Diese Review ist so gut wie Spoiler-frei. Dem Leser wird nicht viel mehr verraten, als bereits im ersten großen Trailer vorab enthüllt wurde.

Acht Jahre sind vergangen seit den Ereignissen um den Joker und Harvey Dent/Two Face, und so lange ist Batman bereits von den Straßen Gotham Citys verschwunden. Die organisierte Kriminalität ist auf ein absolutes Minimum reduziert worden, und Gotham City erlebt durch den „Dent Act“ Friedenszeiten. Doch der Schein trügt: Bane betritt die Bühne; ein Koloss von einem Mann, der mit seiner eigenen Armee nur eines im Sinne hat: die Folterung und Zerstörung von Gotham City. Wie lange dauert es, bis der dunkle Ritter zur Rettung der Stadt zurückkehrt?

Wir schreiben das Jahr 2012, und Christopher Nolans Batman-Trilogie neigt sich dem Ende zu. Beinahe ein Jahrzehnt umfasst die Spanne, in der sich Nolan (MEMENTO, INCEPTION) mit der maskierten Fledermaus befasst hat. Nun sind alle Comicfans gespannt, wie sich der Kreis schließen und Nolans Batman von der Bühne treten wird. Die Erwartungen hatten, besonders nach dem zweiten Teil THE DARK KNIGHT, schwindelerregende Höhen erreicht. Hält THE DARK KNIGHT RISES nun, was er verspricht und krönt er die Trilogie?

Ich habe den Film bisher ein Mal gesehen, deshalb möchte ich mich aufgrund der Unmenge an Informationen, die im Film gezeigt werden, nicht in Details verrennen (dazu reicht mein Gedächtnis nicht aus), sondern stattdessen meine Eindrücke der Sichtung vermitteln, die natürlich hochgradig subjektiv sind. THE DARK KNIGHT RISES ist nicht besser als seine beiden Vorgänger, sondern von allen drei Filmen das schwächste Glied. Der Film hat mit massiven Problemen, überwiegend im storytelling Bereich, zu kämpfen, die sich Co-Autor Nolan selbst heraufbeschworen hat. Es gibt im Internet viele Artikel, die Nolans Schwächen als Autor und Regisseur besonders anhand der Filme THE DARK KNIGHT und INCEPTION nennen. Die prominentesten Vorwürfe sind seine nicht gut inszenierten und teilweise inkohärenten Actionszenen und seine Geradlinigkeit der in den Bildern gezeigten Aktionen: In seinen Einstellungen passiert exakt das, was der Zuschauer sieht, es wird zudem meist bis ins letzte Detail erklärt und ist auch in dieser Hinsicht reduziert. Es gibt selten Interaktion zwischen Bildvordergrund und Hintergrund, kaum neue Informationen anhand der Reaktionen von gerade nicht sprechenden Figuren usw. Christopher Nolan ist eher ein Mann der Montage, weniger der Mise-en-scène. Diese Vorwürfe sind zum größten Teil gerechtfertigt, wenn ich auch daraus nicht den Schluss ziehen würde, dass Nolan ein schlechter Regisseur ist. Klar, er macht keinen dialektischen Film (auch wenn es in INCEPTION leichte Tendenzen dazu gibt), daher sollte man bei ihm keinen Bergman erwarten. Der Filmgenuss war schon immer und ist eine extrem subjektive Angelegenheit, und in meinem Fall ist es so, dass ich über viele Schwächen eines Filmes oder der Regiearbeit hinwegsehen kann, wenn ich insgesamt ein gutes Gefühl habe und der Film mich berührt. In meiner Review zu THE DARK KNIGHT hatte ich gegen Ende geschrieben:

Es gibt einzelne Kritikpunkte, die ich bemängeln könnte, die mir aber im subjektiven Gesamtempfinden nicht Gewicht genug waren, um den Filmgenuss zu beeinträchtigen. So kann ich über viele One-Liner in den Actionszenen hinwegsehen, ebenso über den etwas übertriebenen und meiner Meinung nach unnötigen visuellen Sonar-Effekt im letzten Akt. All dies sind aber Details, die ich gerne in Kauf nehme, wenn mir dafür ein Film wie THE DARK KNIGHT präsentiert wird.

Diese Probleme, die ich in THE DARK KNIGHT getrost vernachlässigen konnte, sind in THE DARK KNIGHT RISES potenziert. Da für mich dadurch das gesamte Filmerlebnis negativ beeinflusst wurde, sind sie hier nicht von der Hand zu weisen. Ich könnte die Kritik grob in zwei Bereiche einteilen. Erstens das bereits erwähnte storytelling, zweitens die Inszenierung (man könnte auch anders vorgehen und in subjektive und objektive Probleme einteilen, aber da hat man dann als Rezensent mit eigenen Schwierigkeiten bei der Kategorisierung zu tun). THE DARK KNIGHT RISES hat eine Laufzeit von 164 Minuten und ist also nur 12 Minuten länger als THE DARK KNIGHT. Während beim Vorgänger die Überlänge nicht weiter auffiel und die Zeit nur so verflog, ist THE DARK KNIGHT RISES viel zu lang, weil er überfrachtet ist mit zahlreichen Ideen, Nebenhandlungen, Charakteren und Schauplätzen. Dadurch springt der Film von Szene zu Szene und ist besonders in der ersten Hälfte konfus und an vielen Stellen verwirrend. Ich habe in den ersten Akten oft den Überblick verloren, wer jetzt genau was für wen tut. Wir lernen neben Bane (Tom Hardy) unter anderen auch Selina Kyle aka Catwomen (Anne Hathaway), Miranda Tate (Marion Cotillard) und weitere Polizisten wie Foley (Mattew Modine) und Blake (Joseph Gorden-Levitt) kennen, die alle neben den bereits bekannten Alfred (Michael Caine), Commissioner Gordon (Gary Oldman) und Fox (Morgan Freeman) in mehr oder weniger wichtigen oder detaillierten Handlungssträngen agieren. Ich kann einerseits verstehen, dass Nolan sich darum bemüht hat, auf viele Dinge einzugehen, die Fans am Herzen liegen (Einführung Catwomans als einfaches Beispiel, um den Rest nicht zu spoilern), und dass er versucht hat, die Klammer zu BATMAN BEGINS zu schließen, in dem er auf die Ereignisse des ersten Films zurückgreift. Das Resultat ist jedoch überladen und konzentriert sich nicht auf einzelne, herausgearbeitete Aspekte. Handlungslöcher gibt es unzählige, sie reichen von nicht plausiblen Zufällen bis hin zu Abläufen, die in der Chronologie verwirrend und unglaubwürdig sind. Ich kann mit plot holes leben, doch ihre Fülle und die Art, wie sie dem Zuschauer in THE DARK KNIGHT RISES präsentiert werden, als wären sie völlig irrelevant, haben meinen Kinogenuss massiv beeinträchtigt. Einfache plot holes kommen in beinahe jedem Film vor, aber in THE DARK KNIGHT RISES gibt es haarsträubende Ungereimtheiten. In Hinblick auf den zweiten Kritikbereich, die Inszenierung, störte mich vor allem die Redundanz der Szenen in den Straßen Gothams. Ab einem gewissen Punkt hatte ich das Gefühl, dass sich die Szenen zu sehr ähneln und wiederholen (so ähnlich verhält es sich auch mit Hans Zimmers Score). Sie waren weder optisch besonders reizvoll noch sonstwie interessant inszeniert, und besonders in diesen Momenten war meine Involvierung gering. Vor allem wirken sie zu „clean“. Da werden Komparsen von automatischen Waffen dahingerafft, und im Anschluss liegen sie auf dem Boden wie im Dornröschenschlaf. Einschusslöcher und Blut? „Dreck“ in irgendeiner Form? Nicht vorhanden.

Keine Frage, dass viele der groß angelegten Actionszenen oder Luftaufnahmen spektakulär sind (große Teile des Films wurden im IMAX Format gedreht). Die Intro-Sequenz, in der Banes Männer ein Flugzeug entern und „abschleppen“, könnte aus einem James Bond Film stammen und ist ein Augenöffner. Aber, und hier kommt mein Hauptproblem mit THE DARK KNIGHT RISES, diese Augenöffner und Aha-Erlebnisse haben bei mir keinen nennenswerten Effekt hinterlassen. Damit mir ein Film gut gefällt, muss hin und wieder der magische Moment kommen, der einen Schauer über den Rücken fahren lässt oder für Gänsehaut sorgt. Kein einziger Moment in THE DARK KNIGHT RISES hat dies bei mir (verglichen zu den Vorgängern) evozieren können, auch wenn es ein paar seltene starke Szenen gab – weder Batmans erster Auftritt, noch das Zusammentreffen von Batman und Bane haben diese Energie. Klar ist THE DARK KNIGHT RISES ein spannender Film und in Nolans Batman Kanon ein ordentlicher Abschluss einer insgesamt herausragenden Trilogie. Es gibt einige gute bis starke Szenen, u. a. eine kafkaeske Gerichtsverhandlung mit Scarecrow, und das ein oder andere weitere Highlight. THE DARK KNIGHT RISES ist somit kein schlechter Film und in Vergleich zu den meisten Comicverfilmungen immer noch starke Konkurrenz, doch er hätte ein besserer, grandioserer Abschluss sein können, wenn man das Drehbuch einer massiven Überarbeitung und Schärfung unterzogen hätte. Ich werde an anderer Stelle auf inhaltliche und inszenatorische Details eingehen, vielleicht nach einer weiteren Sichtung [UPDATE: es gibt jetzt einen ausführlichen Artikel zu den dramaturgischen Problemen des Films, natürlich voller Spoiler]. Für diese Spoiler-freie Review vermittle ich lediglich meinen Gesamteindruck: THE DARK KNIGHT RISES ist ok, aber im Vergleich zu den Vorgängern enttäuschend. Ich für meinen Teil bin froh, dass sich Nolan, Bale und Co. nun endlich ganz neuen Projekten widmen können. Sie haben in der Welt der Comicverfilmungen Großartiges geleistet und das Genre auf ein neues Niveau gehoben, wovon andere profitieren können.

Fazit

Natürlich ein Muss für jeden Comic- und Batman-Fan. Der schwächste der drei Filme mit Problemen überwiegend im storytelling. Dennoch an vielen Stellen spektakulär und letztlich keine schlechte Comicverfilmung, wenn auch THE DARK KNIGHT RISES weit hinter den Erwartungen zurück bleibt.

THE DARK KNIGHT RISES
USA, UK 2012
Regie: Christopher Nolan
Drehbuch: Jonathan & Christopher Nolan
Kamera: Wally Pfister
Schnitt: Lee Smith
164 min.

7/10

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Kommentare
  1. Mir stoßen die Probleme in Inszenierung und Storytelling bereits bei den Vorgängern übel auf. Allerdings habe ich die schon mehrfach gesichtet und irgendwann ist die Faszination für Bilder und Figuren verflogen und die Fehler treten unangenehm nah an einen heran.
    In THE DARK KNIGHT RISES fielen mir die Probleme im Kino auf, beim ersten Besuch eines Teils der Trilogie – keine Gänsehaut, dafür Kopfgeschüttel. Ich war doch etwas enttäuscht, obwohl ich kein Meisterwerk erwartet habe.

  2. […] an diesem Wochenende sowohl sportliche Betätigung, als auch ein kleiner Batman-Marathon an, da Dark Knight Rises nun auf DVD und Blu-Ray erschienen ist. Einen Teil des Bonus-Materials habe ich mir gestern Abend […]

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