MY DARLING CLEMENTINE

Veröffentlicht: 20. August 2012 in reviews
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Die Schießerei am O.K. Korall zwischen Wyatt Earp, seinen Brüdern und Doc Holliday auf der einen und den Outlaws aus den Clanton und McLaury Familien auf der anderen Seite wurde zur Legende und brachte Marshall Earp seinen berühmt-berüchtigten Status als Revolverheld ein. Ein Etikett, mit welchem er die folgenden 40 Jahre weiter leben musste. Die Geschichte um Wyatt Earp und Zahnarzt/Spieler/Revolverheld/Trinker Doc Holliday wurde in zahlreichen Verfilmungen in unterschiedlichen Ansätzen auf Zelluloid gebannt. John Ford (THE SEARCHERS) drehte MY DARLING CLEMENTINE im Jahre 1946 mit Henry Fonda (12 ANGRY MEN, ONCE UPON A TIME IN THE WEST) in der Hauptrolle als Wyatt Earp und Victor Mature (KISS OF DEATH) als Doc Holliday.

Viele denken bei John Ford sofort an das Duo Ford/John Wayne, doch auch die Kollaboration mit Henry Fonda brachte insgesamt sieben Filme zustande, von welchen THE GRAPES OF WRATH oft als der beste genannt wird. Fords MY DARLING CLEMENTINE ist eine charmante Annäherung an das historische Material, welches, obwohl Ford angeblich mit dem echten Earp reden konnte, hochgradig von den tatsächlichen Ereignissen abweicht. Dennoch leidet der Film nicht unter dieser Tatsache, sondern gewinnt vor allem durch das Spiel Fondas, auch im Tandem mit Mature, an Reiz.

Die eigentliche Schießerei ist das Finale des Films, jedoch wird jene Gewalt für Ford typisch kurz und explosiv, aber nicht exzessiv gezeigt, stattdessen konzentriert sich Ford eher auf den Protagonisten und seine Beziehung zu Doc Holliday und Clementine (Cathy Downs), Docs früherer Freundin und Symbol für das Gute, das jenen einst ausgemacht hatte. Mit vielen kleinen Details und alltäglichen Situationen gelingt es Ford und Fonda, die Persönlichkeit der Hauptfigur zu vermitteln. Einerseits ist er der engagierte und überzeugte Mann, welcher den Tod seines Bruders rächen will, indem er in Tombstone wieder für Ruhe sorgt und Recht und Ordnung herstellt. Gleichzeitig beobachten wir Fonda als nervösen und frisch verliebten Jüngling, der gut gelaunt auf seinem Stuhl wippt (eine Einstellung für die Filmgeschichte) und sich tänzelnd mit den Stiefeln abwechselnd von der Säule abstützt, der völlig unbeholfen und verkrampft neben Clementine steht, sie dann doch zum Tanzen auffordert und dann wie ein kleiner Junge voller Enthusiasmus loslegt. Er stolziert nach dem Besuch beim Barbier an Fenstern entlang und bewundert im Spiegelbild seinen neuen Haarschnitt, während die Umstehenden irritiert sind vom Duft, der von ihm ausgeht: „Desert Rose?“ – „It‘s me…barber.“ Parfüm, Barbier, Clementine und Recht und Ordnung – gewissermaßen der Beginn der Zivilisation im Wilden Westen, unterlegt von dem immer wiederkehrenden Thema „Oh my Darling Clementine“.

John Fords MY DARLING CLEMENTINE (deutscher Titel „Faustrecht der Prärie“) ist ein liebevoller Klassiker des Genres und eine überaus gelungene, wenn auch nicht historisch akkurate Umsetzung der Geschichte von Wyatt Earp, Doc Holliday und der Schießerei am O.K. Korall.

MY DARLING CLEMENTINE
USA 1946
Regie: John Ford
Drehbuch: Samuel G. Engel, Winston Miller
Kamera:  Joseph MacDonald
Schnitt: Dorothy Spencer
97 min.

8/10

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