Too much everything: Dramaturgie und Charaktere in THE DARK KNIGHT RISES

Veröffentlicht: 12. August 2012 in analysen
Schlagwörter:, , , , , , ,

Dieser Artikel enthält massive Spoiler zum Film. Wer eine Spoiler-freie Besprechung lesen möchte, findet sie hier. In meiner Rezension bin ich kurz auf einige Kritikpunkte eingegangen, die ich hier im Detail ausführe. Ich hatte die Probleme in „storytelling“ und „Inszenierung“ eingeteilt. In diesem Artikel schreibe ich über die erste Kategorie. Darunter verstehe ich in diesem Fall die Dramaturgie und die Charaktere. Über die zweite Kategorie schreibe ich vielleicht irgendwann, wenn ich Zeit und Muße dafür habe. Zu den von vielen Seiten bemängelten plot holes schreibe ich weniger, hierzu gibt es schon genug interessante Artikel. Eine Empfehlung ist dieses Posting von slashfilm, in welchem die Autoren 15 Dinge beschreiben, die sie an THE DARK KNIGHT RISES gestört haben. Nicht alle dieser Punkte zählen als klassische Handlungslöcher. Meistens handelt es sich um fragwürdige Elemente und Abläufe der Geschichte. Interessanterweise haben die Verantwortlichen der Nolan-Community Nolan Fans mit einer 15-Punkte Gegendarstellung reagiert. Beide Lektüren sind unterhaltsam und empfehlenswert, und der Leser mag für sich entscheiden, welche Argumente plausibel erscheinen und welche nicht. Einige Entkräftungen der Nolan Fans leuchten mir ein, andere wiederum wirken arg erzwungen und weit hergeholt. Ähnliche Kritik und Kommentare zu den zahlreichen klassischen plot holes gibt es in diesem Artikel. Doch nun zu den dramaturgischen Problemen bei TDKR, welche mir während und nach dem Film zu schaffen machten (ich habe den Film bisher ein Mal gesehen):

Zu viel Exposition

Es ist eine Kritik, die sich Christopher Nolan für mehrere seiner Filme gefallen lassen muss: er füttert den Zuschauer mit jeder Menge Informationen, meist durch Charaktere, die alles genau und exakt erklären. Diese Einführung nimmt in INCEPTION einen gewaltigen Teil des Films ein, in welchem Cobb (Leonarod DiCaprio) den Mechanismus der „Traummaschine“ haargenau erklärt. Dabei bleibt es jedoch nicht: im Laufe der Handlung werden durch unterschiedliche Charaktere weitere wichtige Details der Maschine, die für den Verlauf der Geschichte relevant sind, mitgeteilt, ebenfalls verbal und eindeutig. Man könnte den Eindruck gewinnen, dass Nolan dem Zuschauer nicht sehr viel zutraut und ihm lieber alles exakt erklärt, damit die Handlung reibungslos verfolgt werden kann. In TDKR wird dem Zuschauer durch zahlreiche Figuren aufgetischt, was genau vor sich geht. Doch damit nicht genug: für den Fall, dass immer noch nicht klar sein sollte, was passiert, wird es in vereinfachter Form erneut erklärt. Als Beispiel mag der Fusionsreaktor dienen. Ich weiß nicht mehr genau, wer erklärt, dass der Kern instabil wird und in paar Monaten nicht mehr eingedämmt sein wird. Direkt im Anschluss macht eine zweite Figur deutlich, was der Zuschauer schon längst verstanden hat: „It‘s a time bomb!“. Als Foley die Polizisten samt S.W.A.T. Teams in die Kanalisation schickt (mehrere Einstellungen mit einer Riesenzahl von Komparsen), um Bane auszuräuchern und plötzlich alles in die Luft fliegt und die Ausgänge dabei verschüttet werden, muss danach natürlich erst verbal festgehalten werden, dass ALLE Polizisten nun unter Tage gefangen sind. Natürlich könnte man meinen, dass nicht alle im Einsatz waren (das dachte ich zumindest, weil ich die Aktion für idiotisch halte), aber selbst wenn nicht jeder einzelne Polizist in der Kanalisation steckt, so reichen doch die gezeigten Einstellungen mit den Menschenmassen aus, um als Zuschauer zu realisieren, dass das Gotham City Police Department keine Macht mehr über die Stadt haben kann. Dennoch wird es klar ausgesprochen, damit ja keine Missverständnisse entstehen. An solchen Stellen fühle ich mich als Zuschauer schlicht verarscht und nicht ernst genommen. Ich kann meistens damit leben (diese Momente kommen in quasi jedem Mainstream Film vor), doch wenn sie Überhand annehmen wie in TDKR, wird es mir zu viel.

Tom Hardys ADR

Viel wurde im Vorfeld diskutiert über Banes Stimme. Als der Prolog vorab vor Publikum gezeigt wurde, kamen erste Zweifel auf, ob man Hardy unter der Maske  gut verstehen kann. Nolan selbst wiegelte erst ab, um dann später zu relativieren, man habe an einigen Stellen etwas an der Stimme gearbeitet. Ich habe den Prolog nie vorab gesehen, aber als ich im Kino gleich in der ersten Szene Hardys Stimme im Flugzeug gehört habe, graute es mir: meiner Meinung nach eindeutig ADR (additional dialogue recording), und seine Stimme klang wie aus einem Lautsprecher im Flugzeug, lauter als alle anderen an Bord. Das kann vielleicht ein Grund sein, warum damit für mich die Figur Bane sehr schnell einen ersten Kratzer bekam. Im Laufe des Films hört Hardy sich nicht jedes Mal so verstärkt und aus neu eingespielt an (zum Glück), aber es gibt immer wieder Passagen, wo ich den Klang seiner Stimme einfach nicht abkaufe. Für mich ein Riesenproblem des Films. Der Bösewicht wird eingeführt, und durch diesen schlechten Effekt kann er nicht den Eindruck hinterlassen, den er sollte (mehr zu Bane im eigenen Abschnitt).

Storytelling – zu viele Themen, zu viele Charaktere

Christopher Nolan war ambitioniert. Er wollte die Batman Trilogie mit einem Ausrufezeichen beenden und viele Dinge zu Ende führen, die ihm (und den Fans) wichtig waren. Er wollte Gesellschaftskritik üben und diese Ideen an vielen Stellen des Films einbauen. Dadurch überfüllte er sein Drehbuch mit einem gigantischen Puzzle, das ihm zweifellos wichtig war, welches ihm aber gleichzeitig die Möglichkeit nahm, auf den Punkt zu kommen. Gesellschaftliche Themen in TDKR sind der Klassenkampf, die Entmachtung der Reichen und Wohlhabenden, das Umdrehen der Machtzustände. In Schauverhandlungen urteilt Scarecrow (Cillian Murphy) über die ehemalige Oberschicht und stellt sie vor der Wahl: Tod oder Exil (beides läuft auf das gleiche hinaus). Die Börse wird attackiert (um Wayne in den Ruin zu treiben), das Symbol für die Ausartung und Perversionen des Kapitalismus. Der Präsident spricht zu seinem Volk: „We do not negotiate with terrorists!“ (ich kann es nicht mehr hören). All diese Themen versucht Nolan aufzufangen und anzusprechen, irgendwie zu kommentieren oder wertzuschätzen, und so kommt es zu einem Übermaß an eigentlich überflüssigen Szenen, die man hätte rausnehmen und vereinfacht oder symbolischer darstellen und inszenieren können (Klarstellung: mir geht es nicht darum, einen simplen Film zu sehen, den jeder sofort versteht. Ich mag komplexe Filme, die zu weiteren Sichtungen verlocken. Ich bemängele nicht die Komplexität von TDKR, sondern die Konfusion und Zerfahrenheit seiner dramaturgischen Struktur).

Wie viel mehr Symbolkraft hat die Verbrennung des Geldhaufens durch den Joker in THE DARK KNIGHT als Kritik an den Kapitalismus, die Korruption und den Konsum mittels einer Geldwährung? Wie viel einfacher und prägnanter ist das Feldexperiment mit den beiden mit Sprengstoff beladenen Fähren, deren Insassen sich gegenseitig in die Luft jagen können, um ihre Haut zu retten? Stattdessen bekommen wir in TDKR Impressionen von Occupy Wall Street, Amerikas nicht verheilten 9/11 Narben, Dekadenz und Reichtum der Elite und ein wenig französische Revolution. Es ist einfach zu viel und zu unfokussiert. Ebenso verhält es sich mit den Charakteren:

Catwoman

Catwoman wurde offenbar eingeführt, um dem Comic gerecht zu werden. Anne Hathaway macht auch eine gute Figur als Selina Kyle, sie ist keine schlechte Catwoman. Aber eigentlich wäre das Aufrappeln Batmans bedeutender und gewichtiger, wenn er nicht ausgerechnet jetzt hin und wieder auf einen Sidekick angewiesen wäre. Stattdessen hat Batman selbst erstaunlich wenig Screentime. An sich nicht gravierend, zeigt es doch auch, dass die Grenzen für Nolan erreicht wurden. Irgendwann war für ihn aus der Figur nicht mehr viel zu holen: wie oft soll er noch Nachts aus dem Nichts auftauchen und die bösen Buben fangen? Wie schon in THE DARK KNIGHT der Fokus langsam auf den Joker gerichtet wurde und Batman als zweiten Protagonisten neu eingeordnet hatte, so tritt er auch in TDKR zurück und überlässt das Feld (zunächst freiwillig, dann gezwungenermaßen) den anderen Figuren. Selina Kyle wohnt außerdem mit einer Freundin/Partnerin/Schülerin/werauchimmer zusammen, die in wenigen Szenen erscheint und auch Dialogzeilen hat, aber nicht weiter ausgearbeitet ist (auch hier Anspielung auf die Comics, aber im Film funktionslos, verwirrend und überflüssig).

Blake

Blake (Joseph Gordon-Levitt) wird von Szene zu Szene prominenter, und dem Zuschauer dämmert, dass es sich um eine wichtige Figur handeln muss, da es sonst sinnfrei wäre, ihn so oft zu zeigen. Wie sich am Ende herausstellt, ist Blake der mögliche Nachfolger Batmans und gleichzeitig eine Hommage an Robin. Somit ist seine Figur und der Fokus auf sie zu legitimieren. Blake ist sympathisch, intelligent und an den meisten Stellen die Identifikationsfigur der Zuschauer. Er ist auch einer derjenigen, die Batmans Identität kennen (ein Aspekt, der mich jedoch gestört hat, ist, dass in TDKR schlagartig ganz viele Leute seine Identität kennen. Andererseits ist das auch eine Möglichkeit, den Druck auf ihn massiv zu erhöhen – er verliert die Kontrolle). Mit Blake hatte ich wenige Probleme. Der Fokus auf seinen Charakter kam für mich zwar überraschend, ist aber in Ordnung.

Foley

Anders verhält es sich mit Foley (Matthew Modine). Auch diese Figur basiert auf einen Charakter der Comics, einer der Antagonisten von Commissioner Gordon (Gary Oldman). In TDKR hat er nur wenige Funktionen, diese sind jedoch fatal: er lässt Bane laufen, weil er lieber Batman fangen will. Er schickt die gesamte Polizei Gothams in die Kanalisation, welche kurz darauf verschüttet und eingesperrt wird. Er hält nichts von Blake, das führt jenen zu Gordon und zur Beförderung zum Detective. Und er verliert nach Banes Machtübernahme seinen Mut und verschanzt sich in seiner Wohnung. Er wird als karrieregeiler Opportunist eingeführt, als dilettantischer Einsatzleiter. Ich kann verstehen, dass Nolan eine Figur brauchte, die solche dumme Fehler überhaupt begehen kann, also hat er Foley eingebaut. Aber damit hat es sich noch nicht. Wir müssen unbedingt noch erleben, wie der feige und entmutigte Foley, der Banes Plan aussitzen möchte, schließlich doch wieder den Mut fast und in patriotischer Tradition seine Uniform und Handschuhe anzieht, um an vorderster Front zusammen mit seinen Kollegen zu kämpfen, und sich dann wie die anderen Komparsen abknallen zu lassen. Dies ist einfach überflüssig. Wir als Zuschauer haben keine großen Sympathien für Foley, also sind wir auch nicht sonderlich froh ob seiner moralischen Entscheidung, doch für die gute Sache einzutreten. Daher juckt uns auch sein Tod unter Vielen kaum. Foley ist einfach keine wichtige Figur für uns, die aber viel zu viel Zeit in der Geschichte bekommt. Und sie ist nur drin, weil Nolan sie brauchte, um die Handlung so zu lenken, wie er wollte.

Scarecrow

Scarecrow zählt zu den Miniauftritten, die mir zugesagt haben. Seine Rolle hat einen kranken Humor und passt zum grotesken Tribunal auf dem Schreibtischberg.

Ra‘s

Ra‘s (Liam Neeson) starb am Ende von BATMAN BEGINS, doch er hat eine Szene mit Bruce Wayne in Banes Gefängnis in Indien, die sich dann als Fantasie Waynes herausstellt. An sich kein Problem, wenn nicht die Halluzination wichtige Hintergründe von Bane erklären würde. Wie soll man das verstehen? Fantasiert Bruce Wayne, dass Ra‘s ihm über Banes Geschichte erzählt – sprich: reimt sich Wayne die Geschichte selbst zusammen? Spekuliert er, um die Worte dann einem Fantasieprodukt in den Mund zu legen? Überflüssig, weil unlogisch und ansonsten funktionslos (außer einen Liam Neeson Cameo einzubauen zu wollen).

Alfred

Um es drastisch auszudrücken, ist die Figur Alfreds in TDKR reduziert auf eine Heulboje. Es ist erstaunlich, wie schnell manche Fans begeistert werden können und nach einem Oscar rufen, weil Michael Caine in beinahe jeder Szene weint. Caine ist ein Schauspielveteran, und es ist für jemanden seiner Klasse keine besondere Schwierigkeit, wenn der Regisseur ihm sagt: verliere in dieser Szene die Fassung und weine. Caine macht seinen Job wie immer (gut), nur wird er in TDKR völlig beschränkt auf diese weinerlichen Momente. Seine einzige Funktion ist lediglich die Warnung vor Bane und die Trauer um der zerbrochenen Beziehung zu Wayne (und schließlich um dessen Tod). Die Entscheidung, dass Alfred und Wayne getrennte Wege gehen, ist kritisch und gefällt mir nicht sonderlich, da sie nicht zu Alfred passt, aber der insgesamt limitierte Auftritt des Charakters missfällt mir sehr. Da wurde an seiner Screentime gespart, um stattdessen andere unwichtigere Charaktere viel zu sehr in den Vordergrund zu rücken.

Miranda

Ähnlich wie bei Blake wird am Ende klar, weshalb Miranda (Marion Cotillard) wichtig ist. Sie ist das Mastermind hinter Bane und fällt in einem (für mich unerwarteten) Twist Batman in den Rücken. Ich hatte mit Cotillards Figur kaum Schwierigkeiten, selbst mit dem Twist kam ich eingermaßen zurecht. Allerdings war sie mir in der letzten Actionszene, die zu ihrem viel zu unspektakulären Tod führte, zu unglaubwürdig. Das Hauptproblem bei Miranda ist jedoch, dass sie durch den Twist Bane schlagartig zu einem Laufburschen degradiert (zu Bane später mehr). Letztlich diente dieser Twist nur dafür, den Zuschauer kurz vor dem Ende zu verblüffen. Verblüfft waren sicher viele (ich auch), aber der Preis für diesen Effekt hinsichtlich der Figur Banes ist mir zu hoch.

Die bösen Jungs, deren Namen ich nicht mehr weiss

Es werden mindestens zwei Gestalten eingeführt, die im Auftrag Banes agieren und als gefährlich eingeführt werden. Aalglatte Anzugsträger, die einem Masterplan folgen (Sie fädeln auch den ersten Deal mit Selina ein). Und plötzlich werden sie nicht mehr gebraucht. Bane tötet den einen (gespielt von Ben Mendelsohn), was mit dem anderen passiert, weiß ich nicht mehr genau. Der Punkt ist: ich verstehe nicht, warum Nolan sich die Mühe macht, Figuren so einzuführen, dass eine gewisse Gewichtung suggeriert wird, um sie dann gleich wieder abzuwerfen. Es kommt der gleiche Verdacht auf wie bei Foley. Er braucht einfach gewisse Akteure, um in seinem Puzzle hier oder da ein Rädchen anzuschmeißen. Dagegen spricht nichts, aber die Tatsache, dass er sie dem Zuschauer als wichtige Charaktere mit nicht unbeachtlicher Screentime vorstellt, ist unverständlich. Ich wiederhole mich: Er verliert sich in der Unmenge Nebenfiguren, anstatt sich auf das Wesentliche zu konzentrieren (Dieser Vorwurf trifft nicht nur auf die zahlreichen Nebencharaktere zu, sondern auch auf weit kleinere Parts: immer wieder gerät eine völlig unwichtige Figur in die Großaufnahme, um auf die Ereignisse, meist mit einem Einzeiler, zu reagieren. Sei es ein Random-Cop, ein Random-Offizier oder weiß der Kuckuck. Diese Figuren haben keine Funktion, außer die Reaktionen des Filmzuschauers zu simulieren, so als wolle man dem Zuschauer vorzeigen, was die angebrachte Reaktion zur gesehenen Szene sein muss. Wieder eine Form von Reduzierung der Zuschauerintelligenz auf Kosten von unnötiger Laufzeit).

Der Antagonist: Bane

Bane (Tom Hardy) war der Charakter, auf den sich wohl die meisten Fans gefreut haben. Ich schätze den Schauspieler Tom Hardy (BRONSON, INCEPTION) sehr und war auch sehr gespannt auf den von ihm interpretierten Bane, auch wenn ich anfangs schon sehr skeptisch war wegen der Maske. Bane ist zwar in den Comics neben dem Joker der gefährlichste Gegner Batmans gewesen (immerhin hat er ihm das Rückgrat gebrochen), doch die Figur selbst gefällt mir nicht und wirkt irgendwie lächerlich. Er kleidet sich aus wie ein Wrestler, ist aufgepumpt und nimmt Masse und Stärke zu, sobald er sich seine Drogen in den Körper jagt (auf diesen Aspekt wurde im Film verzichtet). Ich konnte aber verstehen, dass Bane ein passender Antagonist für den Abschlussfilm ist. Insgesamt geht von Bane eine große Bedrohung aus. Er wirkt gefährlich, er mordet in gefühlt jeder zweiten Szene (wenn auch gänzlich unblutig und jugendfrei) und ist durch und durch ein Soziopath. Dennoch: es macht nicht Klick bei mir. Seine Aktionen sind zwar zerstörerisch und folgen dem Masterplan, aber in ihrer Masse verlieren sie an Salienz. Sein Duell gegen Batman ist ein völlig unspektakulärer Faustkampf (Dieser Kampf ist sehr fantasielos inszeniert. Beide von der League of Shadows ausgebildeten Superkämpfer prügeln hier mit langweiligen Haken und Schwingern aufeinander ein, als würden sie eine Kneipenschlägerei simulieren. Die Schläge von Bane sind viel zu unbedrohlich, sie wirken längst nicht so zerstörerisch und tödlich wie in den Comics. Schließlich die Schlüsselszene: Bane bricht Batman das Rückgrat! In den Comics der KNIGHTFALL-Reihe ist dies DAS Ereignis schlechthin, hier passiert es eher nebenher, ohne filmische Betonung. Das Potential wurde überhaupt nicht ausgeschöpft.). Irgendwie passt es auch nicht zu Batman, dass er sich von Catwoman zu Bane führen lässt und ihn dann frontal attackiert, obwohl er genau weiß, dass er nicht in Topform ist. Glaubt er wirklich, dass er ihn besiegen kann, obwohl Alfred ihn vorab eindeutig warnt, dass Bane ihm weit überlegen sei? Wo bleibt Batmans Intelligenz, die Nutzung seiner Gadgets, das Überraschungsmoment? Batman ist in erster Linie ein Detektiv! Jedenfalls geht Banes Plan auf. Gotham gehört ihm, Batman wird ins Gefängnis nach Indien geschafft (Bane begleitet ihn sogar dorthin), und ab jetzt ist Bane irgendwie nur noch der Verwalter der Besetzung. Er hat ja eigentlich nichts mehr zu tun, denn die Prozesse macht „das Volk“, und die Bombe tickt. Wir wissen erst am Ende, dass Bane mit Miranda zusammenarbeitet, aber irgendwie geht hier etwas verloren für die Figur. Er wird einfach zum Warlord, der seine Armee befehligt. Das ist etwas langweilig. Einen starken Moment für Bane gibt es jedoch noch: als Batman ihn besiegt und seine Maske beschädigt hat und Miranda mit dem Messer in Batmans Rücken ihre wahre Geschichte erzählt, zeugen Hardys Augen von einer unsäglichen Qual, Traurigkeit und Verlorenheit. Das war einer der wenigen Momente, wo die Figur für mich wirkliche Tiefe bekam. Und schließlich wird Bane wie eine x-beliebige Nebenrolle von Catwoman über den Haufen geschossen – dieses Ende für den Antagonisten, der nach dem Twist zum Gegner zweiten Ranges degradiert wurde – ist meiner Ansicht nach absolut enttäuschend und einer der größten Tiefpunkte. Der eben noch starke Moment wird schlagartig zunichte gemacht. Das Fazit zu Bane lautet schlicht: das Potential wurde nicht verwertet. Vor allem der finale Twist um Miranda zerstört die vorher aufgebaute Mythologie um Bane. Nicht er ist als einziger aus dem Gefängnis geklettert, sondern Miranda. Er verkommt zum Muskelprotz, der schließlich auf banale Weise besiegt wird.

Der Dunkle Ritter: Batman

Und schließlich kommen wir zum Hauptprotagonisten. Wie bereits erwähnt, hat Batman wenig Screentime. Bruce Wayne lebt zurückgezogen in seiner Villa, offensichtlich gebrochen (nicht so sehr wegen der Hetzjagd nach dem Tode Harvey Dents, sondern vielmehr aufgrund des Todes von Rachel). Als er sich nach dem Auftauchen Banes gegen den Rat Alfreds entscheidet, das Kostüm wieder überzustreifen, befindet er sich in keiner guten körperlichen Verfassung. Somit ist es keine große Überraschung, dass er das erste Duell gegen Bane verliert. Dieses Duell hat mir aus bereits erwähnten (siehe Abschnitt Bane) Gründen nicht gefallen: unoriginelle Inszenierung, schlechte und für die Kämpfer dieses Kalibers unpassende Choreografie, Batmans mangelnde Intelligenz (auch im Umgang mit Selina) und der unspektakuläre Moment, in welchem Batmans Rückgrat gebrochen wird. Nun wird er also auf die andere Seite der Welt in Banes Gefängnis verfrachtet und liegt dort mit gebrochenem Rücken herum. Wir kennen es aus Filmen, dass Heilungsphasen traditionell kürzer sind als sie in Wirklichkeit wären, aber sollen wir wirklich abkaufen, dass Wayne von einem Gefängnis-Chiropraktiker mal eben eingerenkt wird und danach in knapp drei Monaten durch Liegestütze, Push-ups und einer Kletterpartie einen besseren körperlichen Zustand erreicht als vor seinem ersten Duell (ich weiß, sein geistiger Zustand ist besser, aber come on!)? Und, um vorzugreifen, wie läuft das zweite Duell ab? Es ist genau die gleiche Keilerei, nur dass Batman diesmal auf die Idee kommt, auf Banes Mundschutz einzudreschen. Plötzlich ist der zuvor noch übermenschlich starke Bane Prügelknabe des wiedergenesenen Batman. Wer schon einmal die geniale KNIGHTFALL Comicreihe gelesen hat, die genau diesen Konflikt zwischen Batman und Bane thematisiert, wird den Kopf schütteln. Bruce Wayne verbringt dort nach seinem Kampf gegen Bane einen nicht unbeachtlichen Teil der Geschichte im Rollstuhl und hat zunächst keine Aussicht auf Heilung! Ich kann die Comics nur weiterempfehlen an alle Batman-Fans, die bisher nur die Filme gesehen haben.

Wayne entkommt also aus dem Gefängnis und tritt die lange Reise zurück nach Gotham an und taucht dort schließlich wieder auf (dieser Punkt wurde im Internet von vielen kritisiert, auch im slashfilm-Artikel, hat mich aber nicht sonderlich gestört, auch wenn ich die Kritik nachvollziehen kann. Das ist eigentlich kein plot hole, sondern nur eine massive Auslassung von Handlung). Nach dem Twist um Miranda begibt sich Batman nun mit seinem „Bat“ (dieses Flugungetüm hat mir überhaupt nicht gefallen, weder das Design noch der futuristische Overkill) und Atombombe im Schlepptau auf seine scheinbare Himmelfahrtsmission. Wir wissen, dass das „Bat“ keinen Autopiloten hat (wir werden belogen), und wir sehen kurz vor der Detonation ein Close up von Batman. Dann macht es Boom und ein riesiger Atompilz schmückt die Bucht von Gotham City. Die Bewohner sind gerettet (wie sieht ihre DNA und die ihrer Kinder in einigen Jahrzehnten aus?) und Batman bringt das finale Opfer – oder doch nicht? Kurz danach erfahren wir, dass der Autopilot doch zuvor von Wayne eingebaut wurde, und zu alledem erblickt Alfred wie in seinen zuvor erwähnten Träumen Wayne zusammen mit Selina in einem Café einer europäischen Stadt…gleichzeitig entdeckt Blake/Robin das Geheimversteck Batmans und dessen Equipment…

Ende und Fazit

Wie soll man diese Enden interpretieren? Ganz einfach: entweder Batman ist tot (meine Präferenz), Alfred fantasiert und Blake wird eine Art Nachfolger („Robin“ oder ein neuer Batman). Oder aber Batman ist rechtzeitig entkommen, hat seinen (und auch Waynes Tod) simuliert und chillt nun mit Selina in der alten Welt, um vielleicht irgendwann wiederzukommen. Das Problem ist weniger die Interpretation, sondern die schlechte Plausibilität der zweiten Interpretation, welche vermutlich nur ermöglicht werden sollte, damit die Studios in der post Nolan Ära alle Optionen in der Hand haben und vielleicht auch, um ein nettes Happy End zu bieten. Ich habe nichts gegen ambivalente Enden, aber dieses hier ist forciert und zeugt von dem fehlenden Mut, die plausible und stärkere Variante konsequent durchzuziehen. Es ist auch filmisch gesehen eine gewisse Schummelei. So wie ich den Film in Erinnerung habe, gibt es besagte letzte Nahaufnahme von Batman kurz vor der Explosion. Nach dieser Nahaufnahme kann er unmöglich in Sicherheit abgesprungen sein, denn dafür reicht die Zeit nicht. Falls er zuvor bereits seinen Flugapparat verlassen hat und dieser mit Autopilot weiter fliegt, ist die Nahaufnahme eine künstliche Verwirrung des Zuschauers in schlechtem Stil. Ich halte es daher mit der ersten glaubwürdigeren Interpretation, die meiner Meinung nach auch ein versöhnliches Ende und ein guter Abgang für Batman ist.

Abschließend möchte ich noch ein wenig verdeutlichen, warum ich diesen Artikel geschrieben habe und dem Film so viel Zeit widme (es gibt tatsächlich auch Filme, über die man lieber schreibt als dass man sie sieht). Ich mag Superhelden, und Batman ist schon immer mein Favorit gewesen. Er ist die interessanteste Figur und ich habe zahlreiche Comics verschlungen. Beide Burton Filme haben richtig Spaß gemacht und für die Schumacher Versionen musste ich mich fremdschämen. Ich bin insgesamt begeistert, was Christopher Nolan aus dem Material gemacht hat. Er hat den Karren nach BATMAN FOREVER und BATMAN & ROBIN aus dem Dreck gezogen und in ungeahnte Höhen gebracht. Auch wenn TDKR der schwächste Teil ist, so ist die Trilogie als Ganze ein absoluter Höhepunkt des Comicfilms. Und wenn ich auch ungemein viel Kritik an TDKR anbringe (an einem guten Batman-Film liegt mir eben mehr als an einem guten Avengers- oder Spiderman-Film), so ist der Film an sich unterhaltsam und kein schlechter Comicfilm, nur eben verglichen zu den Erwartungen nach zwei sehr guten Filmen enttäuschend. Der Abschluss hätte runder und geschliffener sein können, stattdessen verliert sich Nolan meiste Zeit in viel zu vielen Charakteren und Kleinigkeiten, die teilweise überflüssig, teilweise unplausibel, teilweise verwirrend sind und dadurch den Film zu einem augeblasenen Flickwerk mit zahlreichen Löchern machen. So verpasst er in all seiner Ambition und seinem Puzzlewahn die Chance, mit seinem letzten Batman Film nochmals einen drauf zu setzen.

Ich werde TDKR auf jeden Fall weitere Male sichten, allerdings erst, wenn der Film in den Verkauf kommt. Die fehlende Motivation, den Film weitere Male im Kino zu sichten (im Gegensatz etwa zu THE DARK KNIGHT) bestätigt insgesamt meine Enttäuschung. Jedenfalls bin ich gespannt, wie TDKR beim nächsten Mal auf mich wirken wird.

Kommentare
  1. therudi sagt:

    Bin kein Fan von Nolans Batman-Filmen und habe den hier nicht einmal im Kino gesehen. Aber für mich liegt die Krux schon im Umgang mit der Figur. In Teil 1 will Wayne unbedingt Gotham retten und bla blabla und wird zum Batman und in Teil 2, der ein knappes halbes Jahr später spielt, hat Wayne bereits die Schnauze voll und will das Zepter an Dent reichen. In Teil 3 gibt es nun seit fast einem Jahrzehnt keinen Batman mehr und Gotham gehts besser als früher. Nolans Held ist also einer, der kein Held sein will – deswegen nicht zu verwechseln mit dem klassischen Antihelden -, was für mich die Reihe schon total uninteressant macht. Wer will schon Indiana Jones sehen, wenn der dauernd in seinem Büro hockt und sagt „*Schnief* ich will aber nicht nach Venezuela in den Urwald Schätze suchen“. Nolan ist für mich, bei aller damaligen Wertschätzung für THE PRESTIGE, einfach ein cineastischer Stümper. Gurken wie die Batman-Reihe, INCEPTION, INSOMNIA und Co. sind hierfür Beispiel. Neben Peter Jackson der meistüberschätzte Regisseur der Gegenwart.

    • indy sagt:

      Ich stimme dir zwar nicht zu hinsichtlich des „cineastischen Stümpers“ (ich mag seine anderen Filme sehr) und auch nicht hinsichtlich Jackson (die LotR-Trilogie reicht mir aus, um PJs Arbeit wertzuschätzen, da braucht er theoretisch keine Filme mehr drehen), aber wie du sehe auch ich ein großes Problem in der Charakterentwicklung von Wayne. Allerdings nicht schon in den ersten beiden Filmen (in BATMAN BEGINS kaufe ich seine Motivation ab und in THE DARK KNIGHT trifft er plötzlich auf eine Figur, die seine Existenz völlig in Frage stellt). Im Abschlussfilm jedoch ist (wie du auch schreibst) Wayne kein Antiheld, sondern sein Todeswunsch geht nur auf die Nerven, vor allem der angebliche Grund, nämlich der Tod Rachels. Das kaufe ich nicht ab und ist nicht Batman-typisch.

  2. Veli sagt:

    Erstmal danke für deinen Bericht!
    Kann es sein das du, weil du eben ein so grosser Batman Fan bist, ein wenig zu hart mit TDKR ins Gericht gehst? Ich teile deine Meinung zwar in recht vielen Punkten, das ist definitiv der schlechteste Teil der Trillogie. Aber das Wort das mir hier im Bezug auf Bruce Wayne gefehlt hat ist: Depression.
    Wenn jemand in diesem Masse depressiv ist, und einen starken Todeswunsch hat überlegt man nicht gross, „wie überlebe ich den Fight mit Bane“ und „ist Catwoman eine vertrauenswürdige Person“. Klar kann man seine Herangehensweise als unintelligent Kritisieren, aber doch denke ich das Batman hier einfach für eine gute Sache sterben wollte. Ausserdem vergisst man auch die acht Jahre Isolation die er sich selbst aufgebrummt hat. Das kann einen auch ein wenig, naja… verblöden lassen.
    Die beiden bösen Anzug-Lackaffen im ersten Drittel des Films wurden wahrscheinlich so gross inszeniert um zu zeigen das der eine ein sehr mächtiger, korrupter Typ ist und der andere sein persönlicher Lakaie (der übrigens von Scarecrow „verurteilt“ wird), aber Bane halt noch viel mächtiger ist und ihn das nicht die Bohne kümmert, wenn er ihn Schnell mal aus dem Weg schafft. Eine weitere Unterstreichung von Banes Charakter.

    Der erste Fight hat mir persönlich sogar sehr gefallen! Kein Hans Zimmer im Hintergrund, sondern nur Geräusche wie Wasser, Metall und Schläge, sorgen für Dramatik. Bane wusste das Batman grade „schwach“ und wütend ist und hat ihn erstmal Auspowern lassen und anschliessend hübsch die Fresse poliert, so machen das erfahrene Kampfsportler. Ausserdem mag ich es das der Kampf nicht überstilisiert wurde, wie es z.B. bei Marvel üblich ist. Sondern einfach mal aufzeigt wie so eine Schlägerei zwischen Bane und Batman etwa in echt aussehen würde.
    Hier muss ich noch erwähnen das sich Nolan geschichtlich nur an die Knightfall-Saga -angelehnt- hatte, was er auch schon so vor der Veröffentlichung kommunizierte.
    Es wurde im Film nie gesagt das er eine Kreuzschnitt-Lähmung erlitt, sondern das ihm nur ein Wirbel verschoben wurde, das ist ein enormer Unterschied.

    Über den Bat-Pod kann man Streiten denke ich. Meiner Meinung nach sehr hässlich, aber einiger massen realitätsnah (Realitätsnähe war Nolan bei der Batman Trilogie sehr wichtig. das sich das mit der Comicvorlage beisst, war glaube ich jedem klar der schon mal Batman-Comics gelesen hatte). Der Bat-Pod ist gebaut wie eine Drohne, man kann zwischen Häusern präzise und wendig fliegen und bei bedarf auch gut beschleunigen, desswegen ist für dieses Gerät ziemlich plausibel.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s