkorea begonnen hat. Mit dem Auftrag von Myun-ga (Kim Yun-seok) sieht Ga-num jedoch die Chance, sein Leben in den Griff zu kriegen. In diesem nächsten Teil erleben wir den Menschenschmuggel über das Gelbe Meer hautnah, brutal und niederschmetternd – hier war ich vom Film schon längst gefesselt. Kein typischer Korea-Racheflick-Klon, kein weiterer Horrorstreifen, sondern eine knallharte und real anmutende Geschichte.

Ich möchte die weitere Handlung nicht verraten, nur so viel, dass die Vorbereitungen des frisch gebackenen Auftragskillers dem Film eine weitere geniale Ebene verpassen. Auch in diesen Szenen ist THE YELLOW SEA hochgradig fesselnd. Spannend bleibt er auch bis zum Schluss, nur dass wie eingangs erwähnt die Handlung sich zunehmend überschlägt, teilweise zu viele Personen involviert werden, und die Übertreibungen einfach zu weit gehen. Die Gewaltszenen sind explizit und toll choreographiert – dies ist nicht das Problem, kennt man es doch aus zahlreichen Genrefilmen Koreas. Lediglich der Wandel vom beinahe authentischen Drama in die ausgelöste Action des letzten Teils ist mir hier zu stark, selbst wenn Ga-num persönlich im Intro die Geschichte eines tollwütigen Hundes erzählt und die Eskalation damit vorwegnimmt. Trotz dieser Kritik bleibt THE YELLOW SEA ein Highlight und ein guter Film, den ich jedem, der sich für koreanisches Kino interessiert, weiter empfehlen mag. Hauptdarsteller Ha Jung-woo, der bereits für THE CHASER vor der Kamera Nas agierte, begeistert mit sympathischem und glaubwürdigem Spiel, und insgesamt zeugt der Film vom inszenatorischen Können des Regisseurs. Die internationale Fassung dauert 140 Minuten und ist damit fast 20 Minuten kürzer als die Korea-Version. Angesichts des letzten Teils wäre eine kürzere Fassung vermutlich angebracht gewesen. Auf dieser Seite lässt sich ein interessanter direkter Vergleich ziehen (Spoiler! Bei Interesse erst nach dem Film anschauen!).

Fazit

THE YELLOW SEA ist spannendes Drama und Thriller mit viel Drive. Hätte man das letzte Drittel ähnlich reserviert und subtil gehalten wie den Rest, dann wäre der ganz große Wurf gelungen. Dennoch ein starker Film und ein weiteres Beispiel für die Qualität des modernen koreanischen Kinos,  auch wenn THE YELLOW SEA nicht an Nas starkem Spielfilmdebüt THE CHASER herankommt.

HWANGHAE [황해] (THE YELLOW SEA)
KOR, 2010
Regie: Na Hong-jin
Drehbuch: Na Hong-jin
Kamera: Lee Sung-je
Schnitt: Kim Sun-min
140 min.

8/10

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